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Invesco: Inflation oder Deflation?

Angesichts widersprüchlicher Signale aus der Realwirtschaft analysiert Invescos Arnab Das die Treiber von Inflation oder Deflation und erklärt in Folge, wie Profianleger ihre Portfolios optimaler auf die veränderten Bedingungen einstellen könnten.

Arnab Das, Global Market Strategist, Global Thought Leadership, Invesco London
Arnab Das, Invesco
© Marlene Fröhlich für Institutional Money

Nachdem die Covid-19-Krise mit ihrer massiven Bremswirkung auf die Wirtschaft zunächst Deflationsängste geschürt hatte, haben die geld- und fiskalpolitische Liquiditätsflut sowie die nun einsetzende, durch die Impffortschritte beförderte Wiedereröffnung der Wirtschaft zuletzt zu höheren Inflationserwartungen an den Märkten geführt. Vor diesem Hintergrund fragen sich viele Investoren, wie sie ihre Portfolios für das postpandemische Wirtschaftsumfeld positionieren sollten. Eine Anwort darauf gibt Arnab Das, Global Macro Strategist, EMEA, bei Invesco. Das hat die Auswirkungen der aktuellen Pandemie und der beispiellosen fiskal- und geldpolitischen Reaktionen auf diese Krise und ihre Folgen für verschiedene Anlageklassen analysiert. Im Vordergrund stand dabei die Frage, ob sich Anleger nach mehreren Jahrzehnten niedriger Inflationsraten auf eine strukturell höhere Inflation einstellen sollten.

Risk-On-Modus sollte sich rechnen
Angesichts der Impffortschritte in Verbindung mit einer anhaltend großzügigen Unterstützung durch die Fiskal- und Geldpolitik sowie einer schrittweisen Wiedereröffnung und Erholung der Wirtschaft in allen Regionen und Sektoren spricht nach Ansicht des Invesco-Experten viel für eine fortgesetzte Rotation in Aktien, Unternehmenskredite und Länder, die am stärksten von der Pandemie und den Lockdowns betroffen gewesen sind und in der Frühphase des Wirtschaftsaufschwungs – der Reflationsphase – am stärksten profitieren sollten.

Gegenläufige Kräfte
Wie Das erläutert, wird die aktuelle Situation durch zwei gegenläufige Kräfte bestimmt: die deflationäre Wirkung einer klassischen Pandemie und die inflationäre Wirkung einer mit Kriegszeiten vergleichbaren Mobilisierung. „Wir haben es aktuell mit einer für Friedenszeiten beispiellosen fiskal- und geldpolitischen Unterstützung zu tun, die aber nicht an das in Kriegszeiten gesehene Niveau heranreicht. Gleichzeitig ist der wirtschaftliche Abschwung aufgrund umfangreicherer, strengerer Lockdowns weitaus heftiger ausgefallen als in früheren Pandemien“, stellt er fest. Daher könne es mit dem Wiederhochfahren der Wirtschaft, wenn die lockdownbedingt gedämpfte Nachfrage mit dem durch die Impffortschritte und die expansive Geld- und Fiskalpolitik befeuerten Aufschwung zusammenfällt, eher zu einer Reflation als zu einer Deflation oder hohen Inflation kommen.

Durch die lockere Geldpolitik und die staatlichen Transferleistungen und Garantien, die einen vollständigen Einbruch der Wirtschaft, der Finanzmärkte, der Beschäftigung und der Unternehmensaktivitäten verhindert haben, würde eine Deflation vermieden. Angesichts der aufgestauten Nachfrage und enormen geld- und fiskalpolitischen Unterstützung erscheine das Inflationsrisiko sehr viel größer.

Eine Ausbreitung neuer, potenziell resistenter Virusmutationen könne aber verhindern, dass die Wirtschaft richtig durchstartet. So könne es weiter zu regionalen Lockdowns oder einer verzögerten Wiedereröffnung der Wirtschaft kommen, vor allem in besonders betroffenen Bereichen wie dem Tourismus, dem Gastgewerbe, der Freizeitbranche oder Geschäftsreisen. Vor diesem Hintergrund hält Arnab Das eine Reflation bei einem vielleicht etwa gleich hohen Inflations- und Deflationsrisiko für das wahrscheinlichste Szenario.

„Im Hinblick auf die Geldpolitik bedeutet das, dass diese, wie von den Zentralbanken signalisiert, tatsächlich für einen längeren Zeitraum sehr akkommodierend bleiben dürfte, selbst wenn es im Zuge einer kräftigen wirtschaftlichen Erholung zu einem gewissen Anstieg der Inflation oder einem noch engeren Arbeitsmarkt kommen sollte“, so Das.

Die Erfahrung der Vergangenheit zeige, dass deflationäre oder inflationäre Schocks durch die richtige politische Reaktion bewältigt werden könnten. So könnten die makroökonomische Volatilität verringert und ein stabileres Entscheidungsumfeld für Unternehmen und private Haushalte geschaffen werden, womit sich auch die finanziellen Rahmenbedingungen für Investitionen in Risikoanlagen verbesserten.

Höhere Renditen, höhere Aktienkurse
Aus Anlegersicht rechnet der Invesco-Experte angesichts des verringerten Deflationsrisikos und der Aussicht auf eine geld- und fiskalpolitisch beförderte höhere Inflation mit einem moderaten Anstieg der Anleiherenditen und einer anhaltenden Outperformance von Aktien und anderen risikoreicheren Anlagen oder Regionen, in denen sich die wirtschaftliche Lage wieder zu normalisieren beginnt. Dagegen erwartet er eine schwächere Performance von Technologie- und Wachstumswerten sowie China und den USA, die von den niedrigen Renditen und Lockdowns profitiert hätten.

Anleihen und Gold reduzieren
Nach Das‘ Ansicht spricht dieses Umfeld auch für eine Neuausrichtung der Portfolioversicherung von einer Deflationsabsicherung mit Gold und vermeintlich sicheren Anlagen wie langlaufenden Staatsanleihen hin zu einer Inflationsabsicherung durch ertragsorientierte Anlagewerte und Anlagen mit kürzerer Laufzeit.

Dem Global Market Strategist von Invesco zufolge könnte sich eine derartige Aufstellung auszahlen, wenn das Wachstum wieder Fahrt aufnimmt und es mit der Erholung der Wirtschaft zu einem nennenswerten, aber nicht übermäßigen Anstieg der Inflation und steigenden Anleiherenditen kommt. (aa)

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