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Hohe Tarifabschlüsse: Fluch oder Segen für die Volkswirtschaft?

Führen exogene Schocks wie die Russland-Ukraine-Krise zu Preissteigerungen wie derzeit bei Öl und Gas, so fordern Gewerkschaften schnell mehr Lohn für Arbeitnehmer. Doch das ist nicht die Lösung, sagt Ernst Konrad, Lead Portfolio Manager bei Eyb & Wallwitz.

Dr. Ernst Konrad, Lead-Portfoliomanager bei Eyb & Wallwitz
Dr. Ernst Konrad, Lead-Portfoliomanager bei Eyb & Wallwitz
© Eyb & Wallwitz

Mit Blick auf die Tarifrunden im Herbst gibt es zwei grundsätzliche Lager: Die einen hoffen auf möglichst hohe Lohnsteigerungen, um die Kaufkraft der Verbraucher zu stärken und so der drohenden Rezession entgegenzuwirken. Die anderen wiederum fürchten genau dieses Szenario, weil es die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale birgt, die die derzeitigen Preissteigerungen auf mehrere Jahre verfestigen könnte. Laut Schumpeterscher Innovationslehre ist die Haltung klar: „An höheren Löhnen sind vor allem die Gewerkschaften interessiert. Für die Unternehmen — und damit letztlich auch für die Verbraucher — hingegen wären sie in der aktuellen Lage verheerend“, meint Ernst Konrad, Lead Portfolio Manager bei Eyb & Wallwitz.

Deutsche Unternehmen am existenziellen Limit
Die Performance der meisten Unternehmen hängt maßgeblich von zwei Faktoren ab: Erstens der Entwicklung der Löhne und zweitens den Energiepreisen. Letztere kennen schon seit Beginn der Corona-Pandemie Anfang 2020 nur einen Weg: nach oben. Seit dem Beginn der Russland-Ukraine-Krise am 24. Februar 2022 hat sich die Preissteigerung allerdings deutlich verschärft. So ist der Preis für Erdgas seitdem von 4,08 Euro um 128,6 Prozent auf 7,91 Euro pro Millionen British Thermal Unit (MMBTU) gestiegen. Auch die Kosten für Erdöl (Brent) sind im gleichen Zeitraum von 88,48 Euro auf 93,21 Euro je Barrel geklettert. Daher stehen die Unternehmen bereits unter enormem Druck. „Steigen vor diesem Hintergrund zusätzlich die Löhne massiv, würde das etliche Unternehmen vor existenzielle Herausforderungen stellen, denen sie letztlich nur entkommen können, wenn sie die steigenden Kosten an die Verbraucher weitergeben. Ein Kreislauf, aus dem auszubrechen immer schwieriger wird“, prognostiziert Konrad.

Lehren aus vergangenen Krisen
In einer ähnlichen Situation befanden wir uns in den beiden Ölkrisen in den 70er Jahren respektive zu Beginn zu Beginn der 80er Jahre. Hier stiegen die Verbraucherpreise immer weiter an, weshalb die Notenbanken massiv die Zinsen erhöhten— allerdings auf Kosten einer deutlichen wirtschaftlichen Abschwächung. Auch damals gab es massive Lohnforderungen, zum Beispiel vom Vorsitzenden der Gewerkschaft ÖTV (heute ver.di) Heinz Kluncker, der 1974 Lohnsteigerungen von elf Prozent durchsetzte. Konrad dazu: "Die Tarifverhandlungen werden also zeigen, ob die heutigen Akteure aus den vorigen Krisen die richtigen Lehren gezogen haben — und auch entsprechend handeln."

Das drohende Fass ohne Boden mit Dominoeffekt
Denn sie tragen eine gewisse Verantwortung: Die bevorstehenden Tarifrunden haben eine wichtige Signalwirkung, da sie als Anhalt für weitere Forderungen herangezogen werden und somit schnell einen Dominoeffekt auslösen könnten. Besonders gefährlich sind daher Ansprüche wie die der Pilotenvereinigung, die nicht nur fünf Prozent Lohnsteigerung, sondern zusätzlich einen Inflationsausgleich verlangen. Konrad: „Das ist für Unternehmen ein Fass ohne Boden, das zu Kosteneinsparungen, vor allem auch Entlassungen führen würde. Sollte das Schule machen, wird es gefährlich.“ Hinzu kommt: Dass ein solch automatisierter Mechanismus nicht funktioniert, hat die Scala Mobile gezeigt, die 1975 in Italien eingeführt wurde und sich bis in die 90er Jahre hielt: Vierteljährlich wurden die Löhne automatisch an die Preissteigerung eines festgelegten Warenkorbs angepasst, was jedoch in der Spitze 1980 zu einer Inflation von 21 Prozent führte.

Es gibt kein Marktversagen, sondern nur Staatsversagen
Solche nicht zielführenden staatlichen Markteingriffen basieren oft auf einem tiefen Marktmisstrauen unter vielen Politikern und treten auch heute noch auf — zum Beispiel mit dem Tankrabatt, der nicht bei den Verbrauchern ankommt, die ihn wirklich benötigen. Sie wären daher dem liberalen Ökonom Schumpeter ein Dorn im Auge — vor allem, wenn sie wie auch die bevorstehende Energiepreispauschale mit der Gießkanne verteilt werden. Zielführender wäre es aus Schumpeter’s Sicht, zunächst den Preismechanismus wirken zu lassen und dann gezielt bedürftigen Menschen mit konkreten Maßnahmen zu helfen, die sich das Heizen nicht mehr leisten können. Die wichtigste Botschaft aber lautet, so ist sich Ernst Konrad sicher: „Marktversagen ist wesentlich seltener als Staatsversagen. Also: Vertrauen  wir dem Markt. Der Markt regelt vieles besser, als wir glauben.“ (kb)

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