Logo von Institutional Money
Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

Märkte

| Märkte
twitterlinkedInXING

Jetzt wird es ernst: Q3-Berichtssaison bringt Standortbestimmung

Für die ersten beiden Quartale haben Unternehmen solide Gewinne ausgewiesen. Dies dürfte sich im dritten ändern, vermutet Harald Brandl, Senior Equity Strategist der VP Bank. Einige Unternehmen mussten ihre Erwartungen bereits kürzen. Eine durchzogene Berichtssaison wird erwartet.

harald_brandl_vp_bank__gross_quadrat.jpg
Harald Brandl, Senior Equity Strategist der VP Bank
© VP Bank AG

Die konjunkturellen Daten und der Pfad der Notenbankpolitik sprechen eine deutliche Sprache: "Eine Rezession steht bevor. Trotzdem kommen die Erwartungen der Analysten für die Umsatz- und Gewinnentwicklung erst langsam ins Rutschen, was die Aussage zur Bewertung anhand des Kurs-Gewinn-Verhältnisses erschwert. Nun steht mit den Drittquartalszahlen ein Test bevor", sagt Harald Brandl, Senior Equity Strategist der VP Bank. 

Lackmustest steht jetzt wohl an
Bislang war in den Zahlen der Unternehmen bis auf Ausnahmen noch keine Konjunkturschwäche zu sehen. Trotz wiederholter Unterbrüche im globalen Warenverkehr und Preisanstiegen bei Rohstoffen und Energie meisterte die Mehrzahl das erste Halbjahr 2022 erstaunlich gut. Die Gewinne konnten gegenüber dem Vorjahr erneut gesteigert, die Erwartungen der Analysten mehrheitlich erfüllt werden. Dies war unter anderem möglich, weil die gestiegenen Kosten sofort weitergereicht wurden. Außerdem war die Nachfrage groß. In diesem Zusammenhang konnten auch Lagerbestände zu höheren Preisen verkauft werden, was zusätzlich positive Sondereffekte erzeugte. 

Aktienindizes seit Anfang des Jahres

Quellen: Bloomberg, VP Bank

Wirtschaftliches Umfeld wird rauer
Den positiven Sondereffekten im ersten folgt im zweiten Halbjahr die harte, und zum Teil düstere Realität. Sowohl Konsumenten- als auch Produzentenpreise wuchsen mit Raten, die seit vier Jahrzehnten nicht mehr beobachtet worden sind. Besonders in Europa sind zuletzt die Energiepreise in die Höhe geschossen. Je nach Einkaufs- und Absicherungsstrategie trifft das die Unternehmen vom Zeitpunkt und vom Umfang her sehr unterschiedlich. 

Nachfrageseitig dürfte sich auch der Kaufkraftverlust der Konsumenten aufgrund der Inflation und einer Zurückhaltung bei den Investitionen bemerkbar machen. Die Stimmungsindikatoren aus dem Unternehmenssektor haben sich ebenso wie die Konsumentenstimmung deutlich abgeschwächt. 

Hohe Gewinnerwartungen auf dem Prüfstand
Aus dieser Perspektive bekommt die Berichterstattung für die Unternehmensentwicklung für die Marktteilnehmer im dritten Quartal eine zentrale Bedeutung. Inwieweit stimmt der Wunsch nach einer weiterhin robusten Geschäftsentwicklung mit der harten Realität historisch hoher Kosten überein? Zeigen die aktuell tiefen fundamentalen Bewertungen in Europa bereits attraktive Opportunitäten oder sind sie aufgrund nach wie vor optimistischer Gewinnschätzungen nur eine Illusion?  

Einen Vorgeschmack auf möglicherweise zu hohen Erwartungen gaben Unternehmen wie Sonova (Gesundheit, Schweiz), Electrolux (Industrie, Schweden), Kion (Industrie, Deutschland) und FedEx (Transport, USA). Sie alle haben ihre eigenen Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr kassiert. Steigende Produktionskosten, niedrigere Produktionszahlen und somit geringere Absätze und eine nachlassende Nachfrage wurden als Gründe genannt. Vor allem die Warnung seitens FedEx kann als Signal für einen schwächeren Konsum, vor allem im Onlinehandel gesehen werden.

