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INSURANCE DAY 2014 (Überblick + Fotogalerie) im Zeichen des sich immer weiter konkretisierenden Solvency II

Die Vorträge stehen zum Download hier bereit, zur Fotogalerie geht es hier. Die Zusammenfassung der einzelnen Referate finden sich in weiteren Berichten zum 5. INSURANCE DAY. INSURANCE DAY 2014 (Überblick + Fotogalerie) im Zeichen des sich immer weiter konkretisierenden Solvency II

Am 9. September 2014 war es bereits zum fünften Mal so weit: Vertreter von Versicherungsgesellschaften aus Deutschland und Österreich fanden sich auf Einladung des Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO) und INSTITUTIONAL MONEY zu einem sechsteiligen Vortragsreigen in den ehemaligen Wiener Börsensälen ein. Das Programm umfasste Referate zu den Herausforderungen des Solvency II-Regelwerks, dessen nationale Umsetzungen respektive Durchführungsbestimmungen sowie zur  strategischen Asset Allokation, die angesichts eines lang andauernden Niedrigzinsumfelds besonders für Lebensversicherer eine große Herausforderung darstellt.
 
Die Vorträge stehen hier zum Download bereit, zur Fotogalerie geht es hier. Die Zusammenfassung der einzelnen Referate finden sich in weiteren Berichten zum 5. INSURANCE DAY.
 
Gewohnt souverän wie bereits in den vergangenen Jahren führte Mag. Rudolf Diewald (Bild links), Leiter Wirtschaft und Finanzen des VVO, dieses Mal gemeinsam mit der Relationship Managerin Mag. Ingrid Punz (Bild rechts) von Institutional Money durch das Programm. Diewald fasste die Herausforderungen, denen sich die Assekuranz in Österreich gegenübersieht, zusammen. Da seien einmal die hohen, mit der Einführung von Solvency II verbundenen Kosten, die es zu stellen gelte, dann stagniere das Wirtschaftswachstum mittlerweile, was folglich zu stagnierenden Prämieneinnahmen der Branche führen werde, sowie das peinigende Niedrigzinsumfeld, das eine Langzeitherausforderung darstelle.
 
Neben Finanzvorständen, Asset-, Risiko- sowie Compliance Managern aus deutschen und österreichischen Versicherern waren dieses Jahr bereits zum vierten Mal Vertreter der Asset Management-Industrie zugelassen, die die Möglichkeit nutzten, ein vertieftes Verständnis für die Assekuranz und ihre spezifischen Anlagebedürfnisse zu entwickeln und Kontakte zu pflegen.
 
Der Eröffnungsvortrag gehörte traditionell auch dieses Jahr wieder Mag. Oskar Ulreich (Bild links), FMA Abteilungsleiter, FMA - Versicherungsaufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionskassen, der zum Thema "Die österreichische Versicherungswirtschaft im Vorfeld von Solvency II" sprach. Dabei ging er auf die mit 01.07.2014 in Kraft getretene VAG-Novelle ein, die die rechtliche Basis der Umsetzung der EIOPA-Guidelines darstellt. Das VAG neu zur Umsetzung der Rahmenrichtlinie soll bis 31.03.2015 auf Schiene gebracht werden - es befindet sich derzeit im Begutachtungsverfahren - und ab Jahresanfang 2016 gelten. Zum neuen Gesetz sind insgesamt 37 Verordnungen zu erlassen. Einstellen muss man sich zudem auf die EU-Durchführungsverordnung Level 2 ("technische Umsetzung") und die EIOPA-Leitlinien ab 01.10.2016. Letztere - zirka 70 an der Zahl - stellen einen Art "Arbeitsauftrag" für die nationalen Aufsichten wie die österreichische FMA dar.
 
Auf die Systemrelevanz der Versicherer angesprochen, meinte Ulreich, diese seien nicht mit Banken zu vergleichen, so sie denn nur bei ihrem eigentlichen Geschäft blieben. Zudem wies der Aufseher auf mögliche Besserstellungen im Hinblick auf die SCR-Unterlegungspflicht bei ELTIFs (European Long-Term Investment Funds), Social Entrepreneurship Funds und Venture Capital Funds hin, wo 39 statt 49 Prozent SCR-Anforderung und damit also eine Zuordnung zu "Equity Type 1" statt "Type 2" greifen soll. EIOPA halte hier aber dagegen.

