High Yields: Ob sich das Eingehen höherer Risiken derzeit auszahlt
Der Leiter Hochzinsanleihen bei Mediolanum International Funds analysierte das derzeitige Marktumfeld im Bereich High Yield Bonds und arbeitet heraus, ob Investoren für eingegangene Risiken ausreichend hoch entschädigt werden und wo allfällige Ausfälle drohen.

Eckpunkte:
- Auch wenn die absoluten Renditen von High Yield Bonds attraktiv erscheinen, sind die Spreads zu niedrig, um für die eingegangenen Risiken zu entschädigen
- Viele Branchen stehen durch die KI-Ausrollung unter Druck
- Automobilhersteller sind ebenfalls gefährdet
- Probleme aus dem Segement Private Debt könnte auch Public Credit beeinflussen
- Investoren sollten noch genauer auf das Emittentenrisiko achten
Auf den ersten Blick sehen Hochzinsanleihen für viele Marktteilnehmer attraktiv aus: Rund 7,0 Prozent Rendite in US-Dollar und etwa 5,5 Prozent in Euro sind Niveaus, die viele Anleger anziehen. Doch der Schein trügt, meint Martin Reeves, Leiter Hochzinsanleihen bei Mediolanum International Funds: "Die Kompensation für das eingegangene Risiko ist begrenzt, und schon ein normaler Ausfallzyklus könnte den Ertrag weitgehend aufzehren. Gerade in einem solchen Umfeld kann die Jagd nach den höchsten Renditen gefährlich sein."
Wenn die Sorge vor steigenden Ausfällen zunimmt, weiten sich die Risikoaufschläge am Markt für Hochzinsanleihen aus. Besonders stark unter Druck geraten dann häufig jene Anleihen, die zuvor vor allem wegen ihrer hohen Rendite attraktiv wirkten. Doch wie wahrscheinlich sind Ausfälle und welche Strategien sollten Anleger bevorzugen? Diesen Fragen geht Reeves in einem aktuellen Marktkommentar nach.
Ausfallraten könnten vielerorts steigen
Auf den ersten Blick wirkt das Umfeld Reeves zufolge nicht dramatisch. Die Ertragslage vieler Unternehmen zeigt sich bislang stabil, und auch das US-Wachstum bleibt solide.
Dennoch nehmen laut Reeves die Risiken zu: Höhere Energiepreise belasten Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen, während Europa wirtschaftlich hinter den Erwartungen zurückbleiben könnte. "Das wahrscheinlichste Szenario ist daher keine breite Rezession, sondern eine Phase schwächeren globalen Wachstums", prognostiziert Reeves.
In einem solchen Umfeld dürften die Ausfallraten zwar steigen, sich aber auf bestimmte Ratingsegmente und Sektoren konzentrieren. Besonders anfällig erscheinen schwächere Ratingsegmente wie B und CCC sowie Unternehmen, deren Geschäftsmodelle stark von günstiger Finanzierung, hohen Wachstumserwartungen oder dauerhaft optimistischen Kapitalmärkten abhängen. "Entscheidend ist damit nicht nur, ob die Ausfallraten steigen, sondern welche Art Unternehmen betroffen sind. Der Markt dürfte stärker zwischen robusten und anfälligen Geschäftsmodellen unterscheiden. Für Anleger wird die Auswahl einzelner Emittenten wichtiger als eine pauschale Allokation in Hochzinsanleihen", erwartet der Fondsmanager.
Risikofaktor KI-Euphorie
Die Euphorie rund um Künstliche Intelligenz (KI) zeigt sich längst nicht mehr nur an den Aktienmärkten. Sie reicht Reeves zufolge inzwischen auch in die Finanzierung der notwendigen Infrastruktur hinein: Selbst Unternehmen mit High-Yield-Rating können derzeit Kapital für Rechenzentren aufnehmen – die Dimensionen sind jedoch historisch ungewöhnlich und die künftigen Erträge noch unsicher. "Das erinnert in Teilen an die Finanzierungsdynamik während der Dotcom-Blase zu Beginn des Jahrtausends", blickt der erfahrene Fondsmanager zurück.
Doch selbst wenn es im KI-Sektor keine deutliche Korrektur gäbe, verändert die Technologie bereits ganze Geschäftsmodelle. Der Zugang zu sehr günstigen Coding-Kapazitäten setzt vor allem den Softwaresektor unter Druck. "Schon die bloße Sorge vor höheren Risiken kann ausreichen, um Anleihen mit einem schwächeren Rating unter Druck zu setzen und die Refinanzierung für anfällige Emittenten deutlich zu erschweren", merkt Reeves an.
