Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Theorie
twitterlinkedInXING

Invesco-Studie: Staatsinvestoren haben Krise genutzt

Wie die jüngst veröffentlichte Invesco Global Sovereign Asset Management Study 2020 zeigt, haben Staatsinvestoren den durch Covid-19 ausgelösten Kursrückgang als „beispielslose Kaufgelegenheit“ genutzt.

Rod Ringrow, Head of Official Institutions bei Invesco
Rod Ringrow, Head of Official Institutions bei Invesco
© Invesco

Laut einer Invesco-Studie über Staatsinvestoren waren diese bereits vor Pandemie-Ausbruch bei Aktien zurückhaltend und bevorzugten Anleihen, illiquide Alternativen und Infrastrukturprojekte, um ESG-Ziele zu erreichen. Im Krisenverlauf nutzten diese staatlichen Investoren freies Kapital, um von ‚beispielloser Kaufgelegenheit‘ durch Pandemie zu profitieren. Aktien haben aber trotz niedrigere Kurse derzeit schlechte Karten bei Staatsinvestoren.

Das und viel mehr zeigt Invescos mittlerweile achte jährliche Global Sovereign Asset Management Study, eine umfassende Analyse der Einschätzungen von 139 Chief Investment Officers, Anlageklassen-Verantwortlichen und Senior-Portfoliostrategen von 83 Staatsfonds und 56 Zentralbanken, die zusammen ein Vermögen von 19 Billionen US-Dollar verwalten.

Aktien derzeit nicht im Fokus
Wie die Studie zeigt, waren viele staatliche Investoren gut auf die Covid-19-Krise vorbereitet. Durch den Rückgang der Bewertungen und viel nicht investiertes Kapital eröffnet sich ihnen durch diese Krise eine einzigartige Kaufgelegenheit. Als Treuhänder langfristig angelegten Kapitals profitieren die meisten von ihnen zudem davon, dass sie auch in der Krise nicht unter Druck stehen, Anlagen zu verkaufen, um Rücknahmen zu bedienen. Schließlich haben die staatlichen Investoren aus der globalen Finanzkrise gelernt und ihre Strategien so angepasst, dass sie bislang besser durch diese Krise gekommen sind. Beispielsweise hatten sie hohe Liquiditätsreserven aufgebaut und ihr Liquiditätsmanagement besser organisiert.

Bevor Covid-19 die Märkte auf Talfahrt schickte, waren die durchschnittlichen Aktienallokationen der staatlichen Investoren Ende 2019 so niedrig wie zuletzt 2013, sowohl im Verhältnis zu ihren Anleiheallokation als auch gemessen an der gesamten Vermögensaufteilung: 26 Prozent (Aktien) im Vergleich zu 34 Prozent (Anleihen). Die stärkere Abkehr von Aktien war zum Teil in spätzyklischen Sorgen begründet, die zu einer geringeren strategischen Allokation in die Anlageklasse führten. 37 Prozent der Staatsinvestoren wollen ihre Aktienquoten senken, die Hälfte von ihnen sogar um mehr als fünf Prozent. Nur 22 Prozent der staatlichen Investoren wollen ihre Aktienallokationen in den nächsten zwölf Monaten ausweiten und auch dann nur vorsichtig.

Anleihen und illiquide Alternativen, vor allem Infrastruktur, gefragt
In den nächsten zwölf Monaten wollen die Staatsinvestoren weiter in Zinsanlagen investieren; 43 Prozent wollen ihre Anleihenquote erhöhen, 43 Prozent wollen vermehrt in Private Equity und Infrastrukturanlagen investieren und 38 Prozent wollen ihr Immobilienengagement ausbauen.

„Zinsanlagen gelten traditionell als defensiver Anker, eine Funktion, die durch die Krise getestet wurde, als sogar US-Staatsanleihen in den Abwärtsstrudel der breit angelegten Flucht in Liquidität gerieten. Staatliche Interventionen wie die Zinssenkungen und Anleihekäufe der globalen Notenbanken drückten jedoch wieder auf die Renditen und hatten positive Auswirkungen auf viele Anleihenportfolios“, sagt Rod Ringrow, Head of Official Institutions bei Invesco.