Olaf_RiemerDas zweite Referat des Tages bestritt Olaf Riemer (Bild links), Director Institutional & Wholesale Business der HSBC Global Asset Management. Er referierte zum Thema "Sind volatilitäts- und risikokontrollierte Aktienstrategien nur unter Solvency II sinnvoll?" und stellte acht unterschiedliche innovative Aktienanlagekonzepte vor, worunter sich beispielsweise solche mit verringerten Risikobudgets, fixierten Zielvolatilitäten mit und ohne Leverage befanden. Dabei strich Riemer hervor, dass man bei HSBC Global AM mit antizipierten Volatilitäten als Output eines GARCH-Modells arbeite. Es gelte, aktienmarktähnliche Erträge mit geringeren Volatilitäten, Drawdowns sowie Value-at-Risk-Werten zu erwirtschaften. Beim "Low Vol"-Ansatz seines Hauses sei hervorzuheben, dass man sich in zwei Punkten vom Wettbewerb unterscheide. Zum einen setze man nicht nur schwankungsarme Werte, was letztlich zu Branchen- und Einzeltitelkonzentration sowie Zinssensitivität führe, sondern mische in der Portfoliokonstruktion zu Diversifikationszwecken auch volatilere, aber weniger korrelierende Aktien bei. Zum anderen sorge fundamentales Research mit integrierter ESG-Analyse zur Bestätigung des Profitabilitäts- und Volatilitätsausblicks dafür, Extremrisiken und damit Tail-Risks möglichst zu vermeiden. Details über den Vortrag finden sich hier.

Rolf_SchaefferFabian_SteilDas dritte Referat anlässlich des 5. INSURANCE DAYs hielten Rolf Schäffer, Leiter LBBW Credit-Strategie, und Dr. Fabian Steil, Leiter LBBW Solutions Institutionelle Kunden in einer Art Doppelconférence. Sie verwiesen auf die Konsequenzen der fortschreitenden Disintermediation der Banken, die angesichts der Regulierung ihre Bilanzsumme weiter reduzierten. Im Vorfeld des Asset Quality Reviews (AQR) der EZB agierten viele Banken besonders vorsichtig, sodass die Rolle der Versicherer in Europa, deren Kapitalanlagen 60 Prozent des europäischen BIP ausmachen, als Financier der Wirtschaft wohl wachsen werde. Ganz friktionsfrei laufe diese teilweise Substitution aber nicht, da es Zielkonflikte der unterschiedlichen Aufsichten im Finanzsektor gebe. Als Beispiel führten die beiden LBBW-Experten die CoCos (Contingent Convertibles) der Banken an, die ein wenig der Quadratur des Kreises gleiche. Während die Bankenaufsicht CoCo-Emissionen der Banken zur Stärkung der Tier-1-Ratios befürworte, warnt man gleichzeitig die Investoren, Vorsicht beim Kauf der Banken-CoCos walten zu lassen. In Deutschland etwa stuft die die BaFin bislang CoCos als nicht für das gebundene Vermögen der Versicherer geeignete Anlagen ein.

Zudem boten Schäffer und Steil der Branche Hilfestellung bei der Überprüfung externer Ratings an, die Solvency II ja vorschreibt. Die LBBW screent regelmäßig 500 Namen durch ein dreißigköpfige Credit-Analysten-Team auf einen Zeithorizont von 1 bis 10 Jahren und bietet verschiede Dienstleistungen in diesem Zusammenhang an. Eine ausführliche Zusammenfassung des LBBW-Vortrages finden sie hier.

Axel_AngermannDen vierten Vortrag bestritt Axel D. Angermann (Bild links), Geschäftsleitungsmitglied und Leiter Economics bei Feri Eurorating Services. Staatsanleihen seien keine risikolose Anlage, wenn man die gemachten Lehren der letzten Jahre berücksichtige, meinte der Experte. Seiner Ansicht nach könnten Investoren die wahren Risiken von Staatsanleihen nur eingeschränkt aus den Marktpreisen wie auch den Ratings der großen drei Ratingagenturen entnehmen. Mit Blick auf die historisch sehr niedrigen Spreads von Spanien, Italien und anderen Ländern warnte Angermann, dass die niedrigen Renditen nicht risikokonform seien. Zur Vermeidung von Verlusten sollten daher institutionelle Investoren nicht nur auf die Ratings der drei großen Ratinggesellschaften, sondern auch auf die von Feri Eurorating Services veröffentlichten Bonitätseinschätzungen setzen. Die deutschen Ratings waren in der Vergangenheit strenger jene der „Big Three“, frühzeitige Downgrades seitens Feri Eurorating Services der PIIGS-Staaten ließen Investoren ausreichend Zeit, ihre entsprechenden Rentenbestände zu reduzieren. Eine ausführlichere Berichterstattung über diesen Vortrag finden Sie hier.

