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Inflationsdynamik: Lage heute andere als 2022

In ihrem Ausblick für das zweite Quartal nehmen die Experten von Fidelity International die Folgen des Iran-Krieges für die Märkte und Entwicklungen bei KI in den Blick. Zentralbanken dürften sich Zeit lassen, um auf Inflationstendenzen zu reagieren. Denn die Lage sei anders als 2022.

Fidelity-Kapitalmarktstratege Carsten Roemheld moderierte den CIO-Ausblick auf das zweite Quartal 2026. 
Fidelity-Kapitalmarktstratege Carsten Roemheld moderierte den CIO-Ausblick auf das zweite Quartal 2026. © Fidelity International

Eckpunkte:

  • Inflationserwartungen: Situation heute anders als 2022
  • Aktienmärkte haben sich an erhöhte Volatilität gewöhnt
  • Sektoren: unterscheiden KI-Gewinnern und KI-Verlierern
  • Keine Zwangsverkäufe am Bondmarkt durch Ausfälle bei Private Credit
  • Gold und Rohstoffe als Diversifikator

Nach Meinung von Marion Le Morhedec, CIO Global Fixed Income bei Fidelity International, ist die Ausgangslage für die Inflationsentwicklung eine völlig andere als noch vor vier Jahren. „Im Jahr 2022 kamen wir aus einer Phase der Niedrigzinsen mit Negativzinsen in Europa, während die wichtigsten Zentralbanken ihre Bilanzen stark ausgeweitet hatten.“ Zugleich zeigte der US-Arbeitsmarkt Zeichen einer Überhitzung. Alle diese Tendenzen einer zunehmenden Inflationsdynamik lägen heute nicht vor, so die Anleihenexpertin bei der Online-Präsentation des Kapitalmarktausblicks von Fidelity International am Mittwoch. "Institutional Money" war dabei.

Unsicherheit um Dauer des Konflikts
Auch ihrem Kollegen Salman Ahmed zufolge waren insbesondere die Jahre 2021 und 2022 durch geldpolitische Expansionspolitik gekennzeichnet. Derzeit gingen die Märkte davon aus, dass der Iran-Krieg und die Blockade der Meerenge von Hormus vorübergehende Phänomene seien. Dabei spielt für die Geldpolitik die Dauer des Konflikts eine entscheidende Rolle: Erst wenn es zu einer Eskalation des Krieges komme, werde die Situation für die großen Zentralbanken kompliziert. Man werde eher abwarten als zu einer raschen geldpolitischen Straffung überzugehen, erwartet der Global Head of Macro & Strategic Asset Allocation. Bislang berge die Lage die größten Risiken vor allem für die Länder Asiens. Es handele sich um „einen asien-zentrierten Schock“ auf die Märkte, so Ahmed.

KI-Gewinner und KI-Verlierer
Unter der Prämisse, dass der Effekt des Krieges und der Blockade der Straße von Hormus auf das Energieangebot kurzfristiger Natur bleiben, fällt der Ausblick von Fidelity auf Aktien positiv aus. Es hänge vieles davon ab, was in den kommenden Wochen passiere, sagte Aktien-Chefin Niamh Brodie-Machura. Auch sieht sie einen gewissen Gewöhnungseffekt der Aktienmärkte an die gestiegene Volatilität. Die Märkte hätten gelernt, mit der höheren Volatilität umzugehen. Auch bleibe das KI-Thema auch 2026 treibend für die Aktienmärkte. Nachdem 2023 das Jahr des Mainstream im Bereich KI wurde, werde „2026 das Jahr des KI-Agenten“, so Brodie-Machura. Entscheidend werde sein, inwieweit solche KI-Modelle monetarisierbar seien und bei KI werde es für Investoren darum gehen, die Produktivitätsvorteile bei den Unternehmen zu identifizieren. Der Markt werde sich teilen in KI-Gewinner und KI-Verlierer, was Opportunitäten für Investoren berge.

Ausweitung der Credit Spreads
Auch an den Fixed-Income-Märkten hatten große Emissionen von AI-Unternehmen für Aufsehen gesorgt. Der Investment-Grade-Kreditmarkt habe die enorme Ausweitung des Angebots aber sehr gut aufgenommen. Von Kapitalmarktstratege Carsten Roemheld nach möglichen Auswirkungen der Ausfälle am Markt für Private Credit gefragt, ordnete Marion Le Morhedec ein: Es gebe Fragezeichen hinsichtlich der Bedeutung der Ausweitung der Credit Spreads der vergangenen Tage: Diese hatten sich für IG-Credit in Europa zuletzt um rund 90 Basispunkte ausgeweitet. Le Morhedec sieht am Markt derzeit keine Anzeichen für Zwangsverkäufe. Denn verglichen mit den Spreadausweitungen am „Liberation Day“ (rund 125 Basispunkte) falle die Spreadausweitung vergleichsweise noch moderat aus. Zur Erinnerung: An diesem Tag im April 2025 hatte Trump weitreichende Zölle gegen zahlreiche Länder angekündigt.

Private Credit im Fokus
Zugleich äußerte die Anleihenexpertin die Sorge, dass Investoren aufgrund der Ausfälle bei Private Credit verstärkt zu Verkäufen bei Public Credit übergehen könnten. Investoren könnten sich dazu veranlasst sehen, um Liquidität zu gewinnen.

Positiv für Gold und Kupfer
George Efstathopoulos lenkte den Blick zum Abschluss auf Multi Asset und auf Rohstoffe und Gold. Denn Bonds hätten ihre Rolle als verlässlicher Diversifikator verloren und man blicke positiv auf Gold, nicht zuletzt, weil Zentralbanken jüngst weltweit ihre Geldpolitik gelockert hätten. Auch Kupfer und andere Rohstoffe versprächen im aktuellen Umfeld Zuwächse, da die Nachfrage das Angebot übertreffe, getrieben sowohl durch die Themen Energienetze, Verteidigung und die grüne Transformation. (de)

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