Inwieweit die Glaubwürdigkeit der Fed zur neuen Risikoprämie mutiert
Felipe Villarroel, TwentyFour Asset Management, befürchtet negative Folgen der neuen, veränderten Kommunikationsstrategie der US-Notenbank. So könnten Investoren mangels Transparenz und aufgrund eines geringeren Vertrauens zukünftig höhere Risikoprämien verlangen.

Eckpunkte:
- Die Glaubwürdigkeit der Fed könnte sich zur neuen Risikoprämie entwickeln
- Das könnte das Ergebnis der veränderten Kommunikationsstrategie der US-Notenbank sein
Die jüngste Zinsentscheidung der Fed hat laut Felipe Villarroel, Partner und Portfoliomanager bei TwentyFour AM, einer Boutique von Vontobel, vor allem eines offengelegt: Es geht weniger um das aktuelle Zinsniveau als um Vertrauen in die nächsten Schritte. Wenn die Notenbank ihre Sicht auf Konjunktur und Inflation nicht klar genug einordnet, entsteht ein Vakuum. Und dieses Vakuum füllen Märkte mit eigenen Annahmen. Glaubwürdigkeit ist dabei die zentrale Währung: Sie wird über Jahre aufgebaut, kann aber durch wenige unglückliche Auftritte schnell beschädigt werden.
Inflationserwartungen derzeit noch immer "im Korridor"
Noch sei das Vertrauen nicht gebrochen. Im Gegenteil, meint Villarroel. Ein wichtiger Gradmesser sind die Inflationserwartungen: Wer der Fed nicht mehr zutraut, Preisstabilität zu sichern, verlangt dafür schnell einen spürbaren Aufschlag. Bislang bleiben diese Erwartungen „im Korridor“ und liegen am kurzen bis mittleren Ende nur knapp über zwei Prozent. Der Markt unterstellt also weiterhin, dass die Fed Inflation grundsätzlich im Griff hat. Sollte deren Glaubwürdigkeit aber erodieren, steckt in den Renditen noch viel Luft nach oben.
Anleiheinvestoren könnten damit künftig nach anderen Spielregeln agieren, prognostiziert Villarroel: "In einem Umfeld, in dem die Fed stärker „aus dem Markt lesen“ will, statt selbst einen klaren Anker zu liefern, wird die Laufzeitprämie zum Preisschild für Unsicherheit. Eine Konsequenz wäre: nicht mehr reflexhaft bei Dips kaufen, sondern selektiv auch mal Rallys verkaufen, und generell Risiken enger dosieren." (aa)


