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Invesco: Krise kann nur über dreigleisigen Ansatz gelöst werden

Laut Einschätzung dreier bekannter Invesco-Experten bedarf es einer dreigleisigen, politischen Strategie, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen und seine wirtschaftlichen Auswirkungen zu mindern.

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© bluedesign / stock.adobe.com

Für Kristina Hooper, Arnab Das und Paul Jackson spielen bei der Krisenbekämpfung die Gesundheits-, Geld- und Fiskalpolitik eine entscheidende Rolle. „Die staatliche Gesundheitspolitik kann helfen, die Epidemie einzudämmen, die Geldpolitik kann die Liquidität und Funktionsfähigkeit der Finanzsysteme sicherstellen und die Fiskalpolitik kann helfen, die wirtschaftlichen Schäden begrenzt zu halten“, betonen die drei Professionals in einer ausführlichen Analyse der aktuellen Krise, in der vor allem die näheren Ausführungen zur Krisenlösung von Interesse sind:

1. Gesundheitspolitik
Was die gesundheitspolitische Antwort auf diese Krise angeht, gibt gäbe es laut Hooper, Das und Jackson keine Pauschallösung. Chinas Eindämmungsmaßnahmen haben sich als extrem wirkungsvoll erwiesen, lassen sich aber kaum auf westliche Demokratien übertragen. Aber: Je mehr sich die Bürger über einen längeren Zeitraum selbst isolieren, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Regierungen die „Kurve flach halten“ können (also die Infektionsrate so stark verlangsamen, dass sie die Ressourcen der Krankenhäuser nicht überfordert). Das allerdings setzt eine effektive Unterstützung durch die Geld- und Fiskalpolitik voraus, da derartige gesundheitspolitische Maßnahmen eine rezessionäre Wirkung hätten.

2. Geldpolitik
Die Geldpolitik muss die Liquiditätsversorgung der Banken und die Funktionsfähigkeit der Märkte sicherstellen, und das möglicherweise über einen längeren Zeitraum. Entscheidend wird sein, dass die Banken neue Kredite vergeben und bestehende Hypotheken aussetzen und Kredite stunden können. Sowohl die Fed als auch die BOE hätten laut Hooper, Das und Jackson diesbezüglich richtig agiert. „Wir hoffen, dass diese Krise rasch eingedämmt werden kann, fürchten aber, dass die verzögerten und weniger umfassenden Tests im Vergleich zu Asien und die weniger effektive Durchsetzung der Ausgehsperren im Vergleich zu China eher für einen zwei Quartale als nur ein Quartal andauernden Schock sprechen und sogar ein Risiko einer noch längeren Eindämmungsphase besteht.“

Wenn der wirtschaftliche Fallout, wie von Hooper, Das und Jackson befürchtet, länger andauert, weil rezessionär wirkende gesundheitspolitische Maßnahmen erforderlich sind, um Leben zu retten, könnte die Fed auf Maßnahmen zurückgreifen, die zuletzt während der globalen Finanzkrise zum Einsatz kamen, zum Beispiel durch die Sicherstellung der Refinanzierung kurzfristiger Schuldverschreibungen von Unternehmen zur Deckung ihres Betriebsmittelbedarfs.

Allerdings betonen Hooper, Das und Jackson, dass sie es nicht für richtig hielten, wenn die Fed und die BOE jetzt auf Minuszinsen setzten — einen Ansatz, der sich bereits in der Eurozone und Japan als wirkungslos erwiesen hat und viele negative Nebenwirkungen wie die langfristige Aushöhlung des Bankensektors hat. „Wenn die Fed-Zinsen bei null liegen und sich die Anleiherenditen in den negativen Bereich bewegen sollten, hielten wir eine aggressivere Fiskalpolitik für besser als negative Fed-Zinsen - die dazu führen könnten, dass die langfristigen Renditen noch länger unter null liegen.“

Für den langfristigen Ausblick wären negative Fed-Zinsen und US-Anleiherenditen über einen längeren Zeitraum wie in Europa und Japan nach Ansicht von Hooper, Das und Jackson ein sehr beunruhigendes Signal. Negative Zinsen und Renditen würden bedeuten, dass Geld heute weniger wert ist als Geld in der Zukunft. Daher könnten dauerhaft negative Zinsen implizieren, dass die Märkte in der Zukunft mit einer kleineren Wirtschaft rechnen (durch ein negatives reales Wachstum) und/oder niedrigeren Preisen (und damit einer nominal geringeren Wirtschaftsleistung).

Derartige Markterwartungen und -bewertungen könnten zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden, wenn Menschen und Unternehmen in Erwartung niedrigerer Preise in der Zukunft Konsum- und Investitionsentscheidungen aufschieben oder komplett streichen, weil sie mit einer schrumpfenden Wirtschaft rechnen.

„Damit könnte dies der richtige Zeitpunkt für experimentellere geldpolitische Instrumente wie Helikoptergeld zur Simulation fiskalischer Konjunkturmaßnahmen sein“, empfehlen Hooper, Das und Jackson.

3. Fiskalpolitik
Die Regierungen müssen den Unternehmen und Haushalten mit ausreichenden Mitteln unter die Arme greifen, damit diese die gesundheitspolitischen Vorschriften befolgen können (im Haus bleiben, anstatt shoppen oder essen zu gehen) und die Krise wirtschaftlich überstehen können. Hooper, Das und Jackson würden es begrüßen, wenn die Regierungen Steuererleichterungen und -befreiungen sowie bessere Absicherungen für Arbeiter (wie garantiertes Krankengeld) verabschieden würden. Auch hier sind es erneut Großbritannien und die USA, die sich bereits in diese Richtung bewegen. „Unserer Ansicht nach sollten die Regierungen ihre Bereitschaft signalisieren, Bürgern und Unternehmen vorübergehend mit zinsfreien Krediten unter die Arme zu greifen. Sollte es zu einer V-förmigen Erholung kommen, könnten diese anschließend schrittweise zurückgezahlt werden; falls nicht, könnten sie einfach monetarisiert und annulliert werden.“ 

Außerdem würden Hooper, Das und Jackson eine koordinierte Geld- und Fiskalpolitik begrüßen, die darauf abzielt, die Erwartungen an die Preis- und Finanzstabilität kurzfristig zu stärken und den betroffenen Haushalten, Unternehmen, Finanzdienstleistern und Staaten Zeit zu geben (wie die globale Finanzkrise gezeigt hat, ist jede Verbindlichkeit für jemand anderen ein Vermögenswert).

Darüber hinaus sollten die Regierungen der großen  Nationen einen Plan zur Koordination mit der Weltgesundheitsorganisation, dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank ausarbeiten, falls es zu wellenartigen Virusausbrüchen kommen sollte oder sich das Virus in Ländern mit noch schwächeren staatlichen Gesundheitssystemen, vor allem Schwellenländern, ausbreiten sollte.

„Wir werden die Emerging Markets weiter genau im Auge behalten – aufgrund des Ölpreisrückgangs (Energiekonzerne aus Schwellenländern haben – genauso wie Schieferölproduzenten in den USA – in letzter Zeit viele Anleihen begeben) und weil sich das Virus in einigen Schwellenländern auszubreiten scheint und zur Belastung für ihre Gesundheitssysteme und Wirtschaft werden könnte“, erklären Hooper, Das und Jackson. (aa)

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