Irankrieg erschwert die Refinanzierung des US-Schuldenberges
Der Head of Commodities bei Ofi Invest Asset Management skizziert ein aktuelles Bild der Rohstoffmärkte und warnt davor, dass einige Golfstaaten als Käufer von US-Staatsanleihen ausfallen könnten. Das könnte zu weiteren Problemen führen und Gold neuerlichen Rückenwind geben.

Eckpunkte:
- Lieferengpässe und damit höhere Rohstoffpreise treiben Inflation
- Höhere Zinsen können im aktuellen Umfeld Inflation aber nur eingeschränkt bekämpfen
- Wirtschaft könnte sich eintrüben
- Krieg könnte Golfstaaten vom Kauf von US-Treasuries abhalten
- Gold hat damit wieder Aufwärtspotenzial
“Der Schock, den wir derzeit erleben, ist einerseits ein Schock bei der Energieversorgung, vor allem aber ein Preisschock. Zinserhöhungen können gegen solche Ereignisse wenig ausrichten. Während der Ölkrisen der 1970er Jahre ließen die Regierungen die Inflation weitgehend steigen“, erinnert Benjamin Louvet, Head of Commodities bei Ofi Invest Asset Management, in einem Kurzkommentar an vergangene Zeiten.
Unelastische Nachfrage?
“Zudem ist das Ausmaß des Versorgungsschocks so groß, dass ein moderater Anstieg der Energiepreise möglicherweise nicht ausreicht, um die Nachfrage so zu dämpfen, dass sich die Märkte wieder ins Gleichgewicht bringen. Schließlich ist die Nachfrage nach Öl, Gas oder Kohle pro BIP-Einheit aufgrund effizienterer Nutzung mittlerweile ohnehin schon deutlich niedriger als früher.
Viele Rohstoffe werden knapp und teuer
Nach Ansicht von Louvet wird die Verknappung von Öl, Erdgas, Düngemitteln, Schwefel (unverzichtbar für bestimmte Düngemittel und zur Raffinierung von Nickel und Kupfer), Helium (entscheidend für die Halbleiterproduktion) und Naphtha (verwendet in der Kunststoffproduktion) wahrscheinlich die Lieferketten stören und letztlich einen Rückgang der Produktion – und damit ein geringeres Wachstum – zur Folge haben.
Zentralbanken im Dilemma: Zinsen rauf oder runter?
Die US-Notenbank könnte daher laut Louvet mit ihrem doppelten Mandat in Bezug auf Beschäftigung und Inflation vor einem Dilemma stehen: Soll sie die Zinsen anheben, um die Inflation zu bekämpfen, oder senken, um Wachstum und Beschäftigung zu stützen?
Da eine Zinserhöhung den Angebotsschock nicht abfedern kann, ohne das Wachstum zu beeinträchtigen, erscheint es Louvet zufolge unwahrscheinlich, dass sich die Fed für eine Zinserhöhung entscheiden wird.
Potenziellen Käufern von US-Staatsanleihen könnte die finanzielle Luft ausgehen
Zudem könnten laut Louvet die sinkenden Einnahmen der Golfstaaten, die wichtige Käufer von US-Staatsanleihen sind, auch die Schuldenfinanzierung der USA schwächen und die Notenbank dazu zwingen, die Zinsen zu senken oder selbst wieder Anleihen zu kaufen, um die Wirtschaft zu stützen.
Die Europäische Zentralbank, deren Mandat sich allein auf die Preisstabilität richtet, könnte sich hingegen gezwungen sehen, die Zinsen anzuheben. Damit würde sie das Wachstum in der Eurozone jedoch erheblich beeinträchtigen.
Goldpreis sollte weiter steigen
Unabhängig vom Szenario bleiben Louvet zufolge die strukturellen Wachstumstreiber für den langfristigen Anstieg des Goldpreises intakt: Die hohe Verschuldung in den großen Volkswirtschaften kann einen deutlichen Anstieg der Realzinsen nicht verkraften, ohne ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Zahlungsfähigkeit der Staaten aufkommen zu lassen.
"In Verbindung mit einem erhöhten Stagflationsrisiko macht dies den jüngsten Rückgang der Rohstoffpreise unserer Ansicht nach zu einer bedeutenden Chance. Gold – und in geringerem Maße auch andere Edelmetalle – dürfte seinen Aufwärtstrend wieder aufnehmen, und das Schuldenumfeld könnte eine Rückkehr zu früheren Höchstständen oder sogar zu neuen Höchstständen ermöglichen. In der Geschichte hat sich dieses Muster wiederholt gezeigt", erklärt Louvet abschließend. (aa)

