Logo von Institutional Money
| Märkte

J.P. Morgan AM: Europa kann der gesuchte Diversifikator sein

Die USA dominieren, wenn es um technologische Entwicklung und ihre Monetarisierung geht. Doch das, was als strukturelles Manko gegenüber den USA gilt, könnte sich beim Investieren als Trumpf erweisen, findet Jon Ingram von J.P. Morgan Asset Management.

Mit Investments in europäische Aktien lässt sich aus Sicht von Portfoliomanager Jon Ingram von J. P. Morgan Asset Management das Übergewicht in US-Tech und KI-Investments derzeit gut diversifizieren. 
Mit Investments in europäische Aktien lässt sich aus Sicht von Portfoliomanager Jon Ingram von J. P. Morgan Asset Management das Übergewicht in US-Tech und KI-Investments derzeit gut diversifizieren. © studio v-zwoelf / stock.adobe.com

Eckpunkte:

  • Europa: Ersparnisse dürften Konsum stützen
  • Rentabler Finanzsektor
  • Fiskalpolitische Impulse für Infrastruktur und Energiewende

Weil institutionelle Investoren ihre Portfolios aus der Abhängigkeit von KI- und Tech-Werten herauslösen wollen, ströme Kapital genau dorthin, wo der Technologieanteil gering ist – nach Europa. „Europäische Aktien haben in den ersten Monaten dieses Jahres eine starke Nachfrage verzeichnet", stellt Jon Ingram, Portfoliomanager für europäische Aktien in der International Equities Group bei J.P. Morgan Asset Management, fest. Und er sieht Chancen beispielsweise im Finanzsektor: Anders als in den USA hätten Verbraucher der Eurozone ihre während der Pandemie aufgebauten Ersparnisse bisher kaum angerührt, was eine gute Grundlage für eine Erholung der Binnennachfrage sei.

AIB, Banco Santander und Allianz
Davon profitierten auch Europas Banken. Einer der Gründe, warum der Finanzsektor nach Einschätzung von Ingram Beachtung verdient: Europas Banken wurden von der Niedrigzinsphase der 2010er Jahre schwer getroffen, konnten dank Kostensenkungen und Digitalisierung jedoch ihre frühere Rentabilität wiedererlangen. „Es scheint kaum zu glauben zu sein, aber in den letzten fünf Jahren haben die europäischen Banken tatsächlich die Aktien der ‚Magnificent Seven‘ übertroffen“, betont Ingram. Er sieht derzeit besonders attraktive Bewertungen etwa bei der AIB in Irland oder der Banco Santander aus Spanien. Auch der Versicherungsbranche, etwa dem Allianz-Konzern, traut Ingram noch einiges zu.

Beispiel für KMU: Brettspielhersteller Asmodee
Auch unter Small- und Midcaps finden sich Ingram zufolge so genannte „verborgene Schätze“. Zum Beispiel die Asmodee Group, ein Brettspielhersteller, der von den wachsenden Sorgen um Kinder und deren digitalen Gewohnheiten profitiere. Die Spiele von Asmodee, wie zum Beispiel „Ticket to Ride“, würden Ingram zufolge immer beliebter bei Eltern, die die Bildschirmzeit ihrer Kinder reduzieren wollen.

Engie als Positivbeispiel aus dem Energiesektor
Auch attraktiv sei der französische Energieversorger Engie. Der Titel biete eine Dividendenrendite von 7,5 Prozent, was die Fokussierung des Unternehmens auf den Shareholder Value widerspiegele. Auch die Bewertung sei im Vergleich zu einem Energiesektor, der aufgrund der voraussichtlich steigenden Nachfrage im Bereich Rechenzentren einige der stärksten Wachstumsprognosen seit Jahren aufweise, attraktiv. Besonders hervorzuheben seien jedoch die Prognosen zum Gewinnwachstum, die sich der flexiblen Erzeugungskapazität von Engie verdankten – „ein enormer Vorteil in einem Markt, der zunehmend auf unvorhersehbare erneuerbare Energieerzeugung angewiesen ist“, sagt Ingram.

Fiskalprogramme in Infrastruktur in vielen Ländern
Bei der Aktienauswahl spiele die Politik derzeit eine entscheidende Rolle, so Ingram. Bislang stand bei der Finanzpolitik vor allem Deutschland im Vordergrund. Als Beispiel nennt er Bilfinger, ein gut geführtes deutsches Industrieunternehmen mit mittlerer Marktkapitalisierung, das überwiegend in Deutschland tätig ist, und von den deutschen Infrastrukturausgaben profitieren dürfte. Doch auch andere europäische Regierungen begönnen inzwischen, ihre Investitionen in Verteidigung, Digitalisierung, Infrastruktur und die Energiewende zu erhöhen. „Diese Ausgaben sind zwar ungleichmäßig verteilt, aber sie sind real, erstrecken sich über mehrere Jahre und erweitern die adressierbaren Märkte vieler europäischer Unternehmen“, betont Ingram.

Verteidigungssektor im Fokus
Im Hinblick auf Verteidigungsausgaben hält er den spanischen Rüstungskonzern Indra Sistemas für attraktiv, da Spanien seinen NATO-Ausgabenverpflichtungen weit hinterherhinke. Bei Infrastruktur und Elektrifizierung sieht Ingram im französischen Industriekonzern SPIE eine interessante Aktie, da dieser im Zuge des Übergangs zu saubereren Energiequellen vom europäischen Thema der Elektrifizierung profitieren dürfte.

Europa als Diversifikator
Anlegern böte Europa genau die gesuchte Diversifikation: „Während viele Märkte in den USA und Asien mittlerweile von Technologieausgaben und -gewinnen abhängig sind, bietet Europa durch seine sektorale Breite genau die Diversifizierung, nach der Anlegerinnen und Anleger heute suchen“, fasst Jon Ingram zusammen. Entscheidend sei es, hier selektiv und benchmarkunabhängig mit einer Bottom-Up-Aktienauswahl vorzugehen. (de)

Diese Seite teilen

Weitere Inhalte aus der Redaktion