Lebensversicherer unter Druck wegen fallender JGB-Kurse
Sumitomo Life Insurance Co. unternimmt einen ungewöhnlichen Schritt, um Abschreibungen auf seine Schuldtitel zu vermeiden. Das Haus verspricht, langlaufende japanische Staatsanleihen (JGBs) niemals zu verkaufen, solange sie rote Zahlen schreiben, wie eine Informant gegenüber Bloomberg berichtet.

Die in Osaka ansässige Sumitomo Life Insurance Co. ist eines der vier größten Lebensversicherungsunternehmen Japans mit einem Gesamtvermögen von 36,7 Billionen Yen (248 Milliarden US-Dollar). Sie nutzt die Richtlinien für Anleiheinvestoren bei starken Kursschwankungen.
Hold-to-Maturity (HTM) als Ausweg
Normalerweise muss ein Versicherer gemäß den japanischen Rechnungslegungsstandards Verluste abschreiben, wenn eine Anleihe um 50 Prozent oder mehr gegenüber ihrem Kaufpreis fällt. Wenn er jedoch verspricht, die Anleihe bis zu ihrer Fälligkeit zu halten, und die Wirtschaftsprüfer dies genehmigen, kann der Versicherer eine Abschreibung vermeiden. Der Nachteil ist, dass der Versicherer an Flexibilität bei seinen Investitionen einbüßt, da er die Anleihe nicht veräußern kann, solange sie nicht wieder ihren Kaufpreis erreicht hat.
Stille Lasten in den Büchern infolge des Zinsanstiegs am langen Ende
Japanische Lebensversicherer verzeichnen einen Anstieg der nicht realisierten Verluste, da längerfristige Anleihen stark von der Inflation und dem reduzierten Ankauf von Anleihen durch die Zentralbank sowie von der Sorge um steigende Staatsausgaben zur Gewinnung von Wählern betroffen sind. Die Buchverluste auf inländische Anleihen, die von den vier größten Lebensversicherern Japans gehalten werden, stiegen nach Angaben der Versicherer bis Ende Juni auf über 9,83 Billionen Yen, das sind mehr 56,5 Milliarden Euro..
Unrealisierte Anleiheverluste der vier größten japanischen Versicherer nehmen weiter zu

Mehr HTM gewidmete Ultra-Langläufer sind wohl zu erwarten
„Wenn die japanischen Zinsen weiter steigen, könnten sich mehr Lebensversicherer dafür entscheiden, Anleihen bis zur Fälligkeit zu halten, da dies wirtschaftlich sinnvoll ist“, sagte Taikei Tabira, Stratege bei Nomura Securities.
Sumitomo Life lehnte es ab, sich zu konkreten Bilanzierungsschritten zu äußern
Laut Bloomberg erklärte man per e-Mail, dass es keine Probleme mit der finanziellen Solidität des Unternehmens gebe. Das Unternehmen fügte hinzu, dass es Stresstests durchgeführt habe, um sich auf erhebliche Zinserhöhungen vorzubereiten, und dass es alle Anstrengungen unternehme, um Risiken zu managen.
Die Renditen japanischer 30-jähriger Staatsanleihen, eines der wichtigsten Anlageziele von Versicherern, sind auf über drei Prozent gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit Einführung dieser Wertpapiere im Jahr 1999.
Lebensversicherer unter Druck durch unter pari notierende Super-Langläufer
Geschätzte Preisaufschlüsselung der von Lebensversicherern gehaltenen Super-Langläufer

Sumitomo Life kam zu dem Schluss, dass es wirtschaftlich sinnvoller ist, die Anleihen bis zur Fälligkeit zu halten, um Zinsen zu erzielen und den Kapitalbetrag zurückzuerhalten, als sie mit Verlust zu verkaufen, sagte der Bloomberg-Informant. Das Unternehmen wies im Juni unrealisierte Verluste in Höhe von 1,71 Billionen Yen aus inländischen Anleihen aus.
Japanische Assekuranz sitzt auf einem Berg dieser deutlich unter pari notierenden JGBs
Unter der Annahme, dass lokale Lebensversicherer alle superlangen Anleihen auf dem Markt halten, könnten sie laut einer Datenanalyse von Bloomberg Wertpapiere im Wert von 27,2 Billionen Yen halten, deren Preis mindestens 30 Prozent unter dem Nennwert liegt. Lebensversicherer besaßen Ende Juni Staatsanleihen im Wert von 135 Billionen Yen, von denen schätzungsweise zwei Drittel superlange Anleihen mit einer Laufzeit von mehr als zehn Jahren waren. (kb)