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Institutionelle Investoren setzen mehrheitlich auf Artikel-8-Fonds

Bei der Umsetzung der EU-Offenlegungsverordnung sehen sich rund zwei Drittel der Befragten auf einem ähnlichen Stand wie ihre Wettbewerber, 14 Prozent kommen nach eigener Einschätzung schneller an als andere, und 19 Prozent gaben an, dass sich dies aufwendiger gestalte als erwartet.

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Dr. Sven Helmer, Managing Director von Lagrange
© Lagrange Financial Advisory GmbH

Deutsche institutionelle Investoren tendieren mehrheitlich weiterhin zu einer Ausweitung ihrer Immobilieninvestments beziehungsweise ihres Engagements in Immobilien-Spezial-AIF. Im Rahmen der dritten Befragung zum Lagrange Fondsmonitor der Lagrange Financial Advisory GmbH für das zweite Halbjahr 2021 ergab sich bezüglich der Immobilienquote insgesamt ein Indexstand von 7,41 Punkten (zuletzt Juni 2021: 7,00 Punkte). Ein Stand von 1 entspräche dabei einer starken Reduzierung, ein Stand von 11 einer starken Erhöhung des Immobilienanteils unter den Spezialfonds-Anlagen.

Fast drei Viertel wollen Immobilien-Spezial-AIF-Allokation ausbauen
Bezogen auf den Anteil von Immobilien-Spezial-AIF an den insgesamt gehaltenen Spezial-AIF-Anlagen ergab sich der bislang höchste Indexstand von 7,59 Punkten (Juni 2021: 7,33 Punkte). Dabei gab kein einziger Umfrageteilnehmer an, eine Reduzierung anzustreben. 27 Prozent wollen ihren Anteil der Immobilien-Spezial-AIF konstant halten; alle anderen planen dessen Erhöhung.

Core- und Core-plus-Anlagen dominieren
Bezüglich der Risikokategorien dominieren weiterhin Core- und Core-plus-Anlagen, auf welche zusammengefasst 74 Prozent aller Nennungen entfielen (Juni 2021: 72 Prozent). Core-plus-Anlagen wurden dabei von 39 Prozent der Befragten genannt, Core-Anlagen dagegen von 35 Prozent der Befragten. Investments der Kategorie Value add wurde von 18 Prozent der Befragten genannt und verloren damit weiter an Bedeutung, während opportunistische Investments unverändert nur für acht Prozent der teilnehmenden Investoren infrage kommen.

Wohn-, Logistik- und Einzelhandelsimmobilien gesuchter als Büros 
Mit Blick auf die verschiedenen Immobilien-Nutzungsarten erfreuen sich Wohnimmobilien erneut der größten Beliebtheit, wenngleich diese im Vorjahresvergleich etwas nachgelassen hat. Sie kommen dennoch für rund 16 Prozent der teilnehmenden Investoren infrage, dicht gefolgt von Logistik-Immobilien, die weiterhin unverändert bei 15 Prozent liegen. Deutlich an Attraktivität gewonnen haben Einzelhandelsimmobilien mit einem mindestens 70-prozentigen Lebensmittel-Anteil, die inzwischen für zwölf Prozent der Befragten infrage kommen. An vierter Stelle folgen Büros mit unverändert elf Prozent.

Zielregionen für Immobilieninvestments breiter gestreut
Bei den Zielregionen für Investments von Immobilien-Spezial-AIF zeichnet sich ein wachsendes Interesse an ausgewählten Auslandsmärkten ab. Deutschland liegt zwar weiterhin unangefochten an der Spitze, wurde aber nur noch von 16 Prozent der Befragten genannt, was dem bislang niedrigsten Wert im Lagrange-Fondsmonitor entspricht. Demgegenüber sind die BeNeLux-Länder (elf Prozent) sowie Österreich (zehn Prozent) und Frankreich (neun Prozent) bereits zum zweiten Mal in Folge häufiger genannt worden als zuvor, sodass hier ein kontinuierlich wachsendes Interesse anzunehmen ist. Großbritannien, Mittel- und Osteuropa sowie die USA wurden jeweils nur von drei Prozent der Befragten genannt und spielen somit aktuell nur eine Nebenrolle.

