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Innovationstreiber Start-Up: Wie der Staat Gründungen begünstigen kann

Gorillas galt als wertvolles deutsches Start-Up. Mittlerweile ist die finanzielle Lage dramatisch. Sollte der Staat junge Unternehmen mit innovativen Geschäftsideen aktiv fördern? Ja, sagt Dr. Ernst Konrad, Lead Portfoliomanager bei Eyb & Wallwitz, und erläutert, was dabei beachtet werden sollte.

Dr. Ernst Konrad, Lead-Portfoliomanager bei Eyb & Wallwitz
Dr. Ernst Konrad, Lead Portfoliomanager bei Eyb & Wallwitz
© Eyb & Wallwitz

Es war ein rasanter Aufstieg: Gegründet während der Corona-Pandemie 2020, vermeldete der Lebensmittel-Lieferdienst Gorillas im Herbst 2021, in einer weiteren Finanzierungsrunde fast eine Milliarde US-Dollar eingeworben zu haben. Ein Problem bereits damals: das Unternehmen erwirtschaftete hohe Defizite. Trotz eingeleiteter Sparmaßnahmen und Stellenabbau macht der Lieferdienst bis heute Monat für Monat Verluste. Die Entwicklungen bei Gorillas mögen in der Höhe außergewöhnlich sein – untypisch sind sie für junge Unternehmen nicht. „Zu den größten Herausforderungen für jeden Gründer zählt zunächst einmal das Eigenkapital. Wer darüber nicht in ausreichendem Maße verfügt, ist zwangsläufig auf Fremdkapital in Form von Krediten angewiesen”, sagt Dr. Ernst Konrad, Lead Portfoliomanager bei Eyb & Wallwitz. 

Die Politik hat die Bedeutung von Start-Ups erkannt
Die politischen Verantwortlichen in Deutschland haben dies realisiert und im Jahr 2021 einen „Beteiligungsfonds für Zukunftstechnologien”, kurz „Zukunftsfonds”, aufgelegt. Sein Ziel: Mit einem quantitativen und qualitativen Ausbau der Förderarchitektur des Bundes insbesondere die Finanzierungsmöglichkeiten in der kapitalintensiven Wachstumsphase von Start-Ups zu stärken. Für den „Zukunftsfonds” hat der Bundestag Mittel in Höhe von zehn Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 bewilligt. Dr. Konrad begrüßt die Initiative und verweist auf die Bedeutung von Neuerungen für die Volkswirtschaft, die bereits der österreichische Nationalökonom Joseph Schumpeter beschrieben hat. „Das Auftreten neuer Unternehmen ermöglicht Innovationen und damit auch mehr Wirtschaftswachstum. Nur wenn eine Industrie offen für Neuerungen ist, kann sie nach Schumpeters Verständnis funktionsfähig bleiben”, betont Konrad. Das bedeute auch, dass oftmals die bisherige Marktstruktur aufgebrochen wird. Ein gutes Beispiel für eine disruptive Innovation sei die Erfindung und Verbreitung der Digitalfotografie Ende der 1990er Jahre: Während sich Canon erfolgreich dem neuen Trend stellte, wurden die alteingesessenen Unternehmen Kodak und Agfa aus dem Markt verdrängt. 

Was man vom Beispiel Airbus lernen kann
Wenn die politischen Akteure Start-Ups bei ihrer Entstehung stärker finanziell unter die Arme greifen wollen, dann sollte dies zielgerichtet erfolgen, schränkt Konrad ein. Wie könnte dies in der Praxis aussehen? Eine geeignete Herangehensweise im Sinne Schumpeters wäre, zunächst Schlüsselindustrien zu definieren. Ein Vorbild aus der Vergangenheit sei der heutige Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus, dessen Aufstieg zum Global Player maßgeblich durch fördernde Industriepolitik vorangetrieben wurde. Wo könnten die strategisch relevanten Bereiche des 21. Jahrhunderts liegen? Konrad nennt hier die Arznei- und Pharmabranche oder die Produktion von Computerchips. Anders als Gorillas besäßen diese Wirtschaftszweige eine Multiplikator-Wirkung für die gesamte Volkswirtschaft und würden damit einen hohen Nutzen für möglichst viele stiften. Die Corona-Pandemie und die jüngsten geopolitischen Entwicklungen haben gezeigt, dass eine von der Globalisierung geprägte Wirtschaft wie die deutsche sich in Schlüsselbranchen nicht zu abhängig von anderen machen sollte. Mit der gezielten Förderung von neuen Unternehmen aus solch strategischen Bereichen kann die Versorgung mit wichtigen Gütern sichergestellt und die Eigenständigkeit erhöht werden. 

Das Gründungsklima muss stimmen
Viel entscheidender sei es für Schumpeter jedoch, die Rahmenbedingungen so auszugestalten, dass sie das Gründen begünstigen, unterstreicht Konrad. Dazu zähle zum einen die Regulierung. Immer wieder liest man, dass Deutschland in vielen Bereichen „überreguliert” sei. Klar ist, dass eine überbordende Regulierung und eine ausufernde Bürokratie auf Gründer nicht stimulierend wirken. Kritisch hinterfragt werden sollte zudem, ob die Regeln der „alten realen Welt” einfach eins zu eins auf eine neue digitale Welt, in der sich Start-Ups bewegen, übertragen werden kann. Der andere wesentliche Punkt eines positiven Gründungsklimas im Sinne Schumpeters sei ein guter Zugang zu Finanzierungsquellen.

Guter Zugang zu Finanzierungsquellen ist essentiell
Hier sieht Konrad noch Verbesserungspotential und verweist auf die Vereinigten Staaten. „Wenn in den USA Unternehmen an die Börse gehen, haben sie meist keine Schulden, aber bereits ausreichend Eigenkapital aus vorherigen Finanzierungsrunden. Bei deutschen Unternehmen dagegen finden sich zum Zeitpunkt des Börsengangs in der Regel Verbindlichkeiten gegenüber Banken in den Büchern, die dann mit den Börsenerlösen getilgt werden.” Das verdeutliche, dass Gründer in Amerika viel häufiger auf Eigenmittel zurückgreifen könnten. Deutsche Entrepreneure dagegen seien auf Finanzierungen von Banken angewiesen. Doch vergeben Banken ihre Kredite nur gegen die Vorlage von Sicherheiten – diese könnten aber Gründer in spe in vielen Fällen nicht erbringen. Somit droht die Gründung bereits daran zu scheitern. Die Politik müsse daher den Zugang zu Eigenkapital erleichtern. Ein anderer Ansatz sei die Einrichtung eines Staatsfonds für Venture-Capital-Finanzierungen. Wie bei der klassischen Wagniskapital-Finanzierung würde dieser staatliche Fonds als Investor auftreten und im Gegenzug Anteile am Start-Up erhalten. Mit der Veräußerung der Anteile würde ihm dann seine Rendite zufließen. Eine Win-win-Situation für alle, zeigt sich Dr. Konrad überzeugt. (kb)

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