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HQ Trust-Chefökonom Michael Heise kommentiert den Inflationsanstieg

Die Verbraucherpreise in Deutschland steigen und steigen. Für Dr. Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust, ist das Ende der Fahnenstange aber noch längere Zeit nicht erreicht.

 Dr. Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust
Dr. Michael Heise, HQ Trust
© HQ Trust

Der Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland (2,5 % über Vorjahr nach VPI; 2,4 % nach HVPI) hat sich im Mai weiter beschleunigt. Nach Einschätzung von Dr. Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust, kann der aktuelle Anstieg als Vorbote weiterer Preissteigerungen in den kommenden Monaten gesehen werden. Er prognostiziert, dass neben den Preiserhöhungen bei Waren in den kommenden Monaten steigende Dienstleistungspreise das Bild prägen werden. Diese haben sich seit dem Beginn der Pandemie und im Zuge mehrerer Lockdowns sehr verhalten und in manchen Branchen auch nach unten entwickelt.

"Hoffnungen auf einen Rückgang der Preisniveausteigerungen werden sich erst erfüllen, wenn die aktuellen weltweiten Angebotsengpässe überwunden sind und die gestiegenen Rohstoffpreise wieder zurückgehen. Anzeichen dafür gibt es derzeit noch nicht. Aber selbst wenn der Prozess bald einsetzt, werden bereits erfolgte Kostenerhöhungen auf die Verbraucherpreise weitergewälzt", sagt Heise.

In der zweiten Jahreshälfte könnte der Vorjahresabstand des Index über drei Prozent und gegen Jahresende über vier Prozent liegen. Einer der Gründe dafür ist die im zweiten Halbjahr 2020 abgesenkte und nun wieder normalisierte Mehrwertsteuer. „Für das Jahr insgesamt ist ein Anstieg des Verbraucherpreisindex in Deutschland um 2,9 Prozent gegenüber 2020 (VPI) zu erwarten", ergänzt Heise.

Warenkonsum und Dienstleistungen werden teurer
Etwas ausführlicher kommentiert der Ökonom die Auswirkungen auf Warenkonsum, Dienstleistungen. Beim Warenkonsum werden nachlaufende Effekte der steigenden Erzeugerpreise für gewerbliche Produkte (5,2 % über Vorjahr im April) und steigender Importpreise (10,3 % über Vorjahr im April) weiter für Preisauftrieb sorgen. So rechnet eine steigende Zahl an Unternehmen des Groß- und Einzelhandels (nach ifo-Konjunkturumfrage) in den kommenden Monaten mit steigenden Preisen.
 
Bei Dienstleistungen wird die Lockerung der pandemiebedingten Einschränkungen zu einer kraftvollen Erholung der Nachfrage führen. Der Nachfrageanstieg wird vielen Unternehmen nach den Umsatzeinbrüchen vergangener Quartale Preiserhöhungen ermöglichen. In den Branchen, die von der Pandemie besonders betroffen waren, etwa im Beherbergungsgewerbe, haben sich die Preiserwartungen der Unternehmen für die kommenden Monate zuletzt sprunghaft erhöht (Saldo aus positiven und negativen Meldungen).  

Kommende EZB-Sitzung wirft ihren Schatten voraus
Die EZB dürfte Heise zufolge ihre Inflationsprognosen für dieses und das kommende Jahr deutlich erhöhen. Dazu tragen nicht zuletzt die seit ihrer letzten Projektion im März weiter gestiegenen Ölpreise und Rohstoffpreise bei. Überdies ist mit einem Anstieg der
sogenannten Kerninflation zu rechnen, bei der Energie und Nahrungsmittel aus dem Index herausgerechnet werden.

Die Mechanismen, die in Deutschland zu beobachten sind (weitere Kostenüberwälzung in der Warenproduktion, anziehende Nachfrage bei Dienstleistungen), werden laut Heise in mehr oder weniger starker Ausprägung auch in anderen EWU-Ländern zu sehen sein. (aa)

 

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