JPMorgan AM, Carmignac und Pictet stellen sich gegen den Marktkonsens
Während die Mehrzahl der Marktteilnehmer von drei Zinsschritten nach oben in der Eurozone ausgeht, sind Adressen wie Carmignac, JPMorgan AM und Pictet anderer Meinung und untermauern diese mit guten Argumenten.

Eckpunkte:
- Die meisten Marktteilnehmer erwarten seitens der EZB mehrere Zinsschritte nach oben
- Carmignac, J.P. Morgan AM und Pictet sind jedoch anderer Meinung
Prominente Investoren positionieren sich vor der Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag gegen den Marktkonsens, wie einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen ist.
JPMorgan Asset Management argumentiert, das schwache Wirtschaftswachstum auf dem Kontinent werde die von der EZB erwartete Zinserhöhung zu einem Fall von “einmal und dann Schluss” machen. Pictet Asset Management und Carmignac sagen, die Währungshüter könnten es auch rechtfertigen, die Zinsen unverändert zu lassen. Das steht in deutlichem Gegensatz zu den Signalen der Märkte und Ökonomen: Angesichts der Inflationsgefahr durch den Iran-Krieg rechnen Händler mit Zinserhöhungen von 75 Basispunkten bis zum Jahresende.
Wording entscheidend
Entscheidend wird die Kommunikation der Zentralbanker sein. Sollten die Investoren recht behalten, könnten Anleihen zulegen und die Renditen von Niveaus nahe den höchsten Ständen seit Jahren sinken.
“Der Markt erwartet drei Schritte - sie werden wahrscheinlich einen machen, nur um zu zeigen: ‘Wir schauen auf die Inflationsdaten’”, prognostiziert Luca Paolini, Chefstratege bei Pictet. “Die europäische Wirtschaft zieht nicht an.”
Alte Fehler vermeiden
Die Währungshüter wollen frühere Fehler vermeiden: Die Zentralbank hob 2008 und erneut 2011 die Zinsen an, doch der Preisdruck erwies sich im Zuge der globalen Finanzkrise bzw. der Eurokrise als vorübergehend.
Nach Einschätzung von Zara Nokes, Marktanalystin bei JPMorgan AM, dürfte die Zentralbank nach Donnerstag kaum weitere Anhebungen verfolgen, falls die Konjunktur schwach bleibt — auch wenn die EZB ihr Engagement für die Rückführung der Inflation auf das Zielniveau unterstreicht.
Inflationserwartungen zuletzt leicht gesunken
Die Marktindikatoren für die Inflationserwartungen stiegen nach Kriegsbeginn sprunghaft an, sind aber seit ihrem Höchststand im April wieder gesunken. Der einjährige Inflationsswap kletterte von 1,75 Prozent Ende Februar auf 2,40 Prozent, fiel aber seither auf 2,12 Prozent zurück und liegt damit nur knapp über dem offiziellen EZB-Ziel von 2,0 Prozent (siehe Grafik unten).
Irland enttäuscht
Daten vom Freitag zeigten, dass das Bruttoinlandsprodukt des Euroraums im ersten Quartal dieses Jahres sank, statt wie von Ökonomen erwartet zu steigen. Grund war eine starke Abwärtsrevision für Irland. Bereits zuvor hatte die OECD in der vergangenen Woche erklärt, der Euroraum werde in diesem Jahr nur um 0,8 Prozent wachsen, und vor einer “Verschlechterung der Stimmung” gewarnt.
Ein Zinsschritt nach oben wäre verkraftbar
Die europäische Wirtschaft “kann diese 25 Basispunkte mehr verkraften - das ist keine große Gefahr”, sagte Guillaume Rigeade, Co-Leiter Fixed Income bei Carmignac. “Aber wenn wir in einen Zinserhöhungszyklus mit aufeinanderfolgenden Schritten eintreten, könnte es anders aussehen.”
Eine Bloomberg-Umfrage unter Ökonomen vom 29. Mai bis 3. Juni zeigte, dass alle Befragten bis auf einen bei der Sitzung am Donnerstag mit einer Zinserhöhung um einen Viertelpunkt rechnen. Es wäre die erste Anhebung der Zentralbank seit 2023.
Die meisten erwarten anschließend noch eine weitere Erhöhung bis Jahresende, während eine Senkung erst Mitte kommenden Jahres gesehen wird. Zuvor hatten Ökonomen bereits für März eine Senkung prognostiziert. (aa)
Kurzfristige Inflationserwartungen gehen leicht zurück - gemessen an Inflations-Swaps



