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Joe Amato, Neuberger Berman: "Darf die Risiken nicht übersehen"

Für Joseph V. Amato, Chief Investment Officer Equities bei Neuberger Berman, sind viele Assetklassen jetzt schon zu teuer und könnten unter einem Stimmungswandel leiden. Weiter aufwärts würde es nur dann gehen, wenn ein paar der derzeiten Probleme gelöst werden würden.

Joseph „Joe“ V. Amato, Vorsitzender und Chief Investment Officer Equities bei Neuberger Berman
Joe Amato, Neuberger Berman
© Christoph Hemmerich / Institutional Money

"Letzten Dienstag legte die Bank of America Merrill Lynch die Ergebnisse ihrer regelmäßigen internationalen Assetmanager-Umfrage vor. Offensichtlich denken viele Assetmanager ähnlich wie unser Asset Allocation Committee (AAC)", leitet Joseph V. Amato, Chief Investment Officer Equities bei Neuberger Berman, seine aktuelle Markteinschätzung ein, in der er vor überteuerten Anlageklassen warnt, aber auch ein paar Hoffnungzeichen nennt.

Zur Erinnerung: Erstmals in diesem Konjunkturzyklus hatte das AAC Cash übergewichtet. Auch die befragten Assetmanager haben ihre Cashquoten erhöht. Das AAC schätzte internationale Aktien jetzt negativer ein und bevorzugte die vergleichsweise sicheren US-Titel. Die befragten Manager haben sich ebenfalls zu einer deutlichen Übergewichtung von US-Aktien entschlossen.

Andere Indikatoren, für klassische Long-only-Anlagen wie für Hedgefonds, bestätigen diese Vorsicht – und die jüngsten Umschichtungen in Geldmarktfonds zeigen, dass Investoren abwarten, bis sie klarer sehen, was vor ihnen liegt.

Nachlassendes Wachstum, steigende Risiken
Die Weltwirtschaft scheint, nach einer Zeit der Stärke wieder zu dem seit der Finanzkrise üblichen Trendwachstum zurückzukehren. Am Wochenende, im Vorfeld seiner Jahreskonferenz in Washington, hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose für das Weltwirtschaftswachstum im Jahr 2019 auf gerade einmal drei Prozent gesenkt, den niedrigsten Wert seit der Finanzkrise. Außerdem steigen die Risiken: Vor allem das Verarbeitende Gewerbe hat große Probleme mit den Folgen des amerikanisch-chinesischen Handelskonflikts.

Für Aktien war das nicht einfach. Nach viel Auf und Ab sind die Kurse jetzt wieder etwa so hoch wie vor zwölf Monaten.

Wie geht es weiter?
Vor kurzem begann die Berichtssaison für das dritte Quartal. Wird man daher bald klarer sehen? "Wahrscheinlich nicht. Rechnen Sie mit uneinheitlichen Ergebnissen und Unternehmensgewinnen, die im Schnitt etwa so hoch sind wie vor einem Jahr. Schwächere Zahlen von Technologieunternehmen dürften durch bessere von Versorgern und Gesundheitsdienstleistern ausgeglichen werden", schreibt Amato.

Die CEOs und CFOs dürften auch nicht viel helfen, da ihre Prognosen wohl eher zurückhaltend sein werden. Sie haben schließlich mit den gleichen Unsicherheiten zu tun wie die Investoren. Das widerspiegelt sich auch in den zuletzt schwachen „weichen“ Daten wie Geschäftsklima und Verbrauchervertrauen.

Trotz schlechter Stimmung machen die harten Daten Fortschritte
Wesentlich stabiler sind Amato zufolge allerdings die meisten „harten“ Daten. Sie zeigen, was Unternehmen und Verbraucher wirklich tun – und nicht, was sie denken.

Der amerikanische Konsum, das Kreditwachstum und die Immobiliennachfrage sind stabil. Auch die amerikanischen Einkaufsmanagerindizes (PMIs) scheinen sich zu festigen. Selbst in Deutschland und den übrigen Euroraumländern haben sich Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze zuletzt verbessert.

Die Notenbanken bleiben sehr expansiv, und auch wenn es für ein abschließendes Urteil noch zu früh ist, scheint es bei den Handelsgesprächen zwischen den USA und China und beim Brexit zuletzt Fortschritte gegeben zu haben.

Der IWF mag für dieses Jahr nur drei Prozent Weltwirtschaftswachstum erwarten. Er hat aber auch gesagt, dass er für 2020 mit einer Verbesserung rechnet.

Ist die Zeit also reif?
Es scheint, dass Verbraucher und Unternehmen mehr darüber besorgt sind, was passieren könnte, als darüber, was tatsächlich passiert. Man sollte nicht vergessen, dass solche Stimmung, also der Großteil der so genannten „weichen“ Daten, ein volatiler Indikator sein kann.

Die Investorenbefragungen zeigen ein großes Interesse an Technologiewerten und anderen hoch kapitalisierten Wachstumstiteln, aber auch an Immobilienaktien, Investmentgrade-Anleihen und sogar Staatsanleihen. "Viele dieser Assetklassen sind aber schon jetzt sehr teuer und könnten unter einem Stimmungswandel leiden. Unser Asset Allocation Committee schätzt US-Aktien im Vergleich zu Aktien anderer Länder jetzt zwar positiver ein, bevorzugt dabei aber Small Caps und konjunktursensitivere Marktsegmente", erklärt Amato, um abschließend zu erklären: "Natürlich darf man die Risiken dabei nicht übersehen, zumal in den USA nächstes Jahr Wahlen anstehen. Sollten sich das Verarbeitende Gewerbe aber stabilisieren und die Handelsgespräche Fortschritte machen, könnten manche der jetzt noch zögernden Investoren wieder einsteigen." (aa)

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