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Handelskonflikte eröffnen Drittländern Chancen

Die jüngsten Entwicklungen lassen vermuten, dass es zu weiteren Einfuhrzöllen der USA auf chinesische Waren kommen könnte – und umgekehrt. Diese geopolitische Entwicklung eröffnet anderen Länder die Chance, ihren Handel mit China auf- und auszubauen: Des einen Leid, des anderen Freud.

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Warren Hyland, CFA, Portfolio Manager bei Muzinich & Co. sagt: "Solange China seinen Fleisch-Bedarf wegen des Handelskonfliktes nicht in den USA deckt, können südamerikanische Länder die Lücke füllen und von steigenden Mengen und höheren Preisen profitieren."
© Muzinich & Co.

Im August 2018 meldete die Weltorganisation für Tiergesundheit den ersten Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASF) in China. Seitdem hat sich die Krankheit schnell im ganzen Land verbreitet. ASF ist eine hochansteckende Viruserkrankung von Haus- und Wildschweinen, für die es derzeit keine Impfung oder Behandlungsmöglichkeiten gibt, die aber glücklicherweise kein Risiko für die menschliche Gesundheit darstellt.

Afrikanische Schweinepest in China als Gamechanger
Es ist davon auszugehen, dass ASF gravierende Folgen für die chinesische Schweinefleischproduktion hat, die bisher 20 Prozent der globalen Fleischerzeugung ausmachte. Mit 54 Millionen Tonnen war das Land im Jahr 2018 der weltweit größte Produzent von Schweinefleisch. Das zeigt die folgende Grafik.

Weltgrößte Schweinefleischproduzenten: China liegt klar an der Spitze

"J.P. Morgan rechnet damit, dass als Folge der Epidemie die chinesische Schweinefleisch-Produktion nicht wie ursprünglich erwartet um zehn Prozent, sondern um 25 Prozent sinken wird", weiß Warren Hyland, CFA, Portfolio Manager bei Muzinich & Co., zu berichten. "Da der Verbrauch von Schweinefleisch in China mit 55,4 Millionen Tonnen einer der höchsten der Welt ist, muss das Land zusätzliche 4,2 Millionen Tonnen Schweinefleisch importieren – und zudem 2 Millionen Tonnen Hühnerfleisch und 480.000 Tonnen Rindfleisch. Dies dürfte die Weltmarktpreise nach oben treiben – und neue Chancen eröffnen für Länder, in denen Hühner- und Rindfleisch produziert wird, die wichtigsten Substitute für Schweinefleisch."

Weltweiter Verbrauch von Schweinefleisch
China liegt hier weit voran, gefolgt von der Europäischen Union.

Gute Perspektiven für Südamerika
Südamerika dürfte in Bezug auf Rindfleisch die beste Wettbewerbsposition haben, so Hyland weiter. Denn die Preise dort seien relativ günstig, und es stünden viele Tiere zur Verfügung. Die Region könnte auch davon profitieren, dass China derzeit wahrscheinlich eher aus Südamerika als aus den USA importieren dürfte.

Brasilien als vermutlicher Profiteur
Einige der größten weltweit aktiven Fleischerzeuger haben ihren Sitz in Brasilien, wie beispielsweise JBS-Friboi, Marfrig und Brasil Foods (BRF). In diesem Land gibt es mit etwa 233 Millionen Stück den größten kommerziellen Rinderbestand der Welt (in absoluten Zahlen Platz zwei nach Indien). Brasilien ist nach den USA der zweitgrößte Rindfleischproduzent (15 Prozent der Weltproduktion) und dürfte der wichtigste Exporteur bleiben. Zudem verfügt Brasilien über ausreichend Platz, um die nachhaltige Rindfleischproduktion in Weidehaltung zu steigern und so in diesem Bereich mit den USA konkurrieren zu können. Dort wird derzeit mit einem nicht einmal halb so großen Viehbestand mehr Rindfleisch produziert als in Brasilien. Die brasilianischen Produzenten könnten zudem davon profitieren, dass ihre Produktionskosten in der im Vergleich zum US-Dollar schwächeren lokalen Währung Real anfallen.

Der Ausbruch der Schweinepest in China ist tragisch, weil hunderttausende Tiere gekeult werden müssen. Aber auch für die am stärksten betroffenen lokalen Erzeuger – oft kleinere Unternehmen – sind die Folgen dramatisch. Dennoch bleibt die globale Nachfrage nach Fleisch bestehen. (kb)

 

 

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