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J.P. Morgan: Die Rotation ist in vollem Gange

J.P. Morgan Asset Management sieht den US-Dollar am Beginn eines neuen Abwärtspfades: Verengte Wachstums- und Renditespreads, höhere Staatsausgaben und Zweifel an der Fed-Unabhängigkeit treiben eine Rotation weg von US-Assets – zugunsten von Schwellenländern, Europas Aktien und Sachwerten

Tilmann Galler analysiert für J.P. Morgan AM globale Makro-Trends und hat einen klare Meinung zum aktuell größen Investoren-Risiko ...
Tilmann Galler analysiert für J.P. Morgan AM globale Makro-Trends und hat einen klare Meinung zum aktuell größen Investoren-Risiko ...© Marina Terechov / FONDS professionell

ECKPUNKTE:

  • J.P. Morgan Asset Management erwartet eine Rotation weg von US-Vermögenswerten, da Wachstums- und Renditevorsprung der USA schwinden
  • Höhere Staatsausgaben für Verteidigung, Lieferketten und Energiesicherheit lenken Ersparnisse verstärkt in inländische Resilienz und Sachwerte
  • Bei systemischer werdenden Inflationssorgen rücken Infrastruktur, Transportanlagen und lang laufende Qualitätsanleihen als Absicherung in den Vordergrund

Dass Risikoanlagen die jüngste Phase politischer Nervosität letztlich abschütteln, hält man bei J.P. Morgan Asset Management für das wahrscheinlichste Szenario. Zwei strukturelle Verschiebungen aber dürften nach Einschätzung des Hauses bleiben – und Portfolios mittelfristig stärker prägen als die kurzfristige Schlagzeilenlage.

Im Zentrum steht die sich wandelnde Natur der globalen Kapitalflüsse und deren Wirkung auf den US-Dollar. Trotz vorübergehender Unterstützung in seiner Rolle als sicherer Hafen während der Energiekrise sieht der Asset Manager die US-Währung auf einem neuen Abwärtspfad. Damit kehre sich jener Trend um, der die fünfzehn Jahre bis 2024 bestimmt hatte: In dieser Phase zogen die USA erhebliche globale Sparüberschüsse an, getragen von günstigen Renditespreads und einem Wachstumsvorsprung. Genau diese beiden Stützen aber verengen sich – und dürften eine marginale Rotation weg von US-Vermögenswerten beschleunigen.

Teil dieser globalen Kapitalrotation ist auch das Sparverhalten des öffentlichen Sektors. Je unübersichtlicher die geopolitische Lage, desto höher die staatlichen Ausgaben – für Verteidigung, widerstandsfähige Lieferketten, Energiesicherheit und den Aufbau von Rohstoffvorräten. Die Folge ist nach Lesart von J.P. Morgan Asset Management eine wachsende Bereitschaft, überschüssige Ersparnisse in inländische Resilienz und Sachwerte zu lenken, statt sie wie bisher überwiegend in finanzielle Ansprüche auf künftige US-Einkommensströme zu investieren.

Eine Frage der Glaubwürdigkeit
Hinzu kommt die Frage der institutionellen Glaubwürdigkeit. Anhaltende Zweifel an der Unabhängigkeit der Fed könnten die von Investoren geforderte Risikoprämie erhöhen, so die Analyse. In einem solchen Umfeld werde ein schwächerer Dollar zum Rückenwind für Schwellenländer-Assets und, in geringerem Maße, für europäische Aktien.

Wie empfindlich die Märkte schon auf marginale Verschiebungen reagieren, zeigt der Verweis auf den sogenannten Liberation Day. Damals, so J.P. Morgan Asset Management, habe die Welt keine US-Vermögenswerte abgestoßen, sondern lediglich weniger davon gekauft. Die Wirkung war dennoch beträchtlich: Der Dollar gab im April 2025 um rund fünf Prozent nach, Aktien wurden abverkauft, und US-Staatsanleihen versagten ihren üblichen Absicherungseffekt – die Rendite zehnjähriger Papiere stieg um mehr als 30 Basispunkte, bevor sie sich stabilisierte.



Die zweite zentrale Frage betrifft die Diversifikation. Noch trägt das hohe reale Wachstum, Inflation tritt nur episodisch auf. Sollte dieses Gleichgewicht kippen und sollten Inflationssorgen systemischer werden, dürften Investoren Schutz in Vermögenswerten suchen, die sich – in den Worten des Hauses – „nicht drucken lassen". Infrastruktur, Transportanlagen und Immobilien rücken damit ins Zentrum: Sie stehen für Resilienz, Lieferketten- und Energiesicherheit, bieten greifbaren Wiederbeschaffungswert, langfristige Cashflows und über Mieten, Verträge oder regulierte Erträge eine potenzielle Inflationsbindung.

Das größte Risiko lautet ...
Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, warnt in diesem Zusammenhang vor allem davor, aus Vorsicht zu lange an Liquidität festzuhalten. „Das größte Risiko für Anleger ist es derzeit, aus Angst in einer hohen Cash-Position zu verharren. Der größte Feind von Cash-Investments sind neben der Inflation vor allem die Opportunitätskosten." In einer Welt der Fiskaldominanz gewännen reale Vermögenswerte wie Infrastruktur oder der Transportsektor massiv an Bedeutung, da sie häufig über einen inhärenten Inflationsschutz verfügten. Wer sich dagegen gegen ein spezifisches Technologierisiko absichern wolle, finde den besten Schutz nicht in Cash, sondern in Anleihen hoher Qualität mit langer Duration. „Sollte es zu einer Tech-Krise kommen, wäre diese zutiefst deflationär, was Anleihen zum idealen Puffer im Portfolio macht." Für Portfolios werden solche Sachwerte – ergänzt um lang laufende Qualitätsanleihen – damit zur zunehmend wichtigen Ergänzung klassischer Finanzanlagen.

Unterm Strich rät J.P. Morgan Asset Management dazu, kurzfristiges politisches Störgeräusch zwar auszublenden, das veränderte geopolitische Umfeld aber genau dort ernst zu nehmen, wo es strukturelle Verschiebungen anstößt – jene, die mittelfristig über die Wertentwicklung von Portfolios entscheiden. (hw)

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