Logo von Institutional Money
| Märkte

Inflation ist die "Bananenschale" für den KI-Boom

Der massive Ausbau von KI-Infrastruktur entwickelt sich laut Candriam zu einer neuen Inflationsquelle. Engpässe bei Rechenzentren, Stromnetzen und strategischen Rohstoffen könnten den Rückgang der Teuerung bremsen und den Spielraum der Notenbanken einschränken.

Nadège Dufossé, Candriam: "Kapital ist reichlich vorhanden, Kapazitäten hingegen nicht."
Nadège Dufossé, Candriam: "Kapital ist reichlich vorhanden, Kapazitäten hingegen nicht."© Candriam

Eckpunkte:

  • Inflation laut Candriam größtes Risiko für die Finanzmärkte
  • Engpässe bei Stromnetzen, Rechenzentren und Metallen erhöhen Preisdruck
  • Rückgang der Inflation könnte langsamer verlaufen als von Märkten erwartet

Die Inflation bleibt nach Einschätzung des Asset Managers Candriam das Hauptrisiko für die Finanzmärkte. Ausgerechnet die milliardenschweren Investitionen in Künstliche Intelligenz könnten dazu beitragen, dass der Preisauftrieb länger hoch bleibt als von Anlegern und Notenbanken erhofft.

"Die Inflation bleibt die plausibelste Quelle für Enttäuschungen", schreibt Nadège Dufossé, Global Head of Asset Allocation bei Candriam, in einem Marktkommentar. Sie sei die "Bananenschale", die ein ansonsten freundliches Marktumfeld in ein schwieriges verwandeln könne.

Nach Einschätzung des Asset Managers entwickeln sich KI-bezogene Investitionen und Infrastrukturengpässe zunehmend zu einer weiteren potenziellen Inflationsquelle – neben Energiepreisen und handelspolitischen Belastungen. Vor allem die Nachfrage nach Halbleitern, Rechenzentren, Stromerzeugung, Netzinfrastruktur und strategischen Metallen steige deutlich schneller als das verfügbare Angebot.

Kapital ist vorhanden, Kapazitäten fehlen
Die großen US-Technologiekonzerne dürften 2026 mehr als 700 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur investieren. Die Auftragsbücher seien gut gefüllt, Produktionskapazitäten blieben jedoch begrenzt.

"Kapital ist reichlich vorhanden, Kapazitäten hingegen nicht", so Dufossé. Die daraus resultierenden Engpässe stärkten zwar die Preissetzungsmacht vieler Unternehmen und stützten die Gewinnentwicklung, gleichzeitig könnten sie jedoch neuen Inflationsdruck erzeugen.

Nach Ansicht von Candriam ist die Frage inzwischen nicht mehr, ob KI funktioniert. Entscheidend sei vielmehr, ob die enormen Investitionen künftig ausreichende Renditen erwirtschaften können und ob die physische Infrastruktur mit dem Tempo der digitalen Transformation Schritt halten kann.

Aktien bleiben favorisiert
Trotz der Inflationsrisiken bleibt Candriam für die Kapitalmärkte grundsätzlich optimistisch positioniert. Der Asset Manager hält Aktien leicht übergewichtet und bevorzugt dabei insbesondere die USA sowie Schwellenländer. Beide Regionen profitierten von einer robusten Gewinndynamik und den Investitionen in Künstliche Intelligenz.

Im Rentenbereich favorisiert Candriam hochwertige deutsche Staatsanleihen sowie Schwellenländeranleihen. Bei Unternehmensanleihen werden Investment-Grade-Papiere gegenüber High-Yield-Anleihen bevorzugt. Zudem sieht der Vermögensverwalter weiterhin Potenzial bei Gold und strategischen Metallen als Diversifikatoren in einem von geopolitischen Spannungen und Angebotsengpässen geprägten Umfeld. (dv)

Diese Seite teilen

Weitere Inhalte aus der Redaktion