Logo von Institutional Money
| Märkte

Inwieweit die Geldmengenentwicklung die Märkte belastet

Der Chief Investment Officer von Fisch Asset Management analysiert die Geldmengenentwicklung M2 und deren Effekte auf die Inflationsentwicklung und kommt darauf aufbauend zu einem pessimistischen Ausblick auf die kurzfristige Aktienmarktentwicklung. Auf längere Sicht besteht jedoch mehr Hoffnung.

Beat Thoma, Fisch Asset Management
Beat Thoma, Fisch Asset Management© Fisch Asset Management

Eckpunkte:

  • Die Entwicklung der Geldmenge M2 hat großen Einfluss auf die zukünftige Inflation
  • Das hängt aber auch vom Überschreiten gewisser Mindestgrößen ab
  • Derzeitiges Umfeld schlecht für Aktien
  • Falls sich Konjunktur eintrüben und Inflation wieder sinken sollte, könnten Zentralbanken wieder eine expansivere Geldpolitik betreiben

Die Geldmenge M2 ist einer der zuverlässigsten vorauslaufenden Indikatoren für die
Inflationsentwicklung. Beat Thoma, Chief Investment Officer bei Fisch Asset Management, illustriert in einer aktuellen Publikation seines Hauses diesen Zusammenhang für die USA seit dem Jahr 1960. "Steigende Geldmengen führen mit einer Verzögerung von sechs bis 18 Monaten zu steigender Inflation und umgekehrt", verweist Thoma auf die Grafik unten.

Kritische Grenze müsste erst überschritten werden
Allerdings wird laut Thoma aus der Grafik ebenfalls deutlich, dass in der Vergangenheit jeweils ein Geldmengenwachstum im Bereich von acht bis zehn Prozent oder mehr nötig war, um einen signifikanten Anstieg der Inflation zu generieren. Das aktuelle Niveau mit 4,9 Prozent (auf Jahresbasis) sei damit für eine große Teuerungswelle deutlich zu tief.

Zentralbanken derzeit restriktiv
Wichtige große Zentralbanken (EZB, BoJ, BoE und Fed) sind aktuell geldpolitisch restriktiv und reduzieren ihre Bilanzen (d. h. Verkauf von Staatsanleihen und damit Liquiditätsentzug an den Finanzmärkten), um den hartnäckigen Inflationsdruck zu bekämpfen. Dadurch wird auch das M2-Wachstum gedämpft.

Gegenwind für die Aktienmärkte
Die aktuelle Wachstumsrate ist zudem nicht nur inflationsdämpfend, sondern auch für einen weiteren starken Anstieg der Aktienmärkte stark hinderlich und damit nachgelagert auch konjunkturdämpfend.

Deshalb dürfte die Inflation zwar weiter moderat steigen, aber sich eben nicht stark beschleunigen. "Und dies könnte vorerst zu einer potenziellen Abflachung der Zinskurven beitragen. Insbesondere wenn wegen des zu tiefen Geldmengenwachstums in einigen Monaten auch die Aktienmärkte und die Konjunktur an Schwung verlieren", betont Thoma.

Hoffen auf Zentralbanken
Deshalb bleibt zumindest die Inflationsentwicklung im Moment noch unter Kontrolle, trotz steigender Erdöl- und Benzinpreise. "Allerdings ist im Fall von weiter nachlassender Konjunktur und schwachen Aktienmärkten in der Folge mit Unterstützung der Notenbanken und wieder höherem M2-Geldmengenwachstum zu rechnen", erklärt Thoma abschließend. (aa)

Geldmengenentwicklung in den USA und die darauf folgende Inflation

Wenn in den USA die Geldmenge M2 (hellblaue Linie) stark zunimmt (dh. mindestens acht Prozent), dann steigt die Inflation (dunkelblaue Linie) meistens zeitverzögert nach sechs Monate ebenfalls an.

Diese Seite teilen

Weitere Inhalte aus der Redaktion