Struktureller Druck auf einzelne Branchen führt zu neuen "Fallen Angels"
Neben makroökonomischen Risiken tritt struktureller Wandel stärker in den Vordergrund. "Veränderte Konsumgewohnheiten, etwa der Trend zu gesünderer Ernährung, könnten große Hersteller stark verarbeiteter Lebensmittel belasten. Auch Papierunternehmen und Personaldienstleister stehen unter Druck, letztere zusätzlich durch die Folgen Künstlicher Intelligenz", warnt Reeves.
Solche Entwicklungen könnten eine Welle an Fallen Angels auslösen, also Herabstufungen von Investment Grade-Emittenten in den hochverzinslichen Bereich. Einige dieser Anleihen könnten nach der Herabstufung attraktive Chancen bieten. Andere dürften dagegen eher fallenden Messern gleichen.
Automobilhersteller unter Druck
Besonders deutlich zeigen sich strukturelle Risiken im Automobilsektor. Die traditionellen Hersteller stehen besonders unter Druck durch technologischen Wandel, die Energiewende, Zollkonflikte und veränderte globale Handelsströme. Sollten chinesische Autobauer einen ähnlichen Erfolg erzielen wie japanische Hersteller vor einigen Jahrzehnten, dürften Verbraucher profitieren – nicht jedoch die Bilanzen vieler etablierter Hersteller.
Private Credit: Begrenztes Risiko oder systemischer Belastungsfaktor?
Ein weiterer Risikofaktor ist Reeves zufolge das starke Wachstum von Private Credit. Viele schwächere Unternehmen – auch aus dem Software-Bereich – sind heute nicht nur über Anleihen, sondern auch über Private Credit und Leveraged Loans finanziert. Zugleich findet sich die Anlageklasse zunehmend in Fondsstrukturen und auf den Bilanzen einiger Versicherer. Steigen dort die Ausfälle, könnte dies die Risikobereitschaft im breiteren Markt für Unternehmensfinanzierungen belasten.
Da Private-Credit-Anlagen nicht laufend an liquiden Märkten gehandelt werden, reagieren ihre Bewertungen oft erst verzögert auf steigende Risiken. Viele Positionen bleiben nahe pari, solange keine konkreten Ausfälle eintreten. Dadurch können Verluste lange verdeckt bleiben und erst spät sichtbar werden. Sollte sich zeigen, dass Private-Credit-Anlagen stärker nach Marktpreisen bewertet werden müssten, würde dies ihren ursprünglichen Reiz infrage stellen.
Ohne einen deutlichen Konjunkturabschwung dürften die Probleme zwar auf das Segment begrenzt bleiben. Für einzelne Investoren und Versicherungsbilanzen könnten sie dennoch schmerzhaft werden. Gleichzeitig könnte eine solche Entwicklung dazu führen, dass Anleger wieder stärker auf handelbare Anleihen setzen.
Reeves empfiehlt: Qualität vor Renditejagd
Hochzinsanleihen bieten derzeit laut Einschätzung von Reeves nur eine begrenzte Kompensation für die wachsenden Risiken. Der Ausblick für die Ausfallraten ist zwar nicht dramatisch, aber die Zahl potenzieller Belastungsfaktoren nimmt zu. "Für Anleger ist dies ein anspruchsvolles Umfeld. Jetzt braucht es Erfahrung, Sektorverständnis und eine sorgfältige Emittentenauswahl", bricht der Fondsmanager eine Lanze für aktives Management.
Qualitativ stärkere High-Yield-Emittenten dürften diese Phase vergleichsweise gut überstehen und angemessene Erträge liefern. Die größeren Risiken liegen dagegen in den Segmenten B und CCC, wo Volatilität zunehmen und Kurse unter Druck geraten könnten. "Gleichzeitig könnte genau diese Entwicklung den Boden für spätere Chancen bereiten. Wenn Angst Anleger dazu bringt, auch überlebensfähige Anleihen zu verkaufen, könnten sich 2027 wieder deutlich attraktivere Einstiegsmöglichkeiten eröffnen. Bis dahin gilt: Im Markt für hochverzinsliche Anleihen kann weniger Rendite der bessere Weg sein, um langfristig mehr zu erhalten", erklärt Reeves abschließend. (aa)




