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Hormus: Die ersten zehn Millionen Barrel suchen ihre Zielhäfen

Mit dem Inkrafttreten des US-iranischen Interimsabkommens setzt sich an der Straße von Hormus zuvor blockiertes Öl in Bewegung. Schiffe mit fast zehn Millionen Barrel passieren die Meerenge, Kuwait fährt die Förderung hoch – und der Ölpreis fällt auf rund 77 US-Dollar je Barrel

Der Supertanker Eneos Endeavor erreicht die Eneos-Raffinerie Negishi bei Yokohama – das Schiff hatte die Straße von Hormus im Mai in einer seltenen Fahrt mit abgeschaltetem Signal passiert, wie sie für viele Tanker während der Blockade typisch war. Mit dem nun in Kraft getretenen Abkommen sollen die Schiffe zunehmend auf offene Routen mit aktivem Signal zurückkehren.
Der Supertanker Eneos Endeavor erreicht die Eneos-Raffinerie Negishi bei Yokohama – das Schiff hatte die Straße von Hormus im Mai in einer seltenen Fahrt mit abgeschaltetem Signal passiert, wie sie für viele Tanker während der Blockade typisch war. Mit dem nun in Kraft getretenen Abkommen sollen die Schiffe zunehmend auf offene Routen mit aktivem Signal zurückkehren.© Akio Kon / Bloomberg

ECKPUNKTE:

  • Nach dem Inkrafttreten des US-iranischen Interimsabkommens verlässt blockiertes Öl die Straße von Hormus, Kuwait fährt die Förderung hoch.
  • Schiffe mit fast zehn Millionen Barrel Öl haben die Meerenge passiert oder sind unterwegs, darunter erstmals seit Kriegsbeginn saudische Tanker.
  • Die Ölpreise fielen auf rund 77 Dollar je Barrel und damit auf den tiefsten Stand seit Kriegsbeginn.

Mit dem Inkrafttreten des US-iranischen Interimsabkommens setzt sich an der Straße von Hormus eine wachsende Menge zuvor blockierten Öls in Bewegung. Kuwait kündigte an, seine Förderung hochzufahren, und die Aktivität treibt die Lieferungen aus dem Nahen Osten bereits in Richtung Vorkriegsniveau.

Schiffe mit nahezu zehn Millionen Barrel Öl haben die Meerenge entweder bereits passiert oder befinden sich auf der Durchfahrt, darunter die ersten Tanker in saudischem Besitz seit Kriegsbeginn. Auch Katar schickte eine Ladung Flüssigerdgas durch die Wasserstraße, zudem liefen nach den von Bloomberg zusammengestellten Schiffsverfolgungsdaten fünf mit dem Iran verbundene Schiffe ein. Zusammen mit den Millionen Barrel, die bereits über Umgehungspipelines fließen, würde die Aktivität des Donnerstags die Lieferungen aus dem Nahen Osten so nah an das Normalniveau bringen wie zu keinem Zeitpunkt seit Kriegsbeginn. Ob sich die erhöhten Volumina halten lassen oder ob es sich um einen einmaligen Schwall handelt, ist offen, doch weitere Schiffe versuchen bereits auszulaufen.

Monatelanger Prozess
Die Ausfahrten markieren den ersten Schritt eines Prozesses, der sich über Monate ziehen dürfte, um die Folgen der Beinahe-Schließung der Meerenge aufzulösen, durch die normalerweise ein Fünftel des weltweiten Öls und Erdgases fließt. Die Rohöl-Futures fielen auf rund 77 Dollar je Barrel und damit auf den tiefsten Stand seit den ersten Kriegstagen. Zu Beginn des Konflikts waren die Energiepreise sprunghaft gestiegen, nachdem Branchenexperten vor dem größten Angebotsschock der Geschichte gewarnt hatten. Die Märkte hatten sich jedoch bereits vor dem Abkommen bearish gezeigt, da China seine Importe drosselte und die US-Ausfuhren stark zulegten. Mit dem Anstieg der Fahren am Donnerstag gelangen nun noch mehr Barrel aus über 100 festsitzenden Tankern im Golf auf die Märkte. Am Donnerstag nahmen zudem mindestens vier saudische Supertanker, die wochenlang im Indischen Ozean stillgelegen hatten, Kurs auf den Golf von Oman.



Anhaltende Zurückhaltung
Teile der Schifffahrts- und Ölbranche blieben dennoch zurückhaltend und verwiesen darauf, dass weiterhin unklar sei, wie der Verkehr gesteuert werde und wann etwaige Minen geräumt würden. Zwar soll die Wasserstraße für die im Memorandum of Understanding festgehaltenen 60 Tage ohne Gebühren vollständig geöffnet werden, doch Teheran hat wiederholt signalisiert, eine gewisse Kontrolle über die Passage behalten zu wollen. Vorerst konzentriert sich der ausfahrende Verkehr auf beladene Schiffe, die monatelang festsaßen. Sind diese abgefertigt, lautet die entscheidende Frage, ob Händler neue Ladungen buchen und ob Eigner bereit sind, leere Schiffe zurück in den Golf zu schicken. Nach Angaben des Schifffahrtsverbands Bimco ist der zentrale Teil der Meerenge vermint und unpassierbar, lediglich die küstennahen Zonen vor Oman und dem Iran gelten als minenfrei.

Wochen bis zur Normalität
Das Joint Maritime Information Center senkte Anfang der Woche seine Bedrohungsstufe für die Straße von Hormus von schwerwiegend auf erheblich, da das Abkommen ein stabileres Umfeld geschaffen habe. Die Lloyd's Market Association warnte hingegen, das Memorandum biete Schiffseignern und Versicherern noch nicht die nötige Sicherheit, um den Verkehr wiederherzustellen. Es werde Monate dauern, bis eine gewisse Normalität in die internationale Schifffahrt zurückkehre, da Schiffe am falschen Ort lägen und Lieferketten verzerrt seien. Auch Intertanko verwies auf die Minenräumung sowie auf die Notwendigkeit eines Systems zur Verkehrssteuerung. (hw/bloomberg)

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