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Investments in digitaler Infrastruktur sind auch in Krisen robust

Im Gegensatz zu vielen anderen Branchen, die teilweise massive Umsatzeinbrüche erlitten, verzeichnete die Telekommunikationsbranche eine steigende Nachfrage. Mit Blick auf Umsätze, Gewinne und Dividenden wird die Robustheit von Unternehmen aus dem Bereich der digitalen Infrastruktur deutlich.

Johannes Maier, Bantleon
Johannes Maier, Analyst Globale Infrastruktur-Aktien bei Bantleon
© Bantleon AG

Die rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hat weltweit zu großer Unsicherheit geführt. "Durch die sprunghafte Zunahme des Arbeitens von zuhause und global verordnetes Social Distancing bekam die Telekommunikationsbranche in dieser Zeit eine besonders wichtige Rolle. Denn hinter den heiß laufenden Video-Streaming-Diensten und Messaging Apps steht eine digitale Infrastruktur, die primär in Form von Rechenzentren, Funkmasten und Kabelnetzen ein noch nie da gewesenes Volumen an Datenübertragungen ermöglicht", sagt Johannes Maier, Analyst Globale Infrastruktur-Aktien bei Bantleon.

Nicht alle Aktien konnten glänzen
Weil nicht alle Unternehmen gleichermaßen vom Telekommunikationsboom profitieren, sollten Investoren einzelne Investments genau prüfen, so Maier weiter. In unsicheren Marktphasen bieten jedoch Aktien aus der Telekommunikationsbranche, zu der auch die digitale Infrastruktur gehört, einen relativ sicheren Hafen. Während Unternehmen und Konsumenten Investitionen in konjunkturellen Schwächephasen oft verschieben und sich einige zyklische Branchen deshalb derzeit im freien Fall befinden, bleibt eine funktionierende Internetverbindung oder ein Mobilfunkvertrag quasi alternativlos. So sind Umsätze von Telekommunikationsunternehmen auch in vorangegangenen konjunkturellen Schwächephasen nie stark gefallen, während die Nachfrage in anderen Branchen weitaus volatiler war.

Umsätze der Telekommunikationsunternehmen bisher vergleichsweise robust
Während Unternehmen des Stoxx Europe 600 im 1. Quartal 2020 bereits aggregierte Umsatzeinbußen von 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal hinnehmen mussten, sind die Umsätze in der Telekommunikationsbranche sogar leicht gestiegen. Durch die robuste Nachfrage in jeder Marktphase bieten Telekommunikationsunternehmen zudem attraktive Dividendenrenditen von durchschnittlich fünf bis sechs Prozent. Diese sind auch in der aktuellen Krise realistisch, während Unternehmen in zyklischen Branchen die für das Geschäftsjahr 2020 geplanten Dividenden seit Jahresbeginn um mehr als 50 Prozent gesenkt haben. Einige wenige Anbieter wie Orange in Frankreich und Proximus in den Niederlanden kürzten jüngst die Dividendenzahlungen als Vorsichtsmaßnahme, um möglichen politischen Druck abzufedern. Staaten sind bei diesen Unternehmen die Hauptaktionäre, weshalb mit gutem Beispiel vorangegangen werden soll.

Trotz Gewinnsteigeurngen outperformten Telekommunikationsaktien kaum
Obwohl die Gewinne der Telekommunikationsunternehmen im 1. Quartal 2020 sogar gestiegen sind und für das Geschäftsjahr 2020 deutlich stabilere Zahlen als in anderen Branchen erwartet werden, schnitten die Aktien dieser Branche bisher nur etwas besser ab als der breite Aktienmarkt: Während der Stoxx Europe 600 seit Jahresbeginn um 17 Prozent einbrach, fielen die Kurse europäischer Telekommunikationsaktien (SXKP) mit 15 Prozent fast genauso stark bis 22. Mai 2020.

