Infrastrukturaktien: Europäische Versorger als strukturelle Gewinner
Europäische Versorger zählen seit Jahresanfang zu den stärksten Segmenten im Infrastruktursektor und übertreffen mit über 13 Prozent Performance im 1. Quartal den breiten europäischen Aktienmarkt deutlich.

Eckpunkte:
- MSCI Europe Utilities Index glänzt mit Performance im ersten Quartal 2026
- Massive Ausbau der Stromnetze in Europa unterstützt
- Europäische Versorger bringen Stabilität ins Portfolio
"Treiber für die gute Performance europäischer Versorger ist vor allem der massive Ausbau der Stromnetze, befeuert durch Elektrifizierung, KI und steigenden Energiebedarf. Hohe Investitionen ermöglichen planbares Wachstum und steigende Erträge, während die Bewertungen vieler Unternehmen weiterhin attraktiv erscheinen. Trotz des Zinsanstiegs bleiben viele Geschäftsmodelle robust, weil Unternehmen steigende Kosten teilweise an ihre Kunden weitergeben können. Gleichzeitig profitieren Erzeuger erneuerbarer Energien von höheren Strompreisen. Die Kombination aus strukturellem Wachstum, stabilen Cashflows und defensiven Eigenschaften macht Versorger zu einem zentralen Baustein für langfristig orientierte Anleger", sagt Frederik Bröker, Senior Portfoliomanager Aktien bei Bantleon.
Aktien europäischer Versorger zählen 2026 zu den stärksten Segmenten innerhalb des Infrastruktursektors
Sie haben – gemessen am »MSCI Europe Utilities Index« – im 1. Quartal um 13,84 Prozent zugelegt und damit den breiten europäischen Aktienmarkt (MSCI Europe Index = minus 0,78 Prozent) weit übertroffen. Bröker hält fest: "Unsere Übergewichtung, insbesondere in regulierten Netzbetreibern und integrierten Versorgern mit wachsendem Fokus auf Netzbetreiber und Produzenten von erneuerbaren Energien, reflektiert unsere Einschätzung, dass sich hier strukturelles Wachstum mit defensiven Eigenschaften verbinden lässt."
Zentraler Treiber der relativen Outperformance
Dies ist der massive Ausbau der Stromnetze in Europa. Neben dem steigenden Strombedarf durch Rechenzentren und KI-Anwendungen wirkt vor allem die Elektrifizierung von Industrie, Mobilität und Wärmeversorgung als struktureller Nachfrageimpuls. Schätzungen zufolge werden bis zum Jahr 2030 europaweit Investitionen von rund 600 bis 700 Milliarden Euro in Stromnetze erforderlich sein.
Kapitalstockwachstum
Für börsennotierte Netzgesellschaften bedeutet dies ein nachhaltiges Wachstum der Regulated Asset Base (RAB), also des Kapitalstocks, auf den Netzbetreiber eine regulatorisch festgelegte Rendite erzielen dürfen. Ein steigendes Investitionsvolumen führt somit zu langfristig planbarem Gewinnwachstum. Gleichzeitig erscheint die Bewertung attraktiv: Gemessen am EV/EBITDA handelt der europäische Versorgersektor aktuell mit einem Abschlag von rund zwölf Prozent gegenüber dem breiten europäischen Aktienmarkt (MSCI Europe).
Weiterer relevanter Faktor ist das aktuelle Zins- und Energiepreisumfeld
Steigende Zinsen stellen grundsätzlich Gegenwind für kapitalintensive Versorger dar, weil sie die Finanzierungskosten erhöhen und Bewertungen unter Druck setzen können. "Dieser Effekt ist jedoch differenziert zu betrachten", weiß Bröker. "Viele Unternehmen verfügen über langfristig fixierte Finanzierungsstrukturen und insbesondere in regulierten Bereichen können höhere Kapitalkosten zeitverzögert über angepasste Netzentgelte an die Kunden weitergegeben werden."

Steigende Gaspreise bedeuten oft auch steigende Strompreise
Gleichzeitig wirken sich steigende Gaspreise über einen anderen Kanal auf die Erträge aus. Da Gaskraftwerke im europäischen Strommarkt häufig den Grenzpreis bestimmen, führen höhere Gaspreise in vielen Fällen auch zu steigenden Strompreisen. Davon profitieren insbesondere Stromerzeuger mit niedrigen Produktionskosten, etwa Erzeuger erneuerbarer Energien. Allerdings hängt das Ausmaß der positiven Effekte davon ab, in welchem Umfang die Stromproduktion dem Spotmarkt ausgesetzt ist oder über langfristige Stromabnahmeverträge abgesichert wurde.
Netzausbau und Ausbau erneuerbarer Energien verstärken sich gegenseitig
Neue Wind- und Solarkapazitäten benötigen zusätzliche Netzanschlüsse, während wachsende Netzkapazitäten die Integration erneuerbarer Energiequellen ermöglichen. Für Aktieninvestoren entsteht dadurch ein langfristiger Wachstumstreiber entlang der gesamten Energieinfrastruktur – von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien bis zu den dafür benötigten Stromnetzen.
Infrastruktur als Stabilitätsanker im Portfolio
Zugleich hat die jüngste geopolitische Eskalation im Nahen Osten erneut verdeutlicht, dass Infrastrukturaktien in volatilen Marktphasen stabilisierende Eigenschaften besitzen können. Aktien von Unternehmen mit regulierten Geschäftsmodellen, planbaren Cashflows und langfristigen Investitionsprogrammen reagieren häufig weniger stark auf kurzfristige makroökonomische oder geopolitische Schocks als viele andere Aktiensegmente. Bröker: "Hinzu kommt, dass viele Infrastrukturunternehmen, insbesondere regulierte Versorger, stärker von der Binnenwirtschaft ihrer jeweiligen Märkte abhängig sind und deutlich weniger von der globalen Konjunkturentwicklung als exportorientierte Unternehmen beeinflusst werden. Inflationsgeschützte Erlösmodelle, regulierte Renditen und langfristige Verträge stabilisieren die Erträge zusätzlich. Deshalb kann eine Beimischung von Infrastrukturaktien innerhalb eines breit diversifizierten Aktienportfolios einen wichtigen Beitrag zu dessen Stabilität leisten." (kb)