Covid-19 hat auch den Trend zu Anlagen in Infrastrukturprojekte beschleunigt, da die Krise zu potenziellen Zwangsverkäufen führt. Aufgrund der hohen Kapitalsummen, die relativ wenigen Deals nachjagen, hielten viele Investoren Infrastrukturanlagen bislang für teuer. Einige betrachten die aktuelle Situation jetzt aber als Chance, um von Verkäufen in Teilsektoren wie Flughäfen zu profitieren. Innerhalb der Anlageklasse Infrastruktur zeigen die staatlichen Investoren das größte Interesse an den Bereichen Stromerzeugung und -übertragung (54%) sowie Kommunikation (52%).

„Infrastrukturprojekte, vor allem Projekte im Bereich der Stromerzeugung und -übertragung, mit denen Länder die Energiewende vorantreiben, wurden als Möglichkeit gesehen, ESG-Ziele zu erreichen“, sagte Ringrow. „Da dies aber für viele Pensionskassen ebenfalls ein wichtiges Thema ist, kann es für einige der mittelgroßen Staatsinvestoren und Investoren, die noch nicht lange in dieser Anlageklasse investieren, schwieriger sein, sich geeignete Anlageobjekte zu sichern.“

Covid-19 stärkt Interesse an Gold
Im Rahmen der diesjährigen Untersuchung gaben sowohl die Zentralbanken als auch eine kleine, aber bedeutende Gruppe von Staatsfonds an, ihre Allokationen in Gold erhöht zu haben. Im Schnitt beträgt der Gold-Anteil an den Zentralbankreserven jetzt 4,8 Prozent – verglichen mit 4,2 Prozent im Jahr 2019 – wobei fast die Hälfte (48%) derjenigen, die ihre Allokationen erhöht haben, damit vor allem Anlagen in negativ verzinste Anleihen ersetzt hat. Dies wurde als Hauptgrund für die Umschichtung in Gold genannt.

Andere, normalerweise häufig genannte Beweggründe wie die Diversifikation, das Ertragspotenzial und die Inflationsabsicherung waren demgegenüber zweitrangig. Anders als viele Zentralbanken hatten die meisten Staatsfonds noch keine bestehende Gold-Allokation. Viele staatliche Investoren schätzen Goldanlagen als gute Möglichkeit zur Absicherung von Inflations- und Extremrisiken mit positiven Korrelationen zu anderen Anlageklassen in „Risk-on“-Szenarien, aber keiner oder nur einer geringen Korrelation in „Risk-off“-Szenarien.

Vier von fünf Zentralbanken, die ihre Gold-Allokationen ausbauen wollen, finanzieren diese Umschichtung mit dem Verkauf bestehender US-Dollar-Anlagen – ein deutlich höherer Anteil als für Euro und Britische Pfund-Anlagen. Das verdeutlicht ein großes Problem, vor dem die Zentralbanken stehen. Wie können sie eine bessere Diversifikation weg von US-Dollar-Anlagen erreichen, ohne Einbußen bei der Liquidität und Konvertierbarkeit hinnehmen zu müssen? Besonders auffällig war dieser Trend unter Banken aus Schwellenländern, von denen fast 90 Prozent ihre Goldreserven auf Kosten ihrer US-Dollar-Allokationen aufgestockt haben.

Staatsinvestoren, die in Gold anlegen möchten, haben mehrere Optionen. Obwohl einige weiterhin in physisches Gold investieren, werden inzwischen auch flexiblere Ansätze in Erwägung gezogen. So nutzen 40 Prozent der Staatsinvestoren Futures, was die Umfrageteilnehmer mit der Flexibilität und den potenziellen Erträgen, die sich durch geschickte Handelsaktivitäten erzielen lassen, begründen. Unterdessen investieren 40 Prozent der staatlichen Investoren, die Goldanlagen halten, über physisch besicherte Gold-ETFs. Diese Vehikel haben in den vergangenen Jahren ein bedeutendes Wachstum verzeichnet – um 80 Prozent allein im zurückliegenden Jahr.

