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J O Hambro über das Investieren in der neuen Normalität

Chris Lees von J O Hambro Capital Management erklärt, welche Faktoren im "New Normal" die Märkte und damit die Investoren bewegen. Die jüngsten Entwicklungen haben Folgen: Es kommt laut Lees entweder eine gigantische Hausse, oder ein schwerer Bärenmarkt. Dafür nennt Lees einige Argumente.

Chris Lees, Senior Fund Manager bei J O Hambro Capital Management
Chris Lees, J O Hambro Capital Management
© J O Hambro

Die Welt befindet sich mitten in einem gewaltigen Umbruch - mit Covid-19 als Katalysator. Zum ersten Mal sehen Marktteilnehmer, wie die Fiskalpolitik mit der Geldpolitik verschmilzt. Helikoptergeld, das früher nur ein akademisches Konzept war, wird in verschiedenen Teilen der Welt eingesetzt. "Wir sehen, wie die moderne Geldtheorie (MMT) in einer Weise umgesetzt wird, die vor zwölf Monaten noch unvorstellbar war. Dies wird tiefgreifende Veränderungen für Investitionen und auch die Finanzmärkte mit sich bringen. Die Regeln der Finanzwelt werden vor unseren Augen neu geschrieben", meint Chris Lees, Senior Fund Manager bei J O Hambro Capital Management, in einem "Institutional Money" exklusiv vorliegenden Gastbeitrag. (aa)


Navigieren in der Pandemie
Wir müssen uns heute mit der Nachhaltigkeit der Unternehmen befassen. Ein nachhaltiges Unternehmen ist ein Unternehmen, das widerstandsfähig ist, das mit Schocks umgehen kann. Unternehmen mit stark fremdfinanzierten Bilanzen sind nicht widerstandsfähig. In Abschwungphasen können die Auswirkungen verheerend sein. Niedrige Zinsen, billiges Geld und in der Folge fremdfinanzierte Bilanzen beschreiben, was im Moment auf dem Markt vor sich geht. Als Manager des JOHCM Global Select Fund haben wir Unternehmen in unserem Portfolio, die jahrelang ohne einen einzigen Cent Umsatz auskommen und dennoch alle ihre Mitarbeiter bezahlen könnten. Dies ist eine Krise der Bilanzen, und das ist es, was Regulierungsbehörden und Regierungen allmählich erkennen.

Leitgedanke: sauberes und grünes Wachstum
Die Pandemie beschleunigt viele Entwicklungen, die bereits in Gang gekommen sind. Natürlich gibt es diese Tendenzen schon seit vielen Jahren, aber sie bewegten sich heute in einem rasanten Tempo. Als Teil der neuen Normalität werden sie weiter angetrieben. Die Welt wird definitiv mehr Software, mehr Halbleiter und mehr Daten benötigen. Das ist der Bereich, auf den wir uns bereits konzentrieren. Wir halten im Portfolio bereits viele Titel, die in diese Zukunftsthemen einzahlen. Bei den Anlageentscheidungen in den nächsten zehn Jahren geht es nicht um Öl. Es geht nicht um Stahl. Es geht nicht um Zement. Es geht um Halbleiter, Software, Daten.

Ein weiterer Trend ist die Diversifizierung der Lieferketten weg von China. Eingeleitet durch die vergangenen Handelskriege, verstärkt die Pandemie diesen Trend massiv. Jedes einzelne westliche Unternehmen, mit dem wir zusammentreffen, spricht von einer Abkehr der Lieferketten-Abhängigkeit von China.

Die Fertigungsautomatisierung ist ein weiterer Trend, der durch Covid-19 massiv beschleunigt wurde. Tausende von Arbeitern, die in fabrikeigenen Schlafsälen zusammen schlafen, werden zukünftig nicht mehr akzeptiert. Diese Trends laufen alle unter einem übergeordneten Thema zusammen: sauberes und grünes Wachstum.

Richtungsweisend: Agenda 2025
Was im Jahr 2015 als "verantwortungsvoll und nachhaltig" galt, gilt heute bereits als Mainstream. Wir sind davon überzeugt, dass Investoren für die Zukunft bereits ein Bild von einer nachhaltigen und verantwortungsbewussten Welt im Jahr 2025 und darüber hinaus im Kopf haben sollten. Es gilt bereits heute einen Schritt weiter zu denken und zu definieren, wie unsere Welt nach Covid-19 aussehen wird. Wie der große kanadische Eishockeyspieler Wayne Gretzky sagte: "Laufen Sie dorthin, wo der Puck sein wird, nicht dorthin, wo er schon war".

Breites Spektrum potenzieller Zukunfts-Szenarien
Als Portfoliomanager sind wir aktuell zu 70 Prozent bullish und zu 30 Prozent bearish. Das ist keine statische Ausrichtung. In einer sich schnell verändernden Welt wären wir fahrlässig, den Markt und Veränderungen nicht im Blick zu behalten. Die Weltwirtschaft wechselt derzeit von einer Depression in eine Rezession (d.h. positive Veränderungsrate), aber niemand weiß wirklich, ob sie sich weiter zu einer nachhaltigen Erholung entwickelt oder wieder ins Stocken gerät. Die meisten Volkswirtschaften haben inzwischen den Höhepunkt des "zu Hause bleiben" überschritten. Regierungen auf der ganzen Welt öffnen wieder ihre Volkswirtschaften, was jedoch vielerorts zu einer zweiten oder gar dritten Coronavirus-Welle führt.

Sollte sich die wirtschaftliche Erholung als nachhaltig erweisen, so könnten die zyklischeren, aktuell stark beeinträchtigten Branchen erneut Rückenwind bekommen. Sollte sich die wirtschaftliche Wiederbelebung jedoch als erfolglos erweisen, haben die Märkte einen langen Weg vor sich. Die gegenwärtig hohen Bewertungs- und Verschuldungsniveaus könnten dann zur Belastungsprobe werden.

Dies, zusammen mit der fast unbegrenzt verfügbaren Liquidität, bereitgestellt durch die Zentralbanken, sowie in vielen Ländern mit dem impliziten Übergang zur Modernen Geldtheorie (MMT), bedeutet, dass wir ein viel breiteres Spektrum potenzieller Szenarien als gewöhnlich sehen. Unsere evidenzbasierte, Bayesian wahrscheinlichkeitsbereinigte Szenarioanalyse sieht einen der größten Bullenmärkte als das Szenario mit der höchsten Wahrscheinlichkeit, gefolgt von einer der größten Aktienbaisse."

 

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