Hiobsbotschaft: Wichtige Branche warnt vor Produktionskürzungen
Die deutsche Chemiebranche befürchtet Produktionskürzungen wegen des Iran-Kriegs. Das ist für Investoren wichtig: Weil die Chemiebranche ist ein Frühindikator für die Konjunkturentwicklung.

Eckpunkte:
- Die deutsche Chemiebranche warnt vor Produktionskürzungen
- Es droht eine Rückkopplungsschleife aus steigenden Kosten und sinkender Verfügbarkeit
- Das hat Auswirkungen auf die Inflation und die Konjunktur
- Im Worst Case befeuert das stagflationäre Tendenzen
Deutschlands Chemieindustrie befürchtet, dass die Schockwellen des Iran-Kriegs zunehmend auf den Sektor hierzulande übergreifen. Mehrere Unternehmen haben bereits ihre Produktion gedrosselt, da Lieferketten ins Stocken geraten und die Energiepreise in die Höhe klettern.
Steigende Kosten würden inzwischen durch Störungen globaler Schifffahrtsrouten verschärft, über die wichtige Rohstoffe und Komponenten transportiert werden, wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) auf seiner Jahrespressekonferenz in Frankfurt mitgeteilte.
Fehlentwicklungen
“Es gibt eine Spirale, die sich in die falsche Richtung dreht, und wir können nur hoffen, dass sie schnell endet”, sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup vor Journalisten und verwies auf einen sich verstärkenden Preis- und Versorgungsschock infolge des Konflikts. “Je länger er dauert, desto stärker werden die Auswirkungen sein.”
Die Chemiebranche ist ein wichtiger Bestandteil bei Alltagsprodukten - von der Automobilherstellung bis hin zu Pharmazeutika und Landwirtschaft - und gerät von mehreren Seiten unter Druck. Die europäischen Gaspreise sind ein zentraler Faktor für die Herstellung von Ammoniak und stickstoffbasierten Düngemitteln und seit Ausbruch des Krieges um mehr als 50 Prozent gestiegen. Zudem bremst der Krieg inzwischen die Produktion von Komponenten in Asien und droht damit, Fertigungslinien in Deutschland zu stören.
Teufelskreis
Asiatische Petrochemieunternehmen kämpfen mit knappen Naphtha-Lieferungen (einem Erdölderivat zur Herstellung von Kunststoffen, Lösungsmitteln und anderen chemischen Grundstoffen). Sie haben ihre Produktion gedrosselt und damit Engpässe weiter entlang der Lieferkette verschärft. Das Ergebnis: eine Rückkopplungsschleife aus steigenden Kosten und sinkender Verfügbarkeit, die sich über verschiedene Branchen hinweg ausbreitet.
Der VCI vertritt mehr als 1.900 Unternehmen aus der Chemie-, Pharma- und verwandten Branchen – von globalen Schwergewichten wie BASF, Bayer und Evonik bis hin zu Hunderten von kleinen und mittelständischen, familiengeführten Herstellern. Zusammen beschäftigt die Branche rund 480.000 Menschen in Deutschland und stellt einen der größten industriellen Exportsektoren des Landes dar, womit sie als Gradmesser für die wirtschaftliche Verfassung gilt. (aa)

