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I-CV-Bankenstudie: Gut gemeinte Regulierung sorgt für Verschlechterungen

I-CV-Bankenstudie: Gut gemeinte Regulierung sorgt für Verschlechterungen für Anleiheinvestoren

Das Schweizer Beratungsunternehmen Independent Credit View (I-CV) analysiert in ihrer neuen Bankenstudie die Bonität europäischer Großbanken. 32 Institute aus elf Ländern wurden fundamental überprüft und dank des hauseigenen Banken-Modells umfassenden Stresstests unterzogen. Dabei wird deutlich, dass zahlreiche europäische Banken noch viel Arbeit zu erledigen haben.
 
Erhebliche Schwächen
 
Christian_FischerDie zehnte I-CV Bankenstudie zeigt, dass trotz materieller Fortschritte bei etlichen europäischen Banken - vor allem beim Abbau von Risiken und bei der Stärkung des Kapitals - weiterhin erhebliche Schwächen bestehen. Das gilt sowohl bei einzelnen Banken als auch in nationalen Bankensystemen und auf supranationaler Ebene. "Zwar rechnen wir in diesem Jahr mit einer weiteren Stabilisierung der Kreditwürdigkeit der Banken im Allgemeinen, doch der massive Druck auf die Nettozinsmarge als Hauptertragsquelle hält aufgrund des Tiefzinsumfelds an. Somit drängt sich bei mancher Bank die Frage der Daseinsberechtigung auf. Eine Konsolidierung dürfte bei kleinen und mittleren Banken in den nächsten Jahren zu sehen sein, während bei den großen Banken wohl vorerst keine bedeutenderen Transaktionen zu erwarten sind", sagt Christian Fischer (Bild links), Partner von I-CV und Mitautor der Studie.
 
32 Banken am Prüfstand
 
Mit sieben Instituten stellt Deutschland in der aktuellen Studie das Gros der 32 bewerteten Banken; die weiteren Banken stammen aus Skandinavien (6), Großbritannien (5), Frankreich und den Niederlanden (je 3) sowie aus der Schweiz, Österreich, Italien und Spanien (je 2). Aufgrund von mehr als 30 Bewertungsfaktoren wurde die fundamentale Stärke jedes einzelnen Instituts evaluiert. Im Anschluss wurden die Banken einem umfassenden Stresstest unterzogen und mögliche Auswirkungen von regulatorischen Eingriffen sowie Marktveränderungen untersucht. Daraus ergibt sich eine breite Spanne fundamentaler Bonitätseinschätzungen.
 
Höchste Kreditwürdigkeit für nordeuropäische Banken, Unicredit riskant
 
Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Bonität europäischer Banken stabilisiert, wenn auch vielfach noch auf bescheidenem Niveau. Sechs positiven Veränderungen stehen sechs negative gegenüber. Dabei bleibt die Kluft zwischen stärkeren und schwächeren Volkswirtschaften entscheidend für die Bonität wie auch den relativen Fortschritt der einzelnen Banken. Am besten schneiden in der I-CV Analyse weiterhin Swedbank und Svenska Handelsbanken aus Schweden ab. Auch die schweizerischen Credit Suisse und UBS sind spürbar robuster und weisen eine über dem europäischen Durchschnitt liegende Kreditwürdigkeit auf. Demgegenüber liegen die deutschen Banken deutlich abgeschlagen mehrheitlich allenfalls im unteren Investment-Grade-Bereich, sofern keine Unterstützung unterstellt wird. Mit der italienischen Unicredit SpA und der Bewertung BB+ ist lediglich ein Institut im Bereich "Non Investmentgrade" eingestuft worden.
 
Bilanzkosmetik?
 
Bei der Querschnittsbetrachtung europäischer Banken fällt auf, dass ungeachtet der Asset Quality Review (AQR) weiterhin erhebliche Unterschiede bei der Klassifizierung und Bewertung von Kreditrisiken, aber auch bei der Qualität des Kapitals bestehen. Vielfach scheint die Risikovorsorge nach wie vor vom verfügbaren Ergebnis abzuhängen und nicht vom Risiko. "Wir sehen insgesamt einen gespaltenen europäischen Bankenmarkt. Das wird besonders deutlich bei der Betrachtung der geographischen Verteilung des Banken-Kapitalbedarfs, der in Südeuropa, namentlich Italien und Spanien, fast das Anderthalbfache der aktuellen Marktkapitalisierung erreicht. Auch Banken in Deutschland, Österreich und Frankreich haben zum Teil hohen Kapitalbedarf, während dieser für Nordeuropa und die Schweiz sehr gering ist. Es bleibt also beim Nord-Süd-Gefälle in der europäischen Bankenlandschaft", sagt Fischer.
 
Spürbare Verschlechterungen für Anleiheinvestoren
 
Weiter konstatiert der Mitautor der Studie: "Regulatorische Eingriffe erhöhen die latenten Risiken von Banken für Investoren erheblich. Dies gilt besonders für die Festlegung und Transparenz bankspezifischer Kapitalerfordernisse sowie für die anstehende Ausgestaltung der Anforderungen zu TLAC (Total Loss Absorbing Capital). Aus gut gemeinten Regulierungen können sich hier schnell spürbare Verschlechterungen für Anleiheinvestoren ergeben. Wir erwarten verstärkt Emissionen von Nachranganleihen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Kapitalerhöhungen dürften weiterhin primär aus der Not unzureichender Thesaurierung geboren sein und angesichts tiefer Bewertungen erhebliche Verwässerungen implizieren." (aa)
 
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