ifo: Fracking würde Gaspreise in Deutschland nicht spürbar senken
Fracking könnte die Erdgasversorgung in Deutschland zwar stärken, aktuelle Engpässe aber nicht kurzfristig beheben. Laut einer Analyse des ifo Instituts wären dafür Hunderte Bohrungen und ein jahrelanger Aufbau neuer Förderkapazitäten erforderlich.

Eckpunkte:
- Fracking könnte 6 bis 12 Prozent des deutschen Gasverbrauchs decken
- Aufbau einer Förderindustrie würde mehrere Jahre dauern
- ifo spricht sich für Probebohrungen zur Klärung von Kosten und Umweltrisiken aus
Fracking kann die Versorgung mit Erdgas in Deutschland in einem begrenzten Umfang verbessern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des ifo Instituts. Die Forschenden betonen jedoch, dass die Technologie weder aktuelle Versorgungsengpässe schnell beseitigen noch die Gaspreise spürbar senken würde.
„Das Potenzial deutscher Schiefergasvorkommen wird zwar als groß eingeschätzt, jedoch wären nach Experteneinschätzungen Hunderte von Bohrungen notwendig, um diese Ressource zu nutzen“, so Karen Pittel, Leiterin des ifo Zentrums für Energie, Klima und Ressourcen. „Der Aufbau einer Fracking-Industrie, die entsprechende Mengen fördern könnte, würde sich über mehrere Jahre hinziehen.“
Beitrag zur Versorgung bleibt begrenzt
Nach Einschätzung der Autoren könnte die Förderung von Schiefergas mittels Fracking jährlich rund 5 bis 10 Milliarden Kubikmeter Erdgas liefern. Das entspräche etwa 6 bis 12 Prozent des deutschen Gasverbrauchs des Jahres 2025. Der aktuelle Anteil der heimischen Förderung liegt bei lediglich 4,2 Prozent.
Ob eine Förderung in Deutschland wirtschaftlich konkurrenzfähig wäre, bleibt nach Ansicht der Autoren allerdings offen. Es sei unklar, ob die Produktion zu wettbewerbsfähigen Kosten erfolgen könne oder langfristig staatliche Unterstützung erforderlich wäre.
„Die zusätzlichen Fördermengen aus Deutschland sind im globalen Vergleich klein und würden die Preise auf dem Weltmarkt kaum beeinflussen“, so Cyril Stephanos von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften. Zudem seien in den USA, Kanada und anderen Ländern bereits umfangreiche neue Förderkapazitäten angekündigt worden, die das globale Angebot erhöhen dürften.
Umweltrisiken gering
Die Umweltrisiken bewerten die Autoren bei strengen regulatorischen Vorgaben als überschaubar. Vor diesem Hintergrund sprechen sie sich dafür aus, Probebohrungen zuzulassen, um belastbare Daten zu Förderkosten und Umweltwirkungen zu gewinnen.
Dafür müsste allerdings das bestehende Fracking-Verbot in Deutschland aufgehoben werden. Die Autoren verweisen darauf, dass ein solcher Schritt auf erhebliche gesellschaftliche Widerstände stoßen dürfte.
Die Analyse kommt damit zu einem differenzierten Ergebnis: Fracking könnte einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten, wäre jedoch weder ein kurzfristiges Instrument gegen hohe Energiepreise noch eine grundlegende Lösung für Deutschlands Gasversorgung. (dv)