Hamilton Lane: Datencenter teuer, Glasfaser wieder attraktiv
Infrastructure-Secondaries wachsen rasant. Am Markt zeigen sich inzwischen jedoch erste Bewertungsrisiken bei Rechenzentren, sagte Dominik von Scheven von Hamilton Lane im Interview. Gleichzeitig eröffne der Einbruch im Glasfasermarkt neue Chancen für langfristig orientierte Investoren.

Eckpunkte:
- Infrastructure-Secondaries wachsen deutlich schneller als der Gesamtmarkt
- Hamilton Lane warnt vor hohen Bewertungen bei Rechenzentren
- Glasfaser bietet nach Preisrückgängen neue Einstiegschancen
Der Markt für Infrastructure-Secondaries befindet sich nach Einschätzung von Hamilton Lane weiterhin in einer frühen, aber dynamischen Wachstumsphase. Das gehandelte Volumen liege derzeit bei rund 20 Milliarden US-Dollar und habe sich innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt. Gleichzeitig gewinne die Anlageklasse zunehmend an Bedeutung, weil institutionelle Investoren ihre Portfolios umstrukturierten.
"Wir sind fünf bis acht Jahre hinter dem Private-Equity-Markt zurück", sagt Dominik von Scheven, Managing Director Infrastructure and Real Assets bei Hamilton Lane, im Interview mit Institutional Money. "Der Markt wird weiter wachsen, weil viele Investoren ihre Infrastruktur-Portfolios neu strukturieren und ältere Positionen verkaufen."
Nach Einschätzung des Infrastrukturinvestors verschiebt sich derzeit jedoch das Kräfteverhältnis zugunsten der Verkäufer. "Wir sehen derzeit, dass die Abschläge geringer werden und Käufer zunehmend aggressivere Preise bieten." Deshalb sei das aktuelle Umfeld insbesondere für Verkäufer attraktiv: "Wenn Sie ein Verkäufer sind, ist jetzt wahrscheinlich eine gute Zeit zu verkaufen."
Rechenzentren kritisch bewertet
Besonders aufmerksam beobachtet Hamilton Lane den Boom rund um Rechenzentren. Zwar profitiere das Segment unmittelbar vom Ausbau der Künstlichen Intelligenz. Gleichzeitig nähmen viele Investoren inzwischen zu hohe Risiken in Kauf. "Wir sehen viele Bewertungen im Rechenzentrumsmarkt, mit denen wir nicht übereinstimmen. Andere Investoren gehen Risiken ein, die wir nicht eingehen würden."
Der Asset Manager investiere deshalb in bestehende Assets mit guter Visibilität. "Wir investieren normalerweise kein Geld in Teams, die lediglich Flächen für künftige Rechenzentren suchen. Wir investieren in Assets mit sichtbaren Cashflows."
Glasfaser vor Konsolidierung
Deutlich attraktiver erscheint Hamilton Lane derzeit der Glasfasermarkt. Dort seien die Bewertungen nach einer Phase überzogener Erwartungen erheblich gefallen. Viele Geschäftsmodelle hätten auf der Zahl potenziell anschließbarer Haushalte basiert, während tatsächlich angeschlossene Kunden und damit die Einnahmen deutlich hinter den Prognosen zurückgeblieben seien.
"Im Glasfasermarkt haben sich viele Investoren die Hände verbrannt, da die Nachfrage der Konsumenten weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist." Die Folge: "Die Bewertungen sind deutlich gefallen und bieten heute interessante Einstiegsmöglichkeiten beziehungsweise Konsolidierungsmöglichkeiten."
Auch bei sogenannten GP-led-Secondaries bleibt Hamilton Lane selektiv. "Wir lehnen viele GP-led-Transaktionen ab, weil wir Interessenkonflikte sehen. Man muss jeden Fall einzeln betrachten." (dv)


