Immobilienwirtschaft sorgt sich wegen höherer Finanzierungskosten
Das aktuelle Umfeld bereitet den Immobilienfinanzierern große Sorgen. Die überwiegende Mehrheit rechnet mit steigenden Kosten, die für den Markt nicht förderlich sind.
Eckpunkte:
- Die Finanzierung von Immobilien wird nach Ansicht vieler Banken herausfordernder
- Dafür ist eine Fälligkeitswelle verantwortlich
- Das ist einer Umfrage von EY-Parthenon zu entnehmen
Der große Aufschwung der Immobilienbranche wird weiter auf sich warten lassen. Waren es in den vergangenen zwei Jahren primär volkswirtschaftliche und wegen der Regulierung auch politische Gründe, die Verunsicherung und Zurückhaltung erzeugten, bereitet aktuell insbesondere die Finanzierung große Sorgen. 90 Prozent der Kreditinstitute betrachten steigende Finanzierungskosten als Herausforderung für den Immobilienmarkt, berichtet die Strategieberatung EY-Parthenon.
Das ist nach EY-Angaben das Ergebnis einer Bankenbefragung, die im Februar und März 2026 unter 58 immobilienfinanzierenden Kreditinstituten in Deutschland durchgeführt wurde. Der Beginn des Nahostkonflikts und die Blockade der Straße von Hormus fielen somit unmittelbar in den Befragungszeitraum. Zum Vergleich: Vor einem Jahr betrachtete "nur" die Hälfte der Umfrageteilnehmer die Finanzierungskosten als Problem.
Immobilienbranche steht unter Druck
Das Thema kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt auf: Denn laut EY-Parthenon "läuft der Markt in eine Fälligkeitswelle". Ein bedeutender Teil der Institute halte hohe Refinanzierungsvolumina in ihren Beständen. Bei rund der Hälfte der Institute liege der Anteil über 40 Prozent, bei je vier Prozent beträgt er mehr als 60 oder gar mehr als 80 Prozent. Außerdem habe sich die Quote der notleidenden Kredite (NPL-Quote) am deutschen Immobilienmarkt seit 2022 von 1,5 auf zuletzt fast fünf Prozent mehr als verdreifacht.
"Nach der Corona-Pandemie, dem Ukraine-Krieg und der Zinswende hatte sich das Immobilienfinanzierungsumfeld nur scheinbar stabilisiert. Mit den jüngsten Entwicklungen ist ein erneuter Kostenanstieg höchst wahrscheinlich – das Prinzip 'Abwarten und Hoffen' gerät jetzt bei bereits zuvor notleidenden Immobilien endgültig an seine Grenzen", kommentiert Jean-Pierre Rudel, Partner bei EY Real Estate und Autor der Studie.
Keine schnelle Trendwende
Hinsichtlich einer Erholung des Immobilienmarktes bleibt die Stimmung der Banken verhalten: Rund die Hälfte der Befragten geht in diesem Jahr von einer (eher) negativen Entwicklung aus, während die andere Hälfte eine Seitwärtsbewegung prognostiziert, die sich auch durch das Jahr 2027 und darüber hinaus fortsetzen werde. Eine erkennbare Trendwende wird erst ab dem Jahr 2029 erwartet. (ae)




