Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

Intelligente Mobilität: Ein wichtiger neuer Trend, um neue Technologien kennenzulernen.

Ad

Die intelligente Mobilität umfasst ein ganzes Ökosystem von Unternehmen, vom Technologieunternehmen bis hin zum Dienstleistungssektor. Lesen Sie den Artikel von BNY Mellon Investment Management.  Ausschließlich für professionelle Kunden.

Anzeige
| Märkte
twitterlinkedInXING

Ist die Türkei bald am Ende?

Keine Frage, es brodelt in der Türkei, undd das nicht nur wegen der hohen Sommertemperaturen. Die aktuellen politischen Spannungen zwischen der USA und der Türkei geben Anlass zur Besorgnis.

aneekagupta_72.jpg
Aneeka Gupta, Associate Director - Equity & Commodities Strategist bei WisdomTree
© WisdomTree

Die Märkte spiegeln die starke Besorgnis über die Führung von Präsident Erdogan nach der Verhängung von US-Sanktionen wider, die zu einer weiteren Abwertung der türkischen Lira und zu historischen Höchstständen bei den Benchmark-Renditen führen.

Hohe Inflation, hohes Zinsniveau, hohe CDS-Prämien
Die Türkische Lira war mit minus 28,2 Prozent per 8. August 2018 die zweitschwächste Währung der Schwellenländer in diesem Jahr und trieb die Inflation auf den höchsten Stand seit 15 Jahren. Die Renditen der 10-jährigen Lokalwährungsanleihen der Türkei erreichten 20,09 Prozent gegenüber 13,9 Prozent vor drei Monaten. Die Kosten für die Versicherung der türkischen Schulden, die sich in den fünfjährigen Credit Default Swaps widerspiegeln, sind seit Jahresbeginn um 109,8 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Stand innerhalb der Schwellenländer, was auf die zunehmende Besorgnis einer überhitzten Wirtschaft hindeutet.

Verschärfung der Krise: Benchmark-Anleiherenditen, Lira und CDS-Spannen

Source: Bloomberg, WisdomTree, data available as of close 07. August 2018

Die türkische Wirtschaft bleibt verwundbar: hohe Auslandsverschuldung
Dies gilt dehalb, weil ihr Leistungsbilanzdefizit unter den Schwellenländern am größten ist und die Inflationsrate fast dreimal so hoch ist wie die Zielvorgabe der Zentralbank. Das übermäßige Investitionswachstum der Türkei ist tief im Bausektor verwurzelt. Nach Angaben der Zentralbank halten Unternehmen 337 Milliarden US-Dollar an Fremdwährungsverbindlichkeiten, mit einem Fehlbetrag von 217,3 Milliarden US-Dollar netto gegenüber den Aktiva. Banken sind höheren Fremdkapitalkosten ausgesetzt, da im Laufe eines Jahres mit einer Fälligkeit von fast 100 Milliarden US-Dollar gerechnet wird.

Zu Beginn der Woche hat die Zentralbank den Zugang der Banken zu Dollar-Liquidität um 2,2 Milliarden US-Dollar erhöht, aber es reichte nicht aus, um die Verluste der Lira einzudämmen. Gupta: "Seitdem haben wir weder von der Regierung noch von der Zentralbank einen Handlungsaufruf erhalten. Wir rechnen mit einer Verlagerung der Geldpolitik, einer strafferen Finanzpolitik und der Unterstützung durch den Internationalen Währungsfonds (IWF), um den Trend umzukehren."

Unabhängigkeit der Zentralbank ist Schnee von gestern
Die Auffassung der Anlegergemeinschaft ist, dass die Geldpolitik in der Türkei nicht unabhängig ist, da Präsident Erdogan gegen höhere Zinssätze ist, so dass die Zentralbanken dem Präsidenten trotzen und die Zinssätze erhöhen müssten, um die Währung zu verteidigen und ein Ausfallszenario zu vermeiden. Auf die Türkei entfällt weniger als in Prozent des MSCI Emerging Market Index, so dass WisdomTree kaum mit der Ausbreitung von Ansteckungseffekten rechnet.

Konfrontation mit den USA verstärkt Probleme der Türkei
Am 1. August 2018 verhängten die USA Sanktionen gegen zwei türkische Minister wegen der Festnahme und Inhaftierung des amerikanischen Pastors Andrew Craig Brunson, gegen den  terroristische Anschuldigungen erhoben werden. Der amerikanische Pastor wurde von der türkischen Regierung als einer der Hauptorganisatoren des Militärputsches, der 2016 scheiterte, bezeichnet. Die Sanktionen gegen Justizminister Abdulhamit Hul und Innenminister Suleyman Soylu sperren jegliches Eigentum oder Vermögen auf US-Boden und hindern US-Bürger an finanziellen Transaktionen mit ihnen.

Spannungen unter den NATO-Verbündeten aufgeflammt
Während die USA ursprünglich geplant hatten, weitere schädliche Sanktionen zu verhängen und die Freilassung von vier weiteren politischen Geiseln zu fordern, haben sie nun ihre aggressive Haltung zurückgenommen, da sie nicht für eine breitere Krise verantwortlich gemacht werden wollen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Ankara seien Washington und Ankara offenbar kurz davor, sich über bestimmte Fragen der Sanktionen zu verständigen.

An den grundlegenden Problemen der Türkei (Zwillingsdefizit, hohe Dollar-Verschuldung der Unternehmer) würde das freilich nichts ändern. (kb)

 

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen