Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
Ad

Ohne Umwege zu Private Assets

Weltweit verwaltet Schroders über EUR 29 Mrd. in Private Assets. Das Produktspektrum umfasst dabei Immobilien, Private Equity, ILS, Infrastrukturanlagen und Privat Debt. Meiden Sie Umwege - hier mehr erfahren!

Anzeige
| Märkte
twitterlinkedInXING

Ist Italien am Weg dazu, ein neues Griechenland zu werden?

Vergleicht man die Italienkrise mit der Entwicklung in Griechenland in den letzten Jahren, überwiegen auf den ersten Blick die Unterschiede. Der wichtigste: In Griechenland ging es um Geld, in Italien um die Regeln der Währungsunion, schreibt Hüfner in seinem Kommentar.

1476873568_hüfner_martin_2015_1.jpg
"Die Italienkrise befindet sich erst am Anfang. Im weiteren Verlauf könnten sich doch noch Ähnlichkeiten zwischen den beiden Krisen ergeben", analysiert Dr. Martin Hüfner, Chefvolkswirt der in München ansässigen Investmentboutique Assenagon.
© Assenagon

Es ist fast genau zehn Jahre her, dass der damalige griechi­sche Ministerpräsident zugab, dass sich seine Statistiker "verrechnet" hatten. Im Oktober 2009 sagte er, dass das Haushaltsdefizit seines Landes nicht 3,7 Prozent des BIPs betrug, wie bisher ausgewiesen, sondern gigantische 12,7 Prozent. Nachher stellte sich heraus, dass es sogar 15,1 Prozent waren. Das war der Beginn der Griechenlandkrise, die den Euro in seinen Grundfesten erschütterte. Erst vor drei Monaten wurde Athen aus dem Anpassungsprogramm entlassen und soll bei seiner Finanzierung wieder auf eigenen Füßen stehen.

Jetzt haben wir die noch eine relativ junge Italienkrise
Sie entstand im April dieses Jahres mit den Parlamentswahlen und der Bildung einer Regierung aus zwei populistischen Parteien. Seitdem steigen die Zinsen für italienische Staats­anleihen kräftig an, ähnlich wie damals in Griechenland. Es liegt nahe, die beiden Krisen miteinander zu vergleichen. Ist Italien das neue Griechenland?

Wird es genauso schlimm? Könnte es auch so lange dauern?
Hüfner: "Auf den ersten Blick sieht heute alles ganz anders aus. Die bekannte amerikanische Ökonomin Carmen Reinhart for­mulierte es letzte Woche in der "Süddeutschen Zeitung" drastisch: Verglichen mit Italien erschienen die Krisen in Griechenland, Portugal und Irland zusammengenom­men als "Kinderkram". Heute sei alles viel, viel schlimmer. Das ist so nicht ganz richtig. Manches ist schlimmer, man­ches weniger schlimm und manches einfach nur anders."

