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Invesco: Welche Segmente sind derzeit noch kaufenswert?

Invescos Head of Multi-Research empfiehlt Investoren, eingegangene Risiken genauer im Auge zu behalten. Aussichtsreich seien derzeit britische und japanische Aktien, Schwellenländeranleihen und –immobilien sowie zur Diversifikation US-Geldmarkt-Anlagen.

Paul Jackson, Invesco
Paul Jackson, Invesco
© Invesco

Institutionelle Investoren sind derzeit im Zwiespalt, welche Faktoren die Märkte zukünftig wohl am stärksten beeinflussen werden. Auf der einen Seite gibt es zuletzt unerwartet schwache Wirtschaftsdaten, ein sehr verhaltenes Geldmengenwachstum und niedrigere Renditen. Auf der anderen Seite haben die Notenbanken eine akkommodierendere Haltung eingenommen. Wie es an den Märkte weitergehen könnte, erklärt Paul Jackson, Head of Multi-Asset Research bei Invesco.

Keine Rezession 2019
Wie der aktuellen Ausgabe der vierteljährlichen Marktanalyse The Big Picture zu entnehmen ist, rechnen die Multi-Asset-Experten von Invesco in diesem Jahr noch nicht mit einer Rezession. Allerdings befänden sich die meisten bedeutenden Volkswirtschaften in der späten Expansionsphase des Konjunkturzyklus. Da eine Rezession früher oder später unausweichlich sei, könne die Zeit gekommen sein, das Risiko schrittweise zu reduzieren, um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

Insgesamt bevorzugen die Investmentexperten eine diversifizierte Auswahl von vier Anlagewerten, die ihrer Ansicht nach gute mittelfristige Erträge liefern werden, sich aber auch kurzfristig auszahlen könnten: japanische Aktien, Emerging-Market-Immobilien, Staatsanleihen der Schwellenländer und USD-Liquidität.

„Wir meinen aus zwei Gründen, dass der Zeitpunkt für eine ultra-defensive Aufstellung noch nicht gekommen ist“, sagt Paul Jackson, Head of Multi-Asset Research. „Erstens glauben wir nicht, dass die US-Wirtschaft in Kürze in eine Rezession abrutschen wird. Zweitens halten die Regierungen und Zentralbanken dagegen.“

Gewinne und Investitionen genau im Auge behalten
Wie Jackson erläutert, scheint der Trend bei den Unternehmensgewinnen und -investitionen in den USA immer noch aufwärts zu zeigen. In der Vergangenheit habe das generell dafür gesprochen, dass eine Rezession unwahrscheinlich ist. Daher würden die Multi-Asset-Experten von Invesco die weitere Entwicklung der Unternehmensgewinne und -investitionen in den USA genau im Auge behalten, um bei ersten Hinweisen auf eine Verschlechterung reagieren zu können.

Was das monetäre Umfeld angeht, scheinen die US-amerikanische Notenbank (Fed) und die Europäische Zentralbank eine akkommodierendere Haltung eingenommen zu haben als zuvor. Allerdings glaubt Jackson, dass die bedeutenden Lockerungsmaßnahmen der chinesischen Regierung und Zentralbank eher realwirtschaftliche Auswirkungen haben werden als die der Fed und EZB.

China is the place to be
Da die chinesischen Behörden alle Hebel bewegen, um das Wachstum anzukurbeln, rechnet Jackson in China im ersten Halbjahr mit einer wieder stärkeren Dynamik, vor allem, falls es zu einer Einigung im US-chinesischen Handelsstreit kommen sollte.

Insgesamt geht Jackson davon aus, dass sich die Weltkonjunktur 2019 abkühlen wird, das BIP-Wachstum aber bei rund drei Prozent liegen wird und damit ausreichen sollte, um die Finanzmärkte zu stützen, und es der Fed erlauben sollte, die Zinsen ein weiteres Mal anzuheben, um dem stärkeren Lohndruck zu begegnen. Seiner Ansicht nach werden andere große Notenbanken die Geldpolitik in den nächsten zwölf Monaten nicht straffen, während die chinesische Zentralbank auf weitere Lockerungsmaßnahmen setzen dürfte.

In einem Umfeld, in dem Investoren „zwischen niedrigen Anleiherenditen und enttäuschenden Wirtschaftsdaten gefangen sind“, erwartet Invesco mittelfristig höhere Renditen aus Aktien- und Immobilienanlagen als aus Anleihen. Wie Jackson anmerkt, sind die Dividendenrenditen von Aktien in den meisten Regionen derzeit höher als die jeweiligen Staatsanleiherenditen. In einigen Fällen seien sie sogar höher als die Renditen lokaler Investment-Grade-Anleihen, wobei die Immobilien (REIT-) Renditen noch darüber lägen.

Welche Regionen übergewichten?
Mit Ausnahme der USA, der einzigen Region, in der das zyklisch bereinigte KGV über der historischen Norm und dem Durchschnitt anderer Regionen liegt, seien die globalen Aktienmärkte für vernünftig bewertet. Jackson glaubt, dass die mittel- bis langfristigen Renditen aus US-Aktien im Vergleich zu denen in anderen Regionen enttäuschend ausfallen werden.

Aktien aus der Eurozone wird aber ebenfalls skeptisch gesehen, da dieser scheinbar günstigere Markt bislang keine besseren Renditen geliefert hat und aufgrund der strukturellen Probleme der Eurozone in einer Rezession besonders schwer getroffen sein könnte. Die besten mittelfristigen Renditen erwartet Jackson aus japanischen und britischen Aktien. Während der Invesco-Mann in Japan mit weiterem Dividendenwachstum rechnet, glaubt er, dass britische Aktien mehr schlechte Nachrichten eingepreist haben könnten, als seiner Ansicht nach gerechtfertigt sei.

Hohe Verschuldung lässt Risiken ansteigen
Im Anleihenbereich betrachtet Jackson die historisch hohe Unternehmensverschuldung in den USA mit Sorge. Zum einen erhöhe sich dadurch das Risiko von Kreditanlagen im Vorfeld einer Rezession, zum anderen könne es den Abschwung verstärken, zumal diese Schulden vor allem für Aktienrückkäufe verwendet worden seien und weniger für Kapazitätsausweitungen oder Produktivitätssteigerungen.

In den meisten Schwellenländern sei die Verschuldung dagegen kein so großes Problem. Emerging-Market-Anleihen in lokaler Währung böten immer noch einen attraktiven Renditeaufschlag gegenüber dem globalen Durchschnitt. Auch hat Jackson keine Vorbehalte bezüglich Lokalwährungsanlagen, da er die Schwellenländerwährungen für weitgehend fair bewertet hält.

Rohstoffe, nein danke
Rohstoffanlagen meiden die Multi-Asset-Experten von Invesco weiterhin, da sie der Ansicht sind, dass die Rohstoffe insgesamt deutlich über dem historischen Durchschnitt notieren und ihren Tiefpunkt noch nicht erreicht haben.

Über einen Anlagehorizont von fünf Jahren rechnen sie mit einer annualisierten USD-Gesamtrendite von 14, elf und vier Prozent aus drei der von ihnen favorisierten Anlageklassen – japanischen Aktien, Emerging-Market-Immobilien bzw. Staatsanleihen der Schwellenländer. USD-Liquidität, die sie vor allem als Diversifikator schätzen, soll über einen Zeitraum von fünf Jahren ihren Erwartungen nach eine annualisierte Gesamtrendite von etwa drei Prozent liefern. (aa)

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