Obwohl ihre Gewinne pro Aktie relativ stabil sind (linke Grafik), haben Telekom-Aktien stark korrigiert (rechte Grafik)

Heterogener Sektor: Teilmenge der digitalen Infrastruktur performt besser
Eine erste Erklärung für die fehlende Outperformance von Telekommunikationsaktien findet sich bereits in der Zusammensetzung des Sektors sowie in den sehr unterschiedlichen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die einzelnen Unternehmen. Maier dazu: "In der aktuellen Krise konnten Unternehmen, die ihre Erträge ausschließlich aus dem Betrieb von digitaler Infrastruktur erzielen, eine deutliche Outperformance verzeichnen. Die Quartalsergebnisse von Datenzentren- und Funkmastenbetreibern zeigen, dass auch in diesem Umfeld die Balance zwischen dem defensiven Charakter der Unternehmen und den Wachstumschancen bestehen bleibt, während ihr Geschäft sogar an Schwung gewonnen hat. Das hängt damit zusammen, dass die Nachfrage nach Telekommunikationsdienstleistungen weiter gestiegen ist, wobei die langfristigen und inflationsindexierten Verträge auch in dieser Marktphase eine selten gewordene Sicherheit bieten. Zudem profitieren die Unternehmen von langfristigen organischen Wachstumstrends wegen des weiterhin stark steigenden Datenvolumens."

Profiteure der aktuellen Krise haben monopolartige Stellung und gesicherte Nachfrage
Zu den Profiteuren der aktuellen Krise gehören unter anderem die größten unabhängigen europäischen Funkmastenbetreiber in Europa, Cellnex und Inwit. "Beide Unternehmen haben wegen langfristig abgeschlossener Verträge mit einer durchschnittlichen Restlaufzeit von über 20 Jahren auch in dieser Phase stetige Erträge. Die meist monopolartige Stellung von Funkmastenbetreibern sowie die generell hohen Markteintrittsbarrieren in diesem Sektor führen zu außergewöhnlich attraktiven Risiko-Ertrags-Profilen. Denn Funkmastenbetreiber profitieren bei gesicherter Nachfrage mittel- und langfristig vom Ausbau des 5G-Netzes und der damit verbundenen Netzwerkverdichtung in Europa", weiß Maier.

Datenverkehr wird weiter stark wachsen
Auch Betreiber von Rechenzentren, wie die in den USA ansässigen, aber global agierenden Unternehmen Equinix und Digital Realty Trust, können sich über langfristige Verträge freuen: mit Laufzeiten von fünf bis zehn Jahren. Die Nachfrage nach Kapazitäten von Rechenzentren wird stark von wachsenden Arbeitsprozessen in der Cloud und der Ausbreitung digitaler Geschäftsmodelle getrieben. Durch die sprunghafte Zunahme des Arbeitens von zuhause und die andauernden Kontakteinschränkungen werden diese Trends  weiter befeuert: Der Frankfurter Internetknoten DE-CIX beispielsweise meldete mit durchschnittlich 9 Terabit pro Sekunde im März 2020 einen neuen Spitzenwert der Internetnutzung. Auch der Ausblick bleibt vorerst ungetrübt. So geht das amerikanische IT-Unternehmen Cisco davon aus, dass der globale Datenverkehr über das Internet bis 2022 jährlich um 27 Prozent zunehmen wird, das mobile Datenvolumen um 46 Prozent.

Hohe Investitionen notwendig, dazu Zweifel am mittelfristigen Ausblick
Die erhöhte Nachfrage nach Telekommunikationsdienstleistungen und die relativ stabilen, hohen Dividenden deuten eigentlich auf eine generelle Attraktivität von Telekommunikationsanbietern hin. Eine mögliche Erklärung für die nur durchschnittliche Wertentwicklung traditioneller Telekommunikationsanbieter in der aktuellen Krise liefern die schwachen Wachstumszahlen der vergangenen Jahre und der mittelfristige Ausblick für die Branche. Zwar ist das konsumierte mobile Datenvolumen von 2014 bis 2019 jährlich im Durchschnitt um mehr als 30 Prozent gestiegen, die Umsätze von Telekom-Anbietern blieben jedoch nahezu unverändert. Um aber höhere Datenvolumina und Übertragungsgeschwindigkeiten anbieten zu können, sind enorme Investitionen in den Ausbau der digitalen Infrastruktur nötig. Der anstehende Ausbau der 5G- und Glasfasernetze erschwert das Wachstum des freien Cashflows auch weiterhin, weshalb Zweifel am mittelfristigen Ausblick der Branche gerechtfertigt sind.

Geschäftsmix entscheidend
Manche Telekommunikationsanbieter sind zudem durch Geschäftszweige wie Roaming oder einen hohen Anteil an Geschäftskunden vorübergehendem Gegenwind ausgesetzt. Deshalb sollten Anleger einzelne Investments genau prüfen, denn wie erfolgreich Unternehmen der Telekommunikationsbranche diese Krise meistern, hängt weitestgehend vom Geschäftsmix ab.

Telekoms mit eigener Netzinfrastruktur robuster
Neben Betreibern von Rechenzentren und Funkmasten haben Telekom-Unternehmen mit eigener Netzinfrastruktur besonders robuste Geschäftsmodelle und unterscheiden sich damit deutlich von solchen Anbietern, deren Ergebnisse primär von Angebot und Nachfrage getrieben sind. In den vergangenen Wochen konnten gerade jene Unternehmen, die hinter der digitalen Infrastruktur stehen, ihr Image durch verlässliche Netze und Gesten wie die Bereitstellung von kostenlosem Datenvolumen etwas aufpolieren. Zudem hat die Politik inzwischen erkannt, dass eine leistungsfähige Telekommunikationsinfrastruktur in der heutigen Zeit notwendig ist.

Deutsche Telekom ist ein solcher Fall
Ein gutes Beispiel für ein erfolgreiches Unternehmen mit eigener Netzinfrastruktur ist die Deutsche Telekom, die mit mehr als 50.000 eigenen Funkmasten einer der größten digitalen Infrastruktur-Betreiber Europas ist. Das Unternehmen meldete im April 2020 ein Plus von 76 Prozent bei den Festnetztelefonaten und einen Zuwachs von über 30 Prozent im Bereich Mobilfunk. Zudem lieferte die Deutsche Telekom mit den Quartalszahlen einen eindrucksvollen Beweis für die Krisenfestigkeit der Branche: Nahezu unbeeinträchtigt von der Coronavirus-Pandemie startet der Konzern mit einem operativen Ergebnissprung von zehn Prozent ins neue Geschäftsjahr und steht weiterhin zur bisherigen Prognose für 2020. Auch bei der Dividende ist auf die Deutsche Telekom Verlass: Wegen des robusten Geschäftsmodells braucht der Konzern aus heutiger Sicht keine staatliche Unterstützung und kann sich angesichts der Ergebnisentwicklung eine Ausschüttung leisten. Deshalb büßte die Aktie seit Jahresbeginn nur sechs Prozent-Punkte per 25. Mai 2020 ein, während die europäische Telekom-Branche (SXKP) um 15 Prozent nachgab.

Fazit
Mit Blick auf Umsätze, Gewinne und Dividenden während der Coronavirus-Krise wird die Robustheit von Unternehmen im Bereich der digitalen Infrastruktur deutlich. Damit bleibt der Sektor ein relativ sicherer Hafen in unruhigen Zeiten. "Investoren sollten einzelne Investments aber genau prüfen, weil nicht alle Unternehmen gleichermaßen vom Telekom-Boom profitieren werden. Die Nachfrage nach Telekom-Dienstleistungen und das Wachstum der digitalen Infrastruktur dürften in den nächsten Jahren hoch bleiben. Davon sollten auch die Fonds Bantleon Select Infrastructure und Bantleon Changing World profitieren", sagt Maier. (kb)

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