Hüfner sieht sieben Unterschiede
Erstens ist Griechenland viel kleiner. Das italienische So­zialprodukt ist fast zehnmal so groß wie das griechische. Die gesamte Staatsschuld Italiens ist rund 8-mal so groß wie die griechische. Damit vervielfachen sich natürlich auch die Probleme.
Zweitens bewegten sich die Verfehlungen damals in ganz anderen Größenordnungen. Die Italiener haben bei den Statistiken nicht getrickst. Ihr angestrebtes Budgetdefizit liegt mit 2,4 Prozent immer noch innerhalb der Maastricht-Krite­rien. Es ist nur größer als von der Vorgän­gerregierung ver­sprochen. Daran gemessen ist das Pro­blem heute nicht so groß.
Drittens brauchten die Griechen damals Geld, weil Kredite fällig wurden und sie sich nicht am Kapitalmarkt verschul­den konnten. Italien hat mit der Refinanzierung seiner Schulden (noch) keine Schwierigkeiten. Rom geht es nicht um Geld, sondern um die Regeln der Währungsunion. Es will sich nicht an die Regeln halten und seinen Haushalt nicht nach den Wünschen Brüssels korrigieren. Das macht die Situation schwerer und leichter zugleich. Viertens waren der wichtigste Streitpunkt mit Griechenland die Auflagen, unter denen die Gläubiger bereit waren, Geld zur Verfügung zu stellen. Athen sollte sich einem außeror­dentlich strengen Anpassungsprogramm unterwerfen. Im Falle Italiens hat niemand Anpassungsmaßnahmen gefor­dert (bisher jedenfalls nicht), obwohl sie zur Lösung seiner Probleme sicher auch notwendig wären. Italien würde sie – Stand jetzt – wohl auch nicht akzeptieren.
Fünftens ging die Griechenlandkrise über Europa hinaus. Athen hatte sich mit seinen Geldwünschen zuerst an den IWF in Washington gewandt. Erst als dieser absagte, bat es die Europäer um Hilfe. Sie leisteten diese dann zusammen mit dem IWF. Bei Italien ist der IWF überhaupt nicht involviert. Es ist eine rein europä­ische Angelegenheit. Das macht die Sache allerdings nicht unbedingt leichter. Es fehlt ein "Dritter", der aus interna­tionaler Brille Kompromisse vorschlagen kann. 
Sechstens: Ein Unterschied zwischen Griechenland und Italien ist auch die Finanzierungsstruktur der Staatsschul­den. Griechenland ist zu 80 Prozent  im Ausland verschuldet. Es muss also stark auf ausländische Gläubiger Rücksicht neh­men. Italiens Staatsschuld liegt zu knapp 70 Prozent im Inland. Das macht die Lösung in mancherlei Hinsicht einfacher. 
Siebtens: Sowohl bei Griechenland als auch bei Italien wur­de über den Exit aus der Währungsunion gesprochen. Doch war es beides Mal anders. Bei Griechenland drängten seine Partner auf einen Austritt des Landes aus dem Euro. In Ita­lien war es die Regierung selbst, die das Thema hochbrach­te. Sie hat inzwischen aber wieder einen Rückzieher ge­macht.

Krise steht erst am Anfang
Aufgrund all dieser Punkte müsste man eigentlich sagen, dass Italien ein anderes "Paar Schuhe" ist und die beiden Krisen wenig gemeinsam haben, findet Hüfner. Andererseits befinde man sich bei Italien erst ganz am Anfang. Viele Fragen seien noch offen. Zum einen sei überhaupt noch nicht absehbar, wie ein Kompromiss bei der von Rom gewünschten Änderung der Regeln der Währungsunion aussehen könnte. Ist sie ohne eine Änderung der Verträge machbar? Finden sich unter den Mitgliedern entsprechende Mehrheiten? Das kann lange dauern, auch wenn Brüssel für Kreativität und Italien für Flexibilität bekannt ist).

Wird Rom am Ende doch noch ein zweites Athen?
Zum anderen: Selbst wenn man hier eine Lösung finden sollte, bleibt das Problem der Zinsen. Sie sind zwar mit der­zeit 3,5 Prozent noch erträglich. Nach Andeutungen aus Rom wä­ren erst 4,5 Prozent kritisch. Ab dann wären die Wertberichtigun­gen der italienischen Banken auf ihre Staatsanleihebestän­de so hoch, dass sie bei ihren Eigenkapitalquoten Pro­bleme hätten. Zu solchen Zinsen kann es durchaus kommen. Dann käme auch für Italien die leidige Frage des Geldes auf den Tisch. Die Währungsunion ist zwar inzwi­schen für finanzielle Hilfen sehr viel besser gewappnet. Aber es wird sicher kein Geld fließen ohne entsprechende Anpassungs­programme. Dann wären wir bei der gleichen Diskussion wie in Griechenland. Rom wäre das neue Athen.

Was bedeutet das für den Investor?
"Richten Sie sich darauf ein, dass die Italienkrise noch lange dauert. Es wird – hoffentlich – nicht so lange sein wie die Griechenlandkrise. Die Zinsen werden weiter steigen. Bei Aktien sieht es nicht ganz so schlimm aus, da Italien das Wachstum fördern will und einen funktionierenden Markt und gute Unternehmen hat. Der Euro kann sich abschwä­chen", lautet Dr. Hüfners Befund. (kb)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren