Infrastrukturunternehmen muss umschulden
Das Unternehmen Deutsche Glasfaser schuldet um und schließt einen Deal mit 1,2 Milliarden Euro an frischem Kapital ab. Das hat Signalwirkung für diese derzeit relativ schwierige Branche.

Eckpunkte:
- Die Deutsche Glasfaser Holding GmbH kann ihre Geschäfte weiterführen
- Eigentümer und Gläubiger schießen zusammen gut 1,2 Milliarden Euro an frischem Kapital ein
Die Deutsche Glasfaser Holding GmbH hat sich mit ihren Kreditgebern auf eine Umschuldung geeinigt. Das Unternehmen kämpft mit hohen Baukosten für sein Glasfasernetz und einer langsamen Kundennachfrage. Darüber informiert Bloomberg News.
Eigentümer und Gläubiger schießen zusammen gut 1,2 Milliarden Euro an frischem Kapital ein bei dem Deal, der bis Ende Juni abgeschlossen sein soll, wie die Firma am Donnerstag mitteilte, ohne Einzelheiten zu nennen.
Private Equity-Gesellschaften stecken neue Gelder in die Firma
Finanzkreisen zufolge stellen die Private-Equity-Eigentümer EQT und OMERS 845 Millionen Euro an frischem Vorzugskapital bereit. Die Kreditgeber steuern zusätzlich 400 Millionen Euro an neuem, vorrangig besichertem Fremdkapital bei, wie Bloomberg von darüber informierten Personen erfuhr.
Holding übernimmt Teil der Schulden
Im Rahmen des Plans verbleiben rund 5,4 Milliarden Euro der bestehenden Schulden von insgesamt 7,1 Milliarden Euro bei der operativen Gesellschaft. Weitere 1,7 Milliarden Euro werden auf die Holding-Ebene verlagert, wobei die Zinsen erst bei Fälligkeit gezahlt werden, so die Personen.
Das Vorzugskapital erhält den Angaben zufolge denselben Rang wie die Schulden auf Holding-Ebene. Die Verlagerung von Verbindlichkeiten auf die Holding werde bei Restrukturierungen genutzt, um Abschläge zu vermeiden. Stattdessen werden Forderungen nachrangig gestellt, während Gläubiger die Chance behalten, bei guter Geschäftsentwicklung vollständig bedient zu werden.
Zustimmung
Eine ausreichende Zahl von Kreditgebern hat signalisiert, dem Deal zuzustimmen. Für das Inkrafttreten sei im Rahmen eines geplanten britischen Scheme of Arrangement eine Mehrheit von 75 Prozent erforderlich, hieß es von darüber informierten Personen. Damit sei der Geschäftsplan des Unternehmens nun vollständig finanziert, bis positive Cashflows erzielt werden.
Lange Verhandlungen
Die Deutsche Glasfaser verhandelt seit dem vergangenen Jahr mit Gläubigern über eine Neuordnung der Schulden und die Aufnahme frischen Kapitals zur Finanzierung des Ausbaus. Die Gespräche gerieten jedoch ins Stocken, da die Bau- und Finanzierungskosten im Glasfasersektor gestiegen sind.
Das Unternehmen arbeitet mit rund 50 Kreditgebern zusammen, darunter der Europäischen Investitionsbank.
Schwieriges Marktsegment
Die Deutsche Glasfaser gilt als wichtiger Indikator für den deutschen Glasfasersektor. Viele alternative Netzbetreiber stehen unter Druck durch höhere Zinsen und Baukosten, eine langsamer als erwartete Kundennachfrage sowie intensiven Wettbewerb. Das Unternehmen hat bereits genug Leitungen verlegt, um potenziell 2,6 Millionen Haushalte anzuschließen - und plant einen Ausbau auf 3,2 Millionen. Bisher haben sich etwa eine Million Kunden für die Dienste angemeldet.
Ein Vorschlag aus dem vergangenen Jahr, der eine Eigenkapitalzufuhr von 1,1 Milliarden Euro durch die Anteilseigner sowie 600 Millionen Euro an neuem vorrangigem Fremdkapital durch Kreditgeber vorsah, scheiterte an fehlender Zustimmung der Gläubiger. (aa)

