Japans Fiskalpläne setzen Yen und Anleihen unter Druck
Japans Finanzmärkte reagieren zunehmend empfindlich auf die expansive Agenda der Regierung. Premierministerin Sanae Takaichi hält dennoch an Steuersenkungen und zusätzlichen Investitionen fest – obwohl deren Finanzierung bislang offen ist.
ECKPUNKTE:
- Renditen japanischer Staatsanleihen erreichen den höchsten Stand seit drei Jahrzehnten
- Yen fällt auf den tiefsten Stand seit rund 40 Jahren
- Marktteilnehmer rechnen mit einer höheren Schuldenaufnahme
Die Renditen japanischer Staatsanleihen stiegen im Juli auf den höchsten Stand seit drei Jahrzehnten, während der Yen auf ein Vierjahrzehntetief fiel. Verbale Interventionen der Regierung zeigen immer weniger Wirkung, wie Reuters unter Berufung auf Regierungsvertreter berichtet. Die Entwicklung signalisiert wachsende Zweifel an der japanischen Haushaltspolitik.
Die Regierung präsentiert ihre Fiskalpläne als Investition in ein höheres Wachstumspotenzial. Premierministerin Sanae Takaichi will unter anderem die achtprozentige Verbrauchsteuer auf Lebensmittel für zwei Jahre aussetzen und bei zentralen Wachstumsfeldern auf feste Ausgabenobergrenzen verzichten. Wie die Einnahmeausfälle finanziert werden sollen, ist bislang offen. Marktteilnehmer rechnen daher mit einer höheren Schuldenaufnahme.
Eine Frage der Nachweisbarkeit
Nach Einschätzung von Atsushi Takeda, Chefökonom des Itochu Research Institute, hat sich der von den Märkten verlangte Risikoaufschlag für Japans Haushaltslage trotz der jüngsten Stabilisierung der Renditen nicht verringert. Die Regierung müsse ihre fiskalpolitischen Pläne mit belastbaren Zahlen unterlegen.
Am Devisenmarkt bleibt der Handlungsspielraum ebenfalls begrenzt. Interventionen im Umfang von insgesamt 72 Milliarden Dollar zwischen Ende April und Anfang Mai konnten den Abwärtstrend des Yen nicht stoppen. Zusätzliche Volatilität droht durch die anstehenden Sitzungen der US-Notenbank und der Bank of Japan. Restriktivere Signale aus den USA könnten die japanische Währung weiter belasten.
Schwacher Yen als Problem
Der schwache Yen verteuert zugleich Importe und verstärkt damit den Inflationsdruck. Takaichis Zustimmungswerte fielen im Juli auf den niedrigsten Stand seit ihrem Amtsantritt im vergangenen Jahr. Der politische Druck, die Haushalte zu entlasten, trifft somit auf die Forderung der Märkte nach mehr Haushaltsdisziplin. Der frühere Notenbanker Takahide Kiuchi sieht eine Trendwende bei Yen und Anleihen erst dann als möglich an, wenn die Regierung die Finanzierung ihrer Pläne überzeugend darlegt. (hw)