Hohe Preise und niedrige Startrenditen als Challenge
Als größte Herausforderung im Zusammenhang mit Investitionen in Immobilien-Spezial-AIF betrachten die Befragten zurzeit die hohen Immobilienpreise beziehungsweise die geringen Anfangsrenditen. Sie wurden von 71 Prozent der Befragten genannt und somit deutlich häufiger als noch vor einem halben Jahr (42 Prozent). Jeweils 14 Prozent der Befragten sehen im Risiko von Preis- und Mietrückgängen beziehungsweise im geringen Angebot an geeigneten Investmentobjekten die größte Herausforderung, während kein Befragter mehr die Finanzierung von Immobilienkäufen nannte.

Inflationseinschätzung
Auf die aktuellen Fragen zur Inflationsentwicklung gaben 53 Prozent der Befragten an, sie rechneten in den kommenden zwölf Monaten mit einer annähernd gleichen Inflationsrate, 33 Prozent gehen von einem Rückgang der Inflationsrate aus, und 14 Prozent rechnen mit einer weiteren Zunahme der Inflation. Auf Sicht von drei Jahren gehen jeweils 45 % der Befragten davon aus, dass sich die Inflationsrate in einer Größenordnung von 2,0 Prozent einpendeln beziehungsweise im Schnitt bei 2,5 bis 3,0 Prozent liegen wird. Zehn Prozent der Befragten rechnen künftig mit Inflationsraten von deutlich mehr als 3,0 Prozent.

EU-Offenlegungsverordnung: Artikel-8 favorisiert
Bei der Umsetzung der EU-Offenlegungsverordnung sehen sich rund zwei Drittel (67 Prozent) der Befragten auf einem ähnlichen Stand wie ihre Wettbewerber, 14 Prozent kommen nach eigener Einschätzung schneller an als andere, und 19 Prozent gaben an, dass sich dies aufwändiger gestalte als erwartet. Bei neuen Investitionen legt eine überraschend deutliche Mehrheit von 60 Prozent Wert darauf, dass sie die Kriterien nach Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung erfüllen. Zehn Prozent erwarten, dass Neuanlagen die Kriterien gemäß Artikel 9 erfüllen, während 30 Prozent auch Artikel-6-Investments als ausreichend erachten.

Trends nach drei Befragungen manifestieren sich 
„Nach nunmehr drei Befragungen im Rahmen unseres Fondsmonitors kristallisieren sich erste Trends heraus. Zum einen beobachten wir ein stetig zunehmendes Interesse an Immobilien-Spezial-AIF insgesamt. Zum anderen können wir sehen, dass sich kaum dämpfende Effekte der Corona-Pandemie auf die indirekte Immobilienanlage mittels Immobilien-Spezial-AIF feststellen lassen und dass die Befragten die aktuelle Marktsituation und die Perspektiven zuversichtlich beurteilen“, sagt Dr. Sven Helmer, Managing Director von Lagrange. „Darüber hinaus wird inzwischen eine Entwicklung der Präferenzen bezüglich der infrage kommenden Immobilien-Assetklassen und Zielmärkte sichtbar. Neben den beiden Favoriten Wohnen und Logistik ist vor allem interessant, dass der lebensmittelgeankerte Einzelhandel angesichts seiner systemrelevanten Rolle in der Pandemie zuletzt deutlich an Attraktivität gewonnen hat und dass es für Büroinvestments ungeachtet der Lockdowns und der teilweisen Arbeit im Homeoffice weiterhin eine robuste Nachfrage gibt.“

Problemlose Finanzierung
Monika Bednarz, Director von Lagrange, ergänzt: „Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass die Finanzierung von Immobilieninvestments institutionellen Investoren offenbar keinerlei Probleme bereitet und das Risiko von Preis- und Mietrückgängen zuletzt deutlich geringer eingeschätzt wurde, während die Renditekompression als größte Herausforderung angesehen wird. Das geringe Objektangebot ist zwar für einige noch ein Thema, scheint aber zumindest für Investoren mit guten Marktzugang lösbar zu sein. Bezüglich der Inflationsentwicklung sind die Erwartungen mehrheitlich moderat, und im Hinblick auf das Thema ESG fällt auf, dass bereits 70 Prozent der Investoren bei Neuanlagen verlangen, dass diese mindestens die Anforderungen gemäß Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung erfüllen.“ (kb)

 

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