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HCOB (Ex-HSH-Nordbank) schrumpft Bilanz, passt Ziele an

Die Hamburg Commercial Bank (HCOB) will ihre Bilanzsumme um mehr als ein Drittel schrumpfen und ihr Kapitalpolster aufbessern, um sich auf einen konjunkturellen Abschwung und mögliche Fusionen in Deutschland vorzubereiten.

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Stefan Ermisch, CEO der Hamburg Commercial Bank (HCOB)
© HSH Nordbank

“Wir wollen mehr freies Kapital haben und zugleich weniger Kapital im operativen Geschäft binden”, kündigte der Chef der ehemaligen HSH Nordbank, Stefan Ermisch, gegenüber Bloomberg an. “Wir verringern bewusst das Neugeschäft in einigen Bereichen, wie bei der Finanzierung von Gewerbe-Immobilien und verkaufen werthaltige Portfolien, was sich dann auch in einer geringeren Bilanzsumme niederschlagen wird.”

Weniger Neugeschäft
Das Neugeschäft dürfte laut Ermisch in diesem Jahr bei etwa sieben Milliarden Euro liegen, für 2020 erwarte er aber nur noch eine Sechs vor dem Komma. “Jetzt ist die Zeit, einfach mal die Füße stillzuhalten“, sagte er. “Das Ausfall-Risiko von Krediten ist in vier Jahren größer, als es vor vier Jahren war.”

Schrumpfende Bilanzsumme, höhere Kernkapitalquote
Ermisch will die Bilanzsumme bis Ende 2022 um 40 Prozent auf rund 30 Milliarden Euro verringern. Im Sommer war die HCOB noch von mittelfristig etwa 45 Milliarden Euro ausgegangen. Zugleich korrigierte Ermisch das Ziel für die CET1-Quote von 16 Prozent oder höher auf rund 20 Prozent nach oben. Bei der Kosten-Ertrags-Quote zeigt sich die Bank jetzt weniger ehrgeizig und peilt statt unter 40 Prozent nun einen Wert im mittleren 40Prozent-Bereich an.

Erste privatisierte Landesbank
Die HCOB wurde im vergangenen Jahr als erste Landesbank in Deutschland privatisiert und an ein Konsortium um Cerberus Capital Management LP und J.C. Flowers verkauft. Das Institut war nach der Finanzkrise vom Staat gerettet worden, weil es sich mit Schiffskrediten verspekuliert hatte. 2016 hatte die EU-Kommission die Alt-Besitzer Hamburg und Schleswig-Holstein dazu verpflichtet, die Bank zu verkaufen.

“Weil wir weniger Neugeschäft machen und unprofitable Geschäfte wie zum Beispiel den klassischen Kunden-Anleihehandel herunterfahren, wird auch zwangsläufig die Belegschaft kleiner, beispielsweise im Risk-Office und Front-Office”, sagte Ermisch. Bis Ende 2021 will er die Belegschaft auf 710 Mitarbeiter verkleinern, nachdem er zuvor noch von 950 ausgegangen war.

Flurbereinigungen
Im Zuge ihres Umbaus hat die Bank laut Ermisch jüngst auch einige ihrer Immobilien in Hamburg und Kiel verkauft. Abgegeben wurde zudem das Wealth Management, in dem zuletzt eine Milliarde Euro verwaltet worden seien. “Das war nicht Fisch und nicht Fleisch”, sagte er.

Abhängigkeit vom deutschen Krediten verringern
Gleichzeitig drängt die Bank, die einen Großteil ihres Kreditbestands im Heimatland hat, in neue Geschäftsbereiche. So wurde jetzt eine Einheit mit dem Namen “Diversified Lending” gegründet. “Hier geht es darum, unseren Kreditbestand deutlich zu diversifizieren und somit auch weniger abhängig vom reinen Deutschlandgeschäft zu sein. Mittelfristig soll das Geschäft hier ein Volumen von ein bis zwei Milliarden Euro pro Jahr haben”, erklärte Ermisch.

Fusionswelle rollt an
Ermisch geht davon aus, dass die deutsche Bankenbranche vor einer Fusions- und Übernahmewelle steht, bei der auch der HCOB eine Rolle zukommen könnte. “Wir verfolgen hier keine konkreten Ziele, wollen uns aber alle Möglichkeiten offen halten – sowohl auf der aktiven als auch auf der passiven Seite. Da gibt es keine Tabus.” (kb)

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