Auch für die Zentralbanken sind ETFs eine Option. Für Banken, die sich stärker in Gold engagieren möchten, ohne ihre heimischen Positionen deutlich zu erhöhen oder das Kreditrisiko einer Bullion-Bank in Kauf zu nehmen, dürften ETFs zunehmend attraktiv sein. Darüber hinaus könnten ETFs angesichts der potenziellen politischen Herausforderungen im Goldhandel ein politisch akzeptableres Vehikel für den Handel mit dieser Anlageklasse bieten.

„Die letztjährige Studie zeigte, dass Gold zunehmend gefragt ist. Durch Covid-19 könnte der Anlageklasse jetzt eine neue Rolle in den Portfolios staatlicher Investoren zukommen. Außerdem haben wir festgestellt, dass physische Goldanlagen nicht alle Liquiditätsanforderungen erfüllen können. Daher ziehen sowohl die Notenbanken als auch Staatsfonds vermehrt mit physischem Gold besicherte ETFs in Erwägung“, ergänzte Ringrow. „Wir glauben, dass die Weiterentwicklung dieser alternativen Anlageformen in den nächsten Jahren zu einem noch größeren Interesse an Gold führen wird.“

Klimawandel als zunehmender Sorgenfaktor auf dem Radar der Investoren
Wie die Studie zeigt, sind 83 Prozent der Notenbanken und Staatsfonds überzeugt, dass sofortige Maßnahmen erforderlich sind, um den Klimawandel zu bekämpfen. Dies kommt auch in den Anlagestrategien sowie der zunehmenden Integration klimabezogener Risiken in den Investmentprozess zum Ausdruck.

Am meisten fürchten die globalen Staatsinvestoren eine Zunahme von Naturkatastrophen. In der Regel machen sich die Investoren die größten Sorgen über Risiken, die sie unmittelbar betreffen. Daher unterscheiden sich die diesbezüglichen Ansichten auch von Region zu Region. Der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft steht vor allem bei den Investoren der westlichen Industrieländer im Fokus, da viele von ihnen stark in den Bereichen Metalle und Minen, integrierte Öl- und Gaswerte und Ölexploration investiert sind. 88 Prozent der asiatischen Investoren und 75 Prozent der Investoren aus Schwellenmärkten glauben, dass sie überproportional vom Klimawandel betroffen sind.

Das ist ein deutlich höherer Anteil als unter den westlichen Investoren, von denen 33 Prozent dieser Ansicht sind. Ihre größte Sorge betrifft potenziell negative Auswirkungen des Klimawandels auf den Handel, da diese Regionen mit der hohen Exportabhängigkeit ihrer Agrarsektoren, die durch ungewöhnliche Temperaturen beeinträchtigt sein könnten, stärker auf einen robusten, offenen Handel angewiesen sind.

Hürden auf dem Weg zu einer weiteren Durchsetzung von ESG
Nach Ansicht der Befragten gibt es in Bezug auf die ESG-Integration zwar klare regulatorische Vorgaben für Unternehmen, häufig aber keine umsetzbaren aufsichtsrechtlichen Leitlinien für Investoren. Einige Zentralbanken adressieren diese Problematik bereits. Viele argumentieren aber, dass ein größeres Engagement eine Neuorganisation von Mandaten und Richtlinien zur Berücksichtigung klimabezogener Risiken erfordere, da dies mehreren Banken verfassungsrechtlich untersagt sei. Auch Staatsfonds wünschen sich klarere Vorgaben. So äußerten die Befragten die Ansicht, dass von staatlicher Seite klarere Definitionen bereitgestellt, Anwendungsmethoden skizziert und Parameter für die CO2-Emissionsziele von Portfolios festgelegt werden müssten.

„Wir freuen uns festzustellen, dass Staatsfonds und Zentralbanken bei ihren Anlageentscheidungen weiterhin Klimafaktoren berücksichtigen und Ressourcen aufbauen, um Klimarisiken zu identifizieren und zu mindern. Im nächsten Schritt bedarf es hier einer breiteren Unterstützung durch die Politik und andere Investoren. In Verbindung mit neuen, kreativen Lösungen kann dies andere Investoren dazu bringen, sich stärker mit Klimarisiken zu beschäftigen“, erklärt Ringrow abschließend. (aa)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren