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Hochkarätig besetzte bAV-Tagung des Eberbacher Kreises

Ökonomie-Nobelpreisträger Robert Merton und Georg Kell, Founding Executive Director des „UN Global Compact“-Programms sprachen am 6. Juni 2019 in Berlin über die Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung (bAV).

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Robert Mertons Referat anlässlich der Tagung des Eberbacher Kreises war Inspiration für viele Teilnehmer. 
© Eberbacher Kreis

Die Sozialpartnermodelle kommen näher. Aber noch wird in Verbänden und Unternehmen über die neuen Möglichkeiten des Betriebsrenten-Stärkungsgesetzes diskutiert. Bisher haben die Sozialpartner noch kein betriebliches Altersvorsorge-Modell nach dem neuen Gesetz in die Praxis gehoben. Da sich in der Vergangenheit nur Wenige in den Reihen der Tarifparteien mit Altersversorgungs- und Kapitalanlagefragen befasst haben, besteht weiterhin großer Informationsbedarf. Um hier weiter zu informieren, fand am 6. Juni 2019 in Berlin das Tagesseminar zum Thema Sozialpartnermodell statt, organisiert vom Eberbacher Kreis. Dieser wurde am 22. September 2016 von einer Gruppe Rechtsanwälte gegründet, die sich schwerpunktmäßig mit der betrieblichen Altersversorgung befassen. 

Als Sprecher des Eberbacher Kreises begrüßte Dr. Marco Arteaga die gut 70 Teilnehmer: „Es ist das erste Mal, dass wir in Deutschland ein kapitalgedecktes betriebliches Pensionssystem ohne Garantien haben, wir betreten also Neuland!“

Ziel eines inflationsgeschützten, lebenslangen Einkommensstroms
Ökonomie-Nobelpreisträger Prof. Robert Merton vom MIT Sloan School of Management, der zahlreiche Regierungen beim Aufbau ihrer kapitalgedeckten Alterssicherungssysteme berät, stellte seine Überlegungen zum neuen, deutschen Vorsorge-Modell an. „Ziel des neuen Systems sollte sein, ein inflationsgeschützes, lebenslanges Einkommen zu erzielen, dass es dem Empfänger erlaubt, den Lebensstandard zu halten, den er in den letzten Jahren seines Erwerbseinkommens genießen konnte.“ Die Teilnehmer von den Pensionskassen und Versicherungen staunten nicht schlecht angesichts dermaßen hochgesteckter Ziele, denn ihnen erscheinen die Nominal-Garantien, die sie in der Vergangenheit abgegeben hatten, schon anspruchsvolles Ziel genug. Merton fuhr fort, dass ein brauchbares Pensionssystem außerdem bis zum Ende flexibel sein müsste, da sich Mitglieder im Regelfall erst kurz vor Renteneintritt über den genauen Zeitpunkt und die genauen Bedürfnisse im Lebensabschnitt des Rentner-Daseins im Klaren würden. Um die Flexibilität zu gewährleisten, müsse jedes Mitglied sein eigenes Mitglieds-Konto und seine eigene Portfolio-Aufteilung haben: "Eine Summen-Mitteilung hilft nicht. Die Menschen müssen wissen, welches monatliche Einkommen sie erreichen", so Merton.

Neue Verordnung in den USA soll über Einkommensstrom informieren
Wie die Kapitalanlage dann ausgestaltet werden muss, richte sich am Ziel des inflations-geschützen, lebenslange Einkommens aus. „Eine Aufteilung von z.B. 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Renten ist kein Ziel, sondern lediglich ein Prozess, der helfen soll, das Ziel zu erreichen“, findet Merton. Er erklärte außerdem: „Selbst gut ausgebildete Menschen könnten sich bei Nennung einer großen Geld-Summe nicht vorstellen, welcher lebenslange Einkommensstrom damit möglich ist.“ Daher sei in den USA eine neue Verordnung auf den Weg gebracht worden, dass man den Inhabern von 401-k-Plänen nicht nur die aktuell angesparte Summe mitteilt, sondern auch die Höhe des lebenslangen Einkommens, die damit ermöglicht ist.

Was passiert bei Zielverfehlung?
Wenn sich vor dem geplanten Renten-Eintritt abzeichne, dass das Ziel nicht erreich bar ist, gebe es im Prinzip nur drei Möglichkeiten: a) mehr ansparen, b) länger arbeiten oder c) höhere Investment-Risiken eingehen. „Es bringt nichts, das zu leugnen, und die Menschen können heute auch länger arbeiten, denn sie sind länger gesund“, meint Merton. „Wir sollten unsere Zeit nicht mit Dingen verschwenden, die wir ohnehin nicht ändern können!“ Daher sollte man Menschen nicht im Glauben lassen, sie könnten frühzeitig in Rente gehen und trotzdem dieselbe Rente erwarten.

Integration von ESG-Zielen stellt große Opportunität dar
Georg Kell, Chariman bei ArabesqueAsset Management und Founding Executive Director des „UN Global Compact“-Programms sprach darüber, dass die Erreichung von ESG-Zielen bei der Kapitalanlage für Altersvorsorge-Ziele stark datengetrieben sind. „Diejenigen Unternehmen, die sich flexibel an die neuen Gegebenheiten anpassen, werden am ehesten überleben“, erklärte Kell. Daher stelle die Integration von ESG-Zielen eine große Opportunität dar und würde der Erreichung der finanziellen Performance keinesfalls im Wege stehen. Profitabel müsste Kapitalanlage schließlich sein. Big Data und der technologische Fortschritt würden die Bemühungen unterstützen, insbesondere sei damit eine Mikro-Individualisierung zu niedrigen Kosten möglich.

PEPPs als Lösung des Pension-Gaps
„Wir haben weltweit ein Pension-Gap-Problem“, erklärte Sandra Hack, Principal Expert Financial Stability bei der EIOPA, „und wir haben darüber hinaus einen Gender-Pension-GAP“. Daneben müssen man auch Arbeitslosigkeit und unterbrochene Karrieren berücksichtigen, die es derzeit insbesondere in den südlichen Ländern Europas gebe. „Ohne entsprechendes Funding wird es keine guten Renten geben“, so Hack, „denn wir können keine Renten aus der Luft bezahlen.“ Man brauche daher unbedingt Produkte, denen die Verbraucher vertrauten. Als eine mögliche Lösung sieht sie die neu ins Leben gerufenen PEPPs an. „Bei PEPPs handelt es sich um standardisierte Produkte. Sie sollen ein Default-Produkt werden und migrationsfähig sein.“

Shock-Absorber nötig
Trotzdem darf die Frage nach auskömmliche Renten nicht vernachlässigt werden. Um diese zu erwirtschaften, könne man langfristig nicht auf Aktien-Investments verzichten, erklärt Prof. Oskar Goecke von der TH Köln. „Die Aktien-Risikoprämie beträgt im langfristigen Schnitt etwa 4,0 Prozent, während z.B. Government Bonds in den USA inflationsbereinigt gar nichts gebracht haben“, zeigt Goecke anhand historischer Zahlen. Da dann aber die Gefahr bestehe, dass es kurz vor Rentenbeginn eines Individuums einen Aktien-Crash gebe, müsste man die Systeme resilient aufstellen, anstatt sie durch Garantien unflexibel zu machen. Als Lösung nannte er das System einer Talsperre, also Shock-Absorber, sprich: Puffer, die in guten Zeiten auf- und in schlechten abgebaut werden könnten.

Inflation sollte man in der Kapitalanlage berücksichtigen
Wolfgang Murmann, Head of Solutions bei dem Asset Manager Insight Investment, setzte sich ebenfalls damit auseinander, wie man die Risiken in den Griff bekommen könnte. „In der Ansparphase bieten sich Multi-Asset-Strategien an“, meint er, und in der Entspar-Phase ließen sich Langlebigkeits-Risiken womöglich an Rückversicherer übertragen, die sich wiederum über die Absicherung von Pandemie-Risiken hedgen könnten. Die Inflation müsse hingegen in der Kapitalanlage berücksichtigt werden, beispielsweise durch inflationsgeschützte Anleihen, Inflations-Swaps oder Real Asset-Investments.

Kapitalismus gutes Beispiel für ein ultrastabiles System
Dr. Andreas Beck, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Index Capital, hält hingegen nicht viel von Multi-Asset-Strategien. „Da man hier in sehr kurzfristigen Risikobudgets denkt, kostet die Risikoreduktion unglaublich viel Rendite“, gibt Beck zu bedenken. Nach seinen langfristigen Zahlen brachten die am Markt befindlichen ausgewogenen Produkte 75,7 Prozentpunkte weniger Rendite als die Benchmark. Seiner Meinung nach müsse man daher für so langfristige Ziele wie das der Altersvorsorge auf „ultrastabile Systeme“ setzen, also auf Systeme, die sich unter Stress selbst stabilisierten. „Der Kapitalismus ist ein Beispiel für ein ultrastabiles System. Der Grund dafür ist die treibende Kraft der Unternehmer“, erklärt Beck. Seinen Untersuchungen zufolge bestehen die sichersten langfristigen Portfolios zu 80 Prozent aus Aktien, die allerdings nicht nach der Marktkapitalisierung gewichtet sein dürften, da man sonst in Blasen hineinlaufe. Die verbleibenden 20 Prozent könne man dann in sichere Anleihen investieren.

Ähnlich sieht das Christoph Kanzler, der die Niederlassung von Dimensional Fund Advisors in Deutschland leitet. „Viele Menschen in Deutschland können kurzfristige Schwankungen nicht von langfristigen Risiken unterscheiden und glaube, der Kapitalmarkt sei etwas Schlechtes“, meint er. „Dabei sind die Deutschen gar nicht so risikoadvers wie man ihnen nachsagt – sie spielen ja auch Lotto, wo die Gewinn-Wahrscheinlichkeit eher negativ ist“, gibt Kanzler zu bedenken. Man solle die deutschen Bürger unbedingt ermutigen, sich breit am Kapitalmarkt zu beteiligen.

Administrations-Alpha durch Kostentransparenz
Frank Vogel, Vorsitzender der Geschäftsleitung der KAS Bank in Deutschland, plädiert für absolute Kostentransparenz als integralen Bestandteil der bAV-Governance. „Nach den Erfahrungen, die wir in den Niederlanden gemacht haben, führt Kostentransparenz zu massiven Kostensenkungen. Diese wiederum sorgen für ein Administrations-Alpha.“ Die KAS Bank bietet einen Kostenvergleich an und möchte dadurch auch in Deutschland Wettbewerbstreiber sein.

Thema ESG politisch stark aufgeladen
Um das Thema ESG ging es in dem Vortrag von Dr. Oliver Roll, Niederlassungsleiter von Pareto Asset Management. Er sei auf keinen Fall ein Klimawandel-Leugner, sieht aber kritisch, dass das Thema ESG politisch stark aufgeladen sei. Es bestehe ein ungeheurer Konsens, dass eine Rettung des Planeten Erde notwendig und dies durch gutes menschliches Agieren möglich sei. Dieser werde als Rechtfertigung genutzt, den Altersvorsore-Einrichtungen eine ESG-Regulierung aufzubürden. Das Themengebiet ESG sei aber so komplex, dass Roll zu dem Schluss kommt, dass kein Mensch auf dieser Welt das Thema in allen Einzelheiten überblicke. Ob man daher den Altersvorsorgesystemen diese Komplexität hinzufügen sollte, stellt er als Frage in den Raum.

Als letztes Thema wurde die Beteiligung der Tarifparteien an der Durchführung und Steuerung der tariflichen bAV angesprochen, und zwar von den Rechtsanwälten Christian Freiherr von Buddenbrock und Dr. René Döring, die beide dem Eberbacher Kreis angehören.

Schon allein diese Zusammenfassung zeigt, wie facettenreich die Umsetzung des Betriebsrenten-Stärkungsgesetzes ist. Auf die ersten Praxis-Umsetzungen sind wohl alle sehr gespannt. (ad)

 

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