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In China wird Stockpicking wichtiger und Brasilien sticht heraus

Die Rally an den Schwellenländerbörsen hat Taiwan und Südkorea ein enormes Gewicht beschert. Im Interview warnt Lazard-Manager James Donald nach den starken Kursgewinnen vor Bewertungsrisiken bei einzelnen KI-Profiteuren – und sieht eine Verlagerung der Chancen innerhalb der Emerging Markets.

James Donald, Lazard Asset Management: "Wenn man nach vergleichsweise hoher Profitabilität bei niedrigen Bewertungen sucht, ist Brasilien derzeit wahrscheinlich das beste Beispiel."
James Donald, Lazard Asset Management: "Wenn man nach vergleichsweise hoher Profitabilität bei niedrigen Bewertungen sucht, ist Brasilien derzeit wahrscheinlich das beste Beispiel."© Lazard

Eckpunkte:

  • Taiwan und Südkorea stellen zusammen fast die Hälfte des MSCI Emerging Markets
  • Chinas Aktienmarkt dürfte in den kommenden zehn Jahren interessant sein
  • In Brasilien trifft hohe Profitabilität auf vergleichsweise günstige Aktien

Der Aufschwung an den Schwellenländerbörsen ist stark von Taiwan und Südkorea sowie dem KI-Boom geprägt. Die Chancen innerhalb der Emerging Markets verteilen sich damit anders, erklärt James Donald, Portfoliomanager und Analyst sowie Leiter der Emerging-Markets-Plattform bei Lazard Asset Management, im Interview mit "Institutional Money" in Frankfurt.

"Taiwan und Südkorea machen zusammen fast 50 Prozent des MSCI Emerging Markets Index aus. Ich könnte mir vorstellen, dass ihr gemeinsames Gewicht nicht mehr wesentlich weiter steigen wird", sagt Donald. Nach den kräftigen Kursgewinnen sieht er bei einzelnen Profiteuren des KI-Booms inzwischen Bewertungsrisiken. "KI ist zweifellos wichtig. Angesichts der Kursanstiege bei einigen Aktien ist es jedoch möglich, dass manche Titel inzwischen Bewertungsniveaus erreicht haben, die im Verhältnis zu ihren künftigen Fundamentaldaten zu hoch sein könnten", erklärt er.

Unterschiede zwischen chinesischen Unternehmen werden wichtiger
Chinas Aktienmarkt hält Donald auf längere Sicht weiterhin für interessant. Entscheidend dürfte allerdings zunehmend die Auswahl einzelner Unternehmen werden. "Ich bin der Ansicht, dass der chinesische Aktienmarkt in den kommenden zehn Jahren sehr interessant sein wird und die Einzeltitelauswahl dabei zunehmend an Bedeutung gewinnen dürfte. Bereits kleine Unterschiede zwischen Unternehmen könnten große Auswirkungen auf die Aktienmarktperformance haben.“

Auch insgesamt sieht Donald Argumente für eine stärkere Diversifikation in Schwellenländer. Diese seien weiterhin deutlich günstiger bewertet als entwickelte Märkte, insbesondere die USA. Hinzu komme die Entwicklung des US-Dollar. "Sollte der US-Dollar nicht stark bleiben, spricht viel dafür, stärker in Schwellenländer zu diversifizieren", sagt Donald.

Brasilien punktet bei Bewertung und Profitabilität
Besonders interessant findet der Lazard-Manager derzeit Brasilien. "Wenn man nach vergleichsweise hoher Profitabilität bei niedrigen Bewertungen sucht, ist Brasilien derzeit wahrscheinlich das beste Beispiel." Dort gebe es eine ganze Reihe gut geführter Unternehmen, die zu sehr niedrigen Bewertungen gehandelt würden und dennoch gute Renditen erwirtschaften könnten.

Donald sieht zudem eine längerfristige Verschiebung des makroökonomischen Umfelds zugunsten der Schwellenländer. Die Globalisierung habe zu Disinflation geführt, was für Emerging Markets wenig vorteilhaft gewesen sei. Da die Globalisierung nicht mehr weiter voranschreite und Handelskonflikte sowie geopolitische Spannungen zunähmen, erwartet er eine Phase normalisierter Inflation, von der Schwellenländer relativ profitieren könnten. (dv)

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