Fred_WagnerDer fünfte Vortrag war jener von Professor Dr. Fred Wagner (Bild links), Direktor des Instituts für Versicherungslehre an der Universität Leipzig. Sein Thema lautete "Kapitalanlagen im Spannungsfeld von wertorientierter Steuerung und Solvency II". Er erinnerte daran, dass es nicht Aufgabe der Versichere sei, möglichst hohe Anlagerenditen quasi als Selbstzweck zu erzielen, sondern vielmehr die zur Bedienung der Verpflichtungen nötige Rendite regelmäßig sicherzustellen. Er bemängelte die geringe Aktienallokation der Versicherer, die durch eine prohibitiv hohe Eigenmittelunterlegung im neuen Solvency-Regime alles andere als gefördert werde. Dabei wäre ja die Förderung der heimischen Wirtschaft eine wichtige Aufgabe für die Assekuranzen, gerade angesichts des großen Anteils ausländischer Eigentümer am deutschen und österreichischen Produktivkapital, das in börsennotierten Aktiengesellschaften steckt. Lebensversicherer hätten im Schnitt drei Prozent Aktien in ihrer Allokation, was dramatisch wenig sei. Zu den alten quantitativen Grenzen der Kapitalanlageverordnung, die dem Prudent Person-Prinzip unter Solvency II 2016 weichen wird, merkte der Professor an, dass diese Schieflagen der Versicherer bis dato verhindert hatten.

Wahl zwischen Teufel und Belzebub

Zins- und Spread-Risiken seien die wirklich entscheidenden bei der Anlage. Was den Duration-Mismatch zwischen Aktiv- und Passivseite anbelange, so Wagner, hätten die Versicherer nur die Wahl zwischen Teufel und Belzebub: Gingen sie länger, steige das Spreadrisiko, für das mehr SCR-Kapital bereitgestellt werden müsse. Oder man müsste in langlaufende Staatsanleihen ohne SCR-Unterlegung investieren, was zwar staatlicherseits gewünscht, ökonomisch aber fragwürdig sei. Das Duration Gap führe zudem dazu, dass bei Zinsrückgängen die Aktivseite schwächer als die Passivseite zulege, wodurch das Eigenkapital gefährdet werde. Matcht man die Duration, sitzt man in der Zinsfalle, falls die Zinsen stark steigen, was negative Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit hat. Kritik sei auch an der Zinsstrukturkurve angebracht, da es am ganz langen Ende keine hinreichend validen Marktdaten mehr gebe, hier handelt es sich um ein Konstrukt. Auch die Angemessenheit der Stressfaktoren zog der Professor in Zweifel - man denke nur an den britischen Markt für Gewerbeimmobilien, der Basis der 25-prozentigen SCR-Unterlegung für Immobilien bei EIOPA ist, an dem die Versicherer aus Deutschland und Österreich Markt gar nicht engagiert sind. Das Stressen der Zinskurve führe zu hohen Schwankungen des SCR, was Auswirkungen auf doe Produktpolitik der Lebensversicherer habe, die nun an Teilgarantien, "bedingte Garantien" (sic!) und ähnlich Kurioses dächten. Man müsse sich wirklich fragen, so Wagner abschließend, ob eine aufsichtsinduzierte Verschiebung der Produktpalette sachgerecht und zielführend sei.

Patrick_LiedtkeDas viel beachtete Schlussreferat gehörte Patrick Liedtke (Bild links), Managing Director und Leiter Versicherungs-Assetmanagement EMEA bei BlackRock, der zu "Illiquide Investments unter Solvency II" sprach. Dabei zeigte er Möglichkeiten auf, wie man als Versicherer der Niedrigzinsfalle entkommen kann, etwa indem man verschiedene Illiquiditätsprämien vereinnahmt und die mit illiquiden Assetklassen oftmals verbundenen Diversifikationseffekte nutzt, um trotz hoher Solvenzkapital-Anforderungen der nicht-traditionellen Assetklassen durch Private Equity-, Infrastrukturanleihen-, Immobilienkredite- und Hedgefonds-Beimischungen noch auskömmliche Renditen zu erzielen. Als Versicherer müsse man dazu übergehen, aus seinen Zahlungsströmen jene herauszulösen, für die man keine Liquidität benötigt, um mit diesen dann verschiedene Illiquiditätsprämien abzugreifen, die es früher vor der Finanzkrise in dieser Form respektive Höhe nicht gab. Hier könne man heute Zusatzerträge generieren, die einen Ausweg aus der Zinsfalle darstellten. Die Entwicklung dieser Illiquiditätsprämien gelte es zu beobachten, denn diese veränderten sich über die Zeit in den einzelnen Assetklassen. Es gebe eben auch eine Volatilität der Liquidität, so Liedtke. Die ausführliche Zusammenfassung seines Referats finden Sie hier.(kb)

 

 

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