Worauf gilt es zu achten?
Brandl: " Die Herausforderungen der Unternehmen im zweiten Halbjahr liegen vor allem darin, den steigenden Kosten zu begegnen. Nicht nur drücken sie auf die Gewinnmarge, sie können auch das Nachfrageverhalten verändern und aufgrund nicht rentabler Produktion die Zulieferkette ins Stottern bringen."

Kritische Punkte
Bei der Beurteilung der Resultate achtet die VP Bank deshalb auf folgende Punkte:
- Preissetzungsmacht: Gelingt es den börsennotierten Unternehmen weiterhin, Preiserhöhungen weiterzureichen?
- Nachfrageelastizität: Inwieweit haben bisherige Preiserhöhungen das Nachfrageverhalten beeinflusst? Muss ein Umsatzrückgang erwartet werden oder können unter Umständen weitere Preisanpassungen erfolgen?
- Profitabilität: Wie stark belasten die gestiegenen Energie- und Produzentenpreise die Gewinnmargen der Unternehmen? 
- Lieferkettenproblematik: Konnten die Unternehmen ihre vollen Orderbücher abarbeiten, hat sich der Lieferkettenengpass entspannt?
- Zinselastizität: Welchen Einfluss haben die gestiegenen Zinsen auf die Kapitalkosten der Unternehmen und somit auf die Gewinnmargen?

Marktteilnehmer werden vorsichtiger
Bis zum Ende des ersten Semesters wurde ein Anstieg der erwarteten Gewinne von US-Unternehmen im dritten Quartal bis auf 139 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal prognostiziert. Seither sinken die Erwartungen und liegen aktuell noch bei 6,2 Prozent. Die Erwartungen liegen nun für das dritte Quartal 2022 unterhalb des zweiten.

Vorsicht greift um sich
Erwarteter Gewinn für den S&P 500 für das dritte Quartal 2022 (in Prozent) zu verschiedenen 
Zeitpunkten

Quellen: Factset, VP Bank

Für das Schlussquartal prognostizieren Analysten weiterhin einen deutlichen Anstieg
"Auch wenn die aktuellen Erwartungen tiefer sind als noch vor drei Monaten, werden sie immer noch von einer gesunden Portion Zuversicht getragen", stellt Brandl fest. "In der Eurozone und in der Schweiz zeigt sich ein ähnliches Bild. Auch hier spiegeln die Analystenerwartungen viel Optimismus wider - eine Perspektive, die sich nicht mit der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung deckt." 

Ausblick
Brandl weiter: "Wir erwarten eine durchzogene Berichterstattungssaison, besonders für Konsumwerte und Unternehmen mit hohem Energiebedarf. Die Erwartungen der Analysten spiegeln dabei den negativen Trend wirtschaftlicher Frühindikatoren noch nicht wider. Die Gefahr von Enttäuschungen ist damit höher als in den vergangenen Quartalen, vor allem in den USA und in der Schweiz. Hier sind die fundamentalen Bewertungen im weltweiten Vergleich am höchsten." Bewiesen die Unternehmen jedoch eine anhaltend hohe Widerstandskraft, so würden vor allem Aktien in Europa davon profitieren. Denn dort seien die Bewertungen sowohl im historischen Vergleich wie auch gegenüber Aktien USA bereits sehr tief und die Dividendenrenditen mit 3,8 Prozent sehr attraktiv. (kb)

twitterlinkedInXING

News

Institutional Money Kontakt
Logo von Institutional Money
Institutional Money
c/o FONDS professionell Multimedia GmbH, Landstrasser Hauptstraße 67, EG/Hof, 1030 Wien

Telefon: +43 1 815 54 84-0
Fax: +43 1 815 54 84-18
E-Mail: office@institutional-money.com

Redaktion Köln:
Hohenzollernring 52
50672 Köln
Telefon: +49 221 33 77 81-0
Telefax: +49 221 33 77 81-19
 Schließen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren