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Isabel Schnabel: "Wir können diesen Schock nicht länger ignorieren"

Die Europäische Zentralbank (EZB) kann die negativen Folgen des Iran-Kriegs auf die Inflationsentwicklung laut EZB-Direktorin Isabel Schnabel nicht länger ausblenden.

Isabel Schnabel, EZB
Isabel Schnabel, EZB© Lina Selg / Bloomberg

Eckpunkte:

  • Isabel Schnabel meint, dass die EZB die Folgen des Iran-Kriegs nicht mehr länger ausblenden könne
  • Denn der Preisdruck nimmt zu und treibt die Inflation nach oben
  • Zinsschritt nach oben im Juni bereits eingepreist, zweiter Zinsschritt in Diskussion

Die Europäische Zentralbank kann die inflationären Folgen des Kriegs im Iran nach Einschätzung von Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel nicht länger ausblenden, da sich der Preisdruck über den Energiesektor hinaus ausweitet und das Risiko steigender Inflationserwartungen zunimmt. Das ist einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen.

Rasches Handeln notwendig
Schäden an der Energieinfrastruktur und an globalen Lieferketten hätten die Preisdynamik bereits nachhaltiger verändert. Deshalb könnten die Währungshüter zum Handeln gezwungen sein, selbst wenn der Konflikt sofort beendet würde, sagte Schnabel laut Bloomberg am Montag auf einer Konferenz der Bank of Korea in Seoul.

“Wir können diesen Schock nicht länger ignorieren”, sagte Schnabel, die von Ökonomen als die falkenhafteste Vertreterin im EZB-Rat angesehen wird. “Das Risiko einer Entankerung der Inflationserwartungen steigt.”

Markt erwartet bereits ersten Zinsschritt nach oben
Die Aussagen bekräftigen Schnabels Äußerungen aus der vergangenen Woche, wonach auf der EZB-Sitzung am 10. und 11. Juni eine Zinserhöhung erforderlich sei. Die Märkte rechnen weitgehend mit einem solchen Schritt, da die Notenbanker die Gefahr abwägen müssen, dass höhere Energiekosten auf die allgemeine Inflation durchschlagen. Zugleich vermeiden es die Währungshüter bislang, Signale über das Ausmaß weiterer Zinserhöhungen zu geben, da die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts unsicher bleiben.

Zweiter Zinsschritt wird mehr und mehr ein Thema
Während die meisten Notenbanker für die Zeit nach Juni vorsichtig bleiben, weil sich die Wirtschaft bereits abschwächt, sagte Litauens Notenbankchef Gediminas Simkus vergangene Woche, eine zweite Zinserhöhung sei “eher wahrscheinlich als nicht”, auch wenn der Zeitpunkt noch unklar sei.

Laut Schnabel ist es noch zu früh, um festzulegen, wie viele Zinserhöhungen nötig sein könnten. Die Währungshüter würden weiterhin eingehende Daten und die Entwicklungen im Nahen Osten auswerten.

Der aktuelle Schock unterscheide sich von früheren Energiekrisen, weil er zunehmend wie ein globaler Nachfrageschock wirke und zugleich die Produktionskosten weltweit in die Höhe treibe, sagte Schnabel.

Steigender Erzeugerpreisdruck in China und anderen Ländern dürfte sich entlang der globalen Lieferketten ausbreiten und die Inflation bei Industriegütern nach einer längeren Phase schwachen Preiswachstums wieder anheizen, sagte Schnabel. (aa)

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