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Ist die Börsenparty bald zu Ende?

Dr. Manfred Schlumberger sieht in seinem Marktkommentar "StarInvest" gute Chancen auf eine Jahresendrallye an den Aktienmärkten, denn allein in den USA stehen nach dem Ende der Bilanzsaison noch über 350 Milliarden US-Dollar an Aktienrückkäufen bis zum Jahresende aus.

Dr. Manfred Schlumberger
„Der Börsenzyklus tritt in seine Endphase, die historisch von hoher Volatilität, insbesondere auch nach oben, geprägt ist“, sagt Dr. Manfred Schlumberger, Vorstand und Co-Leiter Portfoliomanagement der StarCapital AG. Seiner Ansicht nach ist die Börsenparty noch keineswegs zu Ende!
 
© José Poblete / FONDS professionell

Der Verlust von mehr als zehn Prozent an den US-amerikanischen und von fast 20 Prozent zum Jahreshoch an der japanischen und den europäischen Aktienmärkten könnten entweder als Anzeichen einer aufziehenden Baisse an den Weltbörsen oder als ein Atemholen in einem sehr reifen, fortgeschrittenen Börsenzyklus seit 2009 gedeutet werden. Grundsätzlich, so Schlumberger, sei in der Vergangenheit kein Börsenzyklus an Altersschwäche gestorben, sondern „in der Regel von Notenbanken ‚ermordet‘ worden“. Das Anziehen der Inflation, ausgelöst durch eine Kettenreaktion von starkem Wachstum über steigende Löhne und Rohstoffpreise, habe in der Vergangenheit die Notenbanken zu Leitzinserhöhungen gezwungen, die zum Einbrechen der Konjunktur führte. Einer beginnenden Rezession ging historisch stets ein Börseneinbruch voraus, so der Portfoliomanager.

Börsenzyklen sterben durch Leitzinserhöhungen, nicht an Altersschwäche 
Die als Frühindikatoren der Wirtschaft geltenden Einkaufsmanagerindizes deuten weltweit auf eine leichte Abschwächung gegenüber dem Vorjahr hin. Das Auslaufen der positiven Konjunktureffekte der US-Steuerreform im kommenden Jahr lasse eine wirtschaftliche Verlangsamung erwarten. Die geplante Erhöhung der Leitzinsen, die demografisch bedingte Steigerung des Lohnniveaus um mehr als drei Prozent und die hohen Energiepreise belasten die US-Wirtschaft ebenso wie die absehbaren Schäden aus dem Handelskrieg mit China. Die Währungsabwertung des chinesischen Yuan, geldpolitische Lockerungsschritte und fiskalpolitische Impulse aus Infrastrukturinvestitionen in China sollen den negativen Effekten aus den US-Zöllen entgegenwirken.

Gesamtweltschulden entsprechen 260 Prozent des Welt-BIP
Schlumberger weist jedoch auch auf die Gefahr hin, die in dem bereits entstandenen Gesamtschuldenberg von 260 Prozent des Bruttoinlandsproduktes steckt. „Wegen der Unkalkulierbarkeit des US-Präsidenten ist beim anstehenden Treffen mit dem chinesischen Staatschef beim kommenden G20-Gipfel alles möglich, sowohl ein Deal als auch eine Verschärfung des Zollkriegs“, fasst Schlumberger zusammen. Der Handelskonflikt sei, auch in seinen wirtschaftlichen Folgen für Europa, unberechenbar. Das Wachstum in Europa, speziell aber in Deutschland und Italien, sei abgeschwächt. Dennoch erwartet StarCapital mit Zuversicht eine „vernünftige Lösung“ beim Brexit. Auch im Fiskalkonflikt mit Italien sei eher mit einem faulen Kompromiss zu rechnen als mit einer neuen Eurokrise.

Ausblicke der Unternehmen werden weltweit weniger optimistisch
Sie würden in der Kombination mit steigenden Zinsen eine aktuell gefährliche Mischung für die Aktienmärkte ergeben, so Schlumberger. Außerhalb der USA seien steigende Zinsen jedoch bislang nicht zu sehen. Mit Kurs-Buchwert-Verhältnissen in Europa, Japan und den Schwellenländern, die weit unter den Niveaus vor den beiden letzten Börseneinbrüchen 2000 und 2008 lägen, sei noch kein Ende des laufenden Haussezyklus zu erwarten. Das zeigt der folgende Chart sehr deutlich. 

Kurs-Buchwert-Verhältnisse: Außer in den USA ist kein Hausse-Ende zu erwarten 

Keine US-Gewinnrezession, kein Ende der Hausse
Trotz weltweit rückläufiger Gewinne und anziehender Zinsen, auch außerhalb der USA, ist vor dem Hintergrund der Bewertungsniveaus an den internationalen Aktienmärkten (ex USA) noch kein Ende des Börsenzyklus zu erwarten. Da die weiteren Leitzinsanhebungen der US-Notenbank in Richtung 3,0 bis 3,5 Prozent im historischen Vergleich immer noch moderat sein werden und bei den Unternehmen lediglich ein Nachlassen der Gewinndynamik, aber noch keine Gewinnrezession zu erwarten ist, steht uns auch in den USA kein Ende der Börsenhausse ins Haus.

Ende der Assetpreis-Inflation
Die weltweit nachlassende Liquiditätsversorgung durch die Zentralbanken läutet jedoch das Ende der Vermögenspreisinflation ein: Der Börsenzyklus tritt in seine Endphase, die historisch von hoher Volatilität, insbesondere auch nach oben, geprägt ist. "Die Börsenparty ist noch keineswegs zu Ende!", lautet Schlumbergers Résumé. 

Was gibt es in einer solchen Spätphase des Börsenzyklus zu beachten?
Laut Dr. Schulumberger sollten hochliquide, günstig bewertete Value-Aktien bevorzugt in ein robustes Portfolio aufgenommen werden. Viele Nebenwerte, die infolge ihrer geringen Liquidität normalerweise einen Bewertungsabschlag aufwiesen, würden aktuell mit hohen Prämien gehandelt und sollten gemieden werden. Geringe Liquidität sei nicht mit niedriger Volatilität zu verwechseln. Überteuerte Wachstumswerte, insbesondere aus dem Technologiesektor, seien extrem anfällig für weitere Kursabschläge. Anlagechancen lägen bevorzugt in günstig bewerteten Regionen (Europa, Japan, Schwellenländer), die bereits heftige Preiskorrekturen hinter sich haben.

Wird es in 2018 noch eine Jahresendrallye geben?
Schlumberg dazu; "Insbesondere in den USA, aber auch in Europa, gibt es noch einen wichtigen Pluspunkt für die Aktienmärkte. Allein in den USA stehen nach dem Ende der Bilanzsaison noch über 350 Milliarden US-Dollar an Aktienrückkäufen bis zum Jahresende aus. Katalysator für ein Weihnachtsmärchen wäre ein zumindest „kleiner“ Deal im Handelskonflikt zwischen China und den USA." Ob es dazu kommen wird, wissen wohl nur Donald Trump und Xi Jinping. (kb)

 

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