Höhere Renditen: Eine historisch einmalige Gelegenheit?
Der Head of US Fixed Income bei RBC BlueBay Asset Management analysiert die aktuelle Lage am Credit-Markt vor dem Hintergrund eines immer höheren Kapitalbedarfs der KI-Unternehmen.

Eckpunkte:
- Angesichts des großen Kapitalbedarfs der Hyperscaler und anderer Anbieter fordert der Rentenmarkt höhere Zinsen
- Das könnte einerseits zu Problemen führen, andererseits Investoren interessante Opportunitäten bieten
Selektion gefragt
Bond-Anleger müssen bei Neuemissionen zur Finanzierung von KI-Projekten sehr selektiv vorgehen und die richtige Finanzierungsstruktur auswählen. Sie müssen das spätere Risiko der Anschlussfinanzierung begrenzen und entsprechend dafür entschädigt werden – angesichts der bevorstehenden Flut von Transaktionen ist das absolut notwendig”, empfiehlt Andrzej Skiba, Head of US Fixed Income bei RBC BlueBay Asset Management, in einem aktuellen Marktkommentar seines Hauses.
Institutionelle Investoren, die sich an diese Regel halten, ein diversifiziertes Portfolio mit unterschiedlichen KI-Risiken führen und bereit sind, flexibel zu handeln, sollten dafür angemessen belohnt werden. Denn momentan ist laut Skiba die Chance groß, Alpha zu generieren und die Gesamtrenditen für Anleiheanleger zu steigern – insbesondere für diejenigen, die Volatilitätsphasen standhalten und mittelfristig planen können.
Anleger gewöhnen sich an die Nachrichtenlage aus dem Nahen Osten
"Ob zum Guten oder zum Schlechten – die Unternehmensanleihemärkte haben weitgehend aufgehört, auf Schlagzeilen aus dem Nahen Osten zu reagieren. Der gesamte Fokus liegt auf den Gewinnen der Technologieunternehmen", merkt Skiba an.
Was deren Ertragsentwicklung angeht, gibt es nicht viel zu beanstanden. Die Daten zeigen eine zunehmende Verbreitung von KI, eine robuste Auftragslage und bislang starke Umsätze. Besorgniserregend sind Skiba zufolge jedoch die immer weiter steigenden Erwartungen an die Investitionsausgaben. Teils aufgrund der Kosteninflation, teils aufgrund des enormen Bedarfs an Datenverarbeitung beschleunigt sich der Wettlauf um Kapital zur Finanzierung der KI-Entwicklung nur noch weiter. "Die KI-bezogenen Investitionsausgaben allein könnten dieses Jahr bereits eine Billion US-Dollar erreichen und dürften 2027 sogar noch weiter steigen", prognostiziert Skiba.
Wer soll das alles finanzieren?
Dies stellt die Unternehmensanleihemärkte laut Skiba vor ein Problem. Ohne große Kapitalerhöhungen muss all dies durch interne Cashflows und Fremdkapital finanziert werden. Da die Investitionen steigen, muss Fremdkapital dabei eine immer größere Rolle spielen.
Noch zu Beginn dieses Jahres nahmen Anleger positiv auf, dass Hyperscaler neben dem US-Dollar-Markt auch andere Märkte zur Finanzierung ihrer Projekte erschlossen. Willkommen war zum Beispiel Googles umfangreiche Kapitalerhöhung.
Seitdem sind jedoch die Sorgen bezüglich der weiter steigenden Investitionsbudgets zurückgekehrt. Andere Hyperscaler folgten dem Beispiel von Google nicht. Stattdessen fluten sie den Markt mit großen Anleihe-Emissionen zusätzlich zu den hochvolumigen Krediten für spezifische Rechenzentrumsprojekte und GPU-Finanzierungsvehikeln.
Anleihenmarkt fordert höhere Risikoprämien
Das hat jüngst zu einem Ausverkauf von Anleihen mit KI-Bezug geführt – sowohl im Investment-Grade- als auch im High-Yield-Segment. Die Emittenten sind gezwungen, höhere Zinsen zu bieten, um ihre Neuemissionen zu platzieren, was wiederum zu einer Neubewertung der Spreads bestehender Anleihen führt. Dieser Prozess wird noch eine Weile andauern, da die Pipeline für Neuemissionen noch lang ist.
"Wir erwarten in Zukunft längere Phasen erhöhter Volatilität bei Vermögenswerten mit KI-Bezug. Im Rückblick wird die Zeit wahrscheinlich als historisch einmalige Gelegenheit gesehen werden, hochwertige Vermögenswerte zu attraktiven Bewertungen zu erwerben und für eine gründliche Bonitätsprüfung belohnt zu werden, bei der sich die Spreu (der Verlierer) vom Weizen (der Gewinner) trennte", schreibt Skiba abschließend. (aa)

