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Jim Simons Renaissance abgestraft: Ist der "Midas Touch" jetzt weg?

Nach einer alles andere als guten Performance 2020 sieht sich Jim Simons, der Gründer des Hedgefonds Renaissance Technology, mit Abflüssen in Milliardenhöhe konfrontiert. Auch einem legendären Money-Maker wie ihm wird eine zweistellige Minus-Performance im Jahr 2020 nicht verziehen.

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Jim Simon, Gründer von Renaissanche Technologies, erlebte ein annus horribilis.
© Bloomberg

Jahrelang galt Renaissance Technologies als Fixstern am Himmel der Hochfinanz von Wall Street. Aber in den letzten Monaten wurde die Reputation des Hauses, das regelmäßig mit zweistellig positiven Renditen pro Jahr aufhorchen ließ, erschüttert. Als Folge von herben Verlusten streben die Investoren zum Exit. Seit 1. Dezember 2020 sollen es einer Bloomberg-Meldung zufolge mindestens fünf Milliarden US-Dollar sein, die abgezogen wurden. So etwas hatte die erfolgsverwöhnte Firma zuvor noch nicht gesehen.  

Zweistelliges Minus 2020 in so manchem Fonds
Der Kapitalabzug setzte ein, nachdem drei offene Fonds letztes Jahr zweistellige Prozent-Verluste berichteten. Die hochgepriesenen Computermodelle von Renaissance hatten nämlich 2020 ihre liebe Not mit dem rapiden Aktiencrash im März und dem noch schnelleren Rebound, den es in der Historie zuvor nie gab. In 40 Jahren hat sich Simons Unternehmen noch nie mit der Aufgabe konfrontiert gesehen, die andere Anbieter nur zu gut kennen: Investoren, die früher förmlich darum bettelten, investieren zu dürfen, nun überzeugen zu müssen, doch an Board zu bleiben, da man in Zukunft wieder zur alten Stärke zurückfinden werde. 

Money-Maker
James "Jim" Simons, Jahrgang 1938, gründete Renaissance 1982, nachdem der Mathematiker zuvor als Dechiffrierer für die NSA (National Security Agency) im Vietnamkrieg gearbeitet hatte. Renaissance Technologies ist das weltgrößte quantitative Hegdefondsunternehmen. Seine Reputation gründet sich auf dem Medallion Fund, der seit seiner Gründung 1988 durchschnittlich um die 40 Prozent Rendite pro Jahr erzielt hat. Ursprünglich als systematischer Trendfolger, der am Commodities-Markt tätig war, gegründet, verlor Medallion in den ersten sechs Monaten Geld und wurde daraufhin neu aufgestellt, ehe der Fonds dann zu seiner außergewöhnlichen Performance ansetzten konnte.

Medallion at its best
15 Jahre später realisierte man, dass der Fonds zu groß geworden war, um ohne Markt-Impact tätig werden zu können, wie Simons 2019 in einem Interview preisgab. So trennte sich Renaissance von außenstehenden Investoren 2005 und hat seither versucht, das Fondsvolumen zu limitieren. Laut Bloomberg-Schätzungen soll dieses vor nicht allzu langer Zeit bei zehn Milliarden US-Dollar gelegen sein. Simon wurde durch den Medallion Fund zu einem der reichsten Amerikaner mit einem Vermögen von zirka 23 Milliarden US-Dollar, wie der Bloomberg Milliardärs Index (ID: RICH) zeigt. Letzten Monat kündigte Simons an, als Chairman zurückzutreten, bleibt aber Mitglied des Verwaltungsrats Die Assets seiner Firma sollen sich auf 60 Milliarden US-Dollar belaufen. 

Drei Fonds für Außenstehende
Nachdem Medallion ja geschlossen ist, bietet Renaissance außenstehenden Investoren drei offene Fonds an. Der größte unter ihnen ist der Renaissance Institutional Equities Fund (RIEF), der letztes Jahr mehr als 30 Milliarden US-Dollar schwer war. Investoren zogen netto 1,85 Milliarden US-Dollar aus diesen drei Vehikeln im Dezember ab und verlangten die Rückzahlung von weiteren 1,9 Milliarden im Januar, wie Bloomberg aus zugespielten Investorenbriefen erfuhr. Darin steht auch, dass Anleger beabsichtigen, im Februar 2021 weitere 1,65 Milliarden US-Dollar abzuziehen. Hier ist das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen, immerhin könnten diese Anleger sich die Entscheidung ja noch einmal überlegen oder statt ihrer neue Investoren eintreten. 

Negativperformance in offenen Fonds, Plus bei Medallion: Wie geht das zusammen?
RIEF verlor letztes Jahr 19 Prozent, wie Boomberg aus den Unterlagen erfahren haben will.  Dieser Fonds war den größten Mittelabzügen ausgesetzt. Der Institutional Diversified Alpha Fund verlor 32 Prozent, und der Institutional Diversified Global Equities 31 Prozent. Medallion soll hingegen 76 Prozent gewonnen haben, wie der Institutional Investor berichtet. Diese große Performance-Diskrepanz erscheint befremdlich. 

Die Chronologie des Investoren-Schreckens
Probleme für die drei offenen Fonds begannen letztes Jahr, als die Pandemie US-Aktien südwärts sendete. Renaissance teilte seinen Investoren im April in einem Brief mit, dass das Handelssystem das Aktien-Exposure Anfang Januar erhöhte und später im ersten Quartal 2020 den Rückwärtsgang auf Basis der Schätzungen des Beta-Modells einlegte. RIEF verlor im ersten Quartal 2020 14 Prozent, was sich vorteilhaft mit dem S&P 500 Index vergleicht, der inklusive Dividenden 20 Prozent ablegte. Im April-Brief sagte Renaissance, man arbeite mit Hochdruck daran, die Beta-Modelle und Kontrollsysteme, die die Modelle einsetzen, zu überarbeiten.

September-Brief
Nach dem Abtauchen der Aktien im ersten Quartal gewann der S&P 500 inklusive Dividenden 47 Prozent bis zum Jahresende. Renaissance teilte seinen Anlegern in einem Brief von September 2020 mit, das die bislang angelaufenen Verluste auf ein Underhedging während des Aktien-Kollaps im März zurückzuführen sowie einem Overhedging von April bis Juni zu verdanken waren. Das sei deshalb geschehen, weil die Handelsmodelle die Probleme vom ersten Quartal "überkompensiert" hätten. 

Renaissance sprach Performanceprobleme im Dezember-Brief nochmals an
Obwohl die Performance der letzten Zeit schrecklich und schlechter als zuvor gewesen sei, würden die Modelle antizipieren, dass in so langen Track Records wie jenen von Renaissance Risiko-/Ertrags-Relationen wie die 2020 beobachteten nicht schockierend wären. Die Lektion sei, dass man selbst von gut performenden Investments erwarten dürfe, dass diese von Zeit zu Zeit schlecht performten. Im Januar 2021 ging es übrigens mit RIEF um weitere 9,5 Prozent bergab... (kb)

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