Logo von Institutional Money
Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

Märkte

| Märkte
twitterlinkedInXING

Helaba-Chefvolkswirtin: Sanktionen schaden mehr als sie nützen

Warum die Sanktionen gegenüber Russland nur eingeschränkt wirken und auf längere Sicht sogar die dortigen Demokratiebewegungen unterminieren, erläutert Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin/Head of Research & Advisory bei der Helaba.

Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin/Head of Research & Advisory, Helaba
Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin/Head of Research & Advisory, Helaba
© Landesbank Hessen-Thüringen

Seit dem 24. Februar beherrscht der Ukraine-Krieg die Schlagzeilen – aber auch unseren Alltag. Die Finanzmärkte sind nervös, die vorher schon hohen Inflationsraten scheinen nur noch eine Richtung zu kennen und steigende Öl- und Gaspreise führen zu sozialen Spannungen. Deutschland bewegt sich am Rande einer Rezession. Die Angst vor einem schweren konjunkturellen Einbruch und Frieren im Winter geht bei Sommertemperaturen von über 30 Grad in Deutschland um, beschreibt Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin/Head of Research & Advisory bei der Helaba, die aktuelle Lage.

Russland ist zu groß, um es zu isolieren
Während sich die Effekte des Ukraine-Krieges bei uns immer deutlicher zeigen, sind die Auswirkungen von Krieg und Sanktionen für die russische Wirtschaft deutlich geringer als anfangs erwartet, hält Traud fest.

Einerseits war Russland gut auf den Krieg vorbereitet, andererseits ist das größte Land in der Welt viel weniger isoliert als die westlichen Länder vermutet bzw. gehofft hatten. Zwar haben seit Kriegsbeginn bis Ende Mai über 1.000 westliche Unternehmen ihre Geschäftsaktivitäten in Russland reduziert, ausgesetzt oder beendet. "Diejenigen, die ihre Zelte in Russland ganz abgebrochen haben, waren vermutlich froh, wenn sie überhaupt noch etwas für ihre Liegenschaften bekommen haben. Wer hier profitiert hat, ist leicht zu erraten", erklärt Traud.

Sanktionen stärken Pro-Putin-Stimmung
Die russische Industrieproduktion ist im April eingebrochen, aber zumindest bisher noch nicht so stark wie in der globalen Finanzkrise 2009. Festzustellen ist allerdings, dass gut ausgebildete russische Fachkräfte vermehrt das Land verlassen. Grundsätzlich schwächt dies zwar das langfristige Wachstumspotenzial, es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass das aktuelle Regime dadurch sogar noch gestärkt wird.

Wie kann das sein? In der westlichen Welt herrschte ziemlich schnell Einigkeit darüber, dass umfassende Sanktionen ein wirksames Mittel seien, um den Krieg in der Ukraine zu beenden. Die Verknappung von Importgütern hat das Land – zumindest bislang – aber noch nicht so stark destabilisiert, wie vormals erwartet.

Vielmehr ist laut Traud festzustellen, dass sich die Pro-Putin-Stimmung verstärkt und nicht auszuschließen ist, dass die inländischen Anbieter von Ersatzprodukten profitieren, insbesondere, wenn diese regimetreu sind.

China und Indien schauen nur auf ihren eigenen Nutzen
Auch seit Traud zufolge zu beobachten, dass der Handel mit Drittländern sogar noch zunimmt. China wird am Bau der Gaspipeline „Power of Siberia 2“ festhalten und verbittet sich Einmischungen von außen in das chinesisch-russische Verhältnis.

Indien hat seine Ölimporte aus Russland zuletzt deutlich ausgeweitet. Die Angst vor weiteren Sanktionen bzw. Vergeltungsmaßnahmen Russlands hat die Energiepreise – auch bei uns – in die Höhe getrieben und die Energieeinnahmen Russlands sind nunmehr höher als zuvor.

Entwicklungsländer vielfach prorussisch eingestellt
Russland ist für die Welt nicht nur ein wichtiger Energie-, sondern auch Weizenlieferant. Gerade die ärmsten Länder, die von russischen Lieferungen abhängig sind, verhalten sich tendenziell prorussisch. Die Gefahr einer Ernährungs- und Wirtschaftskrise in diesen Ländern wird indirekt durch die Sanktionen erhöht. Der Anstieg der Weizenpreise ist ein deutliches Signal.

Fachkräfte - und damit die westlich orientierten Bürger - verlassen Russland
Je stärker die Sanktionen sind, desto mehr wird es „alternative“ Wege der Versorgung geben, angefangen von Schmuggel bis zu Zuteilungen über das Regime. Beides sollte tendenziell die Zusammenarbeit der Bevölkerung mit dem Regime erhöhen. Die Bereitschaft für „die Sache zu leiden“ sowie eine ablehnende Haltung gegenüber dem Westen sollte entsprechend eher zu- als abnehmen. Regimegegner werden vermutlich das Land verlassen. Nicht unwahrscheinlich ist, dass die oben genannten Fachkräfte dieser Gruppe zu zuordnen sind. "Wie soll dann eine hoffentlich bald anbrechende Zeit nach dem Krieg konstruktiv gestaltet werden können?", fragt Traud vollkommen richtig.

Der Westen hat die Verletzlichkeit Russlands über- und die Bedeutung seiner Rohstoffe für die Welt unterschätzt. Es sei Traud zufolge an der Zeit, zu erkennen, dass der Krieg in der Ukraine nicht mit Sanktionen gewonnen werden kann. "Darüber hinaus schaden diese uns und großen Teilen der Welt mehr als dem Land, gegen das sie eigentlich gerichtet sind", betont Traud abschließend. (aa)

 

twitterlinkedInXING

News

Institutional Money Kontakt
Logo von Institutional Money
Institutional Money
c/o FONDS professionell Multimedia GmbH, Landstrasser Hauptstraße 67, EG/Hof, 1030 Wien

Telefon: +43 1 815 54 84-0
Fax: +43 1 815 54 84-18
E-Mail: office@institutional-money.com

Redaktion Köln:
Hohenzollernring 52
50672 Köln
Telefon: +49 221 33 77 81-0
Telefax: +49 221 33 77 81-19
 Schließen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren