Joachim Nagel äußert sich zur Zinspolitik
Der EZB-Rat und Deutsche Bundesbankpräsident Dr. Joachim Nagel sieht die Zinsen als "im Großen und Ganzen neutral" und legt seinen Fokus auf neue Projektionen.

EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel hat signalisiert, dass er mit der geldpolitischen Positionierung der Europäischen Zentralbank zufrieden ist. Darüber berichtet Bloomberg News. “Unsere Projektionen deuten auch darauf hin, dass sich die Zinssätze aktuell auf einem guten Niveau befinden”, sagte der Bundesbankpräsident am Montag in einer Rede in Seoul und wiederholte damit, was in den letzten Monaten zur Standardaussage von EZB-Vertretern geworden ist. “Die Geldpolitik des Eurosystems ist momentan im Großen und Ganzen neutral.”
Vorweihnachtliche Ruhe
Die Währungshüter bereiten sich auf ihre letzte Sitzung des Jahres vor, wobei der Markt und Ökonomen weitgehend eine vierte Zinspause in Folge erwarten. Die meisten Entscheidungsträger sind mit den aktuellen, weitgehend neutralen geldpolitischen Parametern zufrieden, da die Inflation um zwei Prozent liegt und die Wirtschaft Widerstandsfähigkeit gegenüber höheren US-Zöllen zeigt.
Allerdings äußern einige Notenbanker Bedenken hinsichtlich Abwärtsrisiken für die Wirtschaftstätigkeit und das Wachstum der Verbraucherpreise. Neue Projektionen, die im Dezember fällig sind, könnten eine Inflation von unter 2,0 Prozent in den Jahren 2026 und 2027 ausweisen, was Forderungen nach einer Zinssenkung im Dezember oder möglichen weiteren Lockerungsschritten im nächsten Jahr nähren könnte.
Die Prognosen “werden eine erstmalige Projektion für 2028 umfassen”, sagte Nagel, der im EZB-Rat als einer der Falken gilt. “Basierend auf diesen Prognosen werden wir bestimmen können, ob wir weiterhin auf dem richtigen Weg sind, unser mittelfristiges Inflationsziel zu erreichen.”
EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte letzte Woche, die EZB sei gut aufgestellt, da sich die Kreditkosten derzeit auf dem richtigen Niveau befänden. Laut einer Bloomberg-Umfrage dürften Daten am Dienstag zeigen, dass die Inflation im Euroraum im November bei 2,1 Prozent verharrte. (aa)