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Heinz-Werner Rapp: Es kommt ein neues monetäres Regime

Der Feri Cognitive Finance Institute-Chef warnt vor den Auswirkungen einer extremer Geldpolitik. Nach CoViD19 droht ein Jahrzehnt finanzieller Repression. Die Monetisierung von Staatsschulden wird neue Normalität, Zentralbanken werden die Zinskurve aktiver kontrollieren (‚Yield Curve Control‘).

Dr. Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des Feri Cognitive Finance Institute
Dr. Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des Feri Cognitive Finance Institute
© Feri

Investoren müssen sich auf ein verändertes Umfeld einstellen, es drohen sogar "Exzesse". Denn laut Einschätzung des Feri Cognitive Finance Institute wird die Corona-Krise zu weiteren Exzessen der ohnehin extremen globalen Geldpolitik führen. Investoren drohe damit ein Jahrzehnt verschärfter finanzieller Repression. „Wir erleben derzeit im Zuge von CoViD19 den Übergang in ein neues monetäres Regime: Krisenbedingt explodierende Staatschulden werden direkt von den jeweiligen Notenbanken finanziert, also monetisiert“, sagt Dr. Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des Feri Cognitive Finance Institute. Dieser bewusste Missbrauch der Geldpolitik für die offene monetäre Finanzierung staatlicher Lasten (Overt Monetary Finance/OMF) sei nur der Anfang: „Wir erwarten für die nächste Zeit noch deutlich aggressivere Schritte, darunter auch eine gezielte Kontrolle langfristiger Kapitalmarktzinsen“, so Rapp.

Notenbankbilanzen werden immer aufgeblähter
Bereits zur Überwindung der Großen Finanzkrise habe die Mehrzahl der großen Notenbanken massive Wertpapierkäufe getätigt (Quantitative Easing), jeweils finanziert mit neu gedrucktem Zentralbankgeld. „Das hat zu einer enormen Aufblähung vieler Notenbankbilanzen geführt“, erklärt Rapp. Diese hätten sich seit 2008 in etwa verfünffacht, in Einzelfällen (England, Schweiz) sogar weitaus stärker. „Durch die Corona-Krise wird sich diese extreme monetäre Verwässerung nochmals massiv verstärken. Allein die US-FED wird rund fünf Billionen US-Dollar neues Geld schöpfen und ihre Bilanz in kurzer Zeit erneut mehr als verdoppeln“, erklärt Rapp.

Märkte könnten Vertrauen verlieren und höhere Zinsen fordern
Die entfesselte Politik großer Notenbanken berge inzwischen ernste Risiken für die Stabilität ganzer Finanzsysteme. Eine CoViD19-bedingte Explosion globaler Staatsschulden und deren Monetisierung durch Notenbanken könne die Finanzmärkte nervös machen und steigende Zinsen auslösen. Denn: „Der enthemmte Einsatz der Gelddruckmaschine weckt Zweifel an der Solidität von Währungen und erzeugt Angst vor zukünftiger Inflation“, betont Rapp.

Notenbanken können Zinssätze über die gesamte Zinskurve fixieren
Als Gegenmaßnahme könnten Notenbanken dazu übergehen, Höhe und Struktur der Zinsen am Kapitalmarkt gezielt zu kontrollieren.

Faktisch bedeute dies ein striktes Einfrieren der Marktzinsen auf sehr tiefen Niveaus. Eine solche Politik der ‚Yield Curve Control‘ sei in Japan längst Realität und seit kurzem auch in Australien installiert.

Andere Notenbanken, speziell die US-FED, könnten sich bald anschliessen, zumal die USA diesen Weg schon früher beschritten hätten. „Letztlich bedeutet dies in den kommenden Jahren eine anhaltende Verschärfung finanzieller Repression und ein noch restriktiveres Umfeld für Investoren“, so das Rapps Fazit. (aa)

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