Logo von Institutional Money
Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Märkte
twitterlinkedInXING

Halbjahresausblick 2022: ein Strukturbruch mit guten Folgen

Axel Cron, Chefanlagestratege bei HSBC AM in Deutschland, blickt auf die Kapitalmärkte im 2. Halbjahr und ist durchaus optimistisch. Die Zinswende in den USA und Europa werde zwar das Gefüge an den Märkten verändern, doch gerade für Aktienanleger seien die Aussichten trotz aller Turbulenzen positiv.

2018_dr._axel_cron_hsbc.jpg
Axel Cron, Chefanlagestratege bei HSBC Asset Management in Deutschland
© HSBC Global AM

„Das ist ein Strukturbruch. So etwas gab es lange nicht“: Für Dr. Axel Cron, Chief Investment Officer bei HSBC Asset Management (Deutschland), stehen die Kapitalmärkte weltweit am Beginn einer neuen Zeit. „Ein Zurück zu der Situation wie noch vor einigen Monaten wird es auf lange Sicht nicht geben. Darauf müssen sich Investoren einstellen.“

Zu Beginn des Jahres habe noch verhaltender Optimismus geherrscht
„Die Erwartung war: Die Welt nach Corona werde wie die Welt vor Corona sein.“ Doch durch den Krieg in der Ukraine habe sich die Ausgangslage verändert, so Cron. Die anhaltenden Lieferkettenprobleme, die eingetrübten Wachstumsaussichten, die hohe Inflation und die Lage an den Rohstoffmärkten haben die Stimmung an den Märkten weiter gedrückt. Hinzu komme das, was Investoren eigentlich lange erwartet haben: die Zinswende. „Doch sie kommt schneller und heftiger als gedacht.“

Zinswende verändert die Märkte
„Die Zinswende verändert das gesamte Gefüge an den Kapitalmärkten“, sagt Cron. „Aber in einem positiven Sinne.“ Negative Zinsen in wachsenden Volkswirtschaften seien eigentlich eine Anomalität. Mit der Zinswende der großen Notenbanken kehre wieder Normalität an den Märkten ein. „Aber der Markt hat sich noch nicht vollständig auf diese neue Normalität eingestellt. Bis die Folgen der Zinswende in allen Verästelungen der Finanzmärkte ihren Niederschlag gefunden haben, wird noch etwas Zeit vergehen.“ Doch die Auswirkungen seien bereits jetzt zu sehen.

Das gesamte Zinsgefüge ist bereits angestiegen
Zehnjährige US-Staatsanleihen übertreffen aktuell die erwartete Inflation. „Nachdem wir nahezu zwei Jahrzehnte über negative Realzinsen gesprochen haben, ist das eine völlig neue Situation“, so Cron. Die Renditen von US-Staatsanleihen liegen derzeit sogar höher, als die von chinesischen Anleihen. „Das stellt die Kapitalmärkte vielleicht nicht auf den Kopf. Aber es zeigt: Da hat sich einiges verändert.“

Inflation wird sinken – die Wirtschaft wachsen
Trotz aller Turbulenzen in der Realwirtschaft und an den Finanzmärkten blickt Cron grundsätzlich zuversichtlich in die Zukunft. Die starken Wachstumsraten der vergangenen Quartale in vielen Volkswirtschaften, werden zwar nicht mehr zu halten sein. Doch global erwarte man in 2022 immer noch ein Wirtschaftswachstum von 2,5 bis drei Prozent. „Wir sehen definitiv keine globale Rezession.“

Keine globale Rezession am Schirm
Cron geht zudem davon aus, dass die hohen Inflationsraten bereits im Jahresverlauf wieder sinken werden: „Alles, was die hohe Inflation erklärt, ist vermutlich bald nicht mehr da.“ Die Basiseffekte bei den Energiekosten würden sich naturgemäß auswachsen, die fiskalischen Impulse schwinden und auch erste Vorlaufindikatoren deuten darauf hin, dass sich Lieferkettenprobleme demnächst entspannen dürften.

Bis sich die inflationsdämpfenden Effekte zeigen, werde aber noch etwas Zeit vergehen. „Bis dahin müssen die Notenbanken etwas tun. Und sie tun es auch,“ so Cron. „Die Fed hat exzellent vorgelegt, Woche für Woche die Rhetorik verschärft und die Inflationsbekämpfung zu ihrem Hauptthema gemacht.“ Das habe die Inflationserwartung an den Märkten sichtlich gedrückt. Auf lange Sicht sei dort keine Inflationsgefahr mehr zu sehen.

Deglobalisierung ist nicht zu erkennen
„Über Deglobalisierung wird ja nicht am grünen Tisch entschieden“, sagt Cron. „Die Entscheidung treffen Konsumenten.“ Und so lange die zu den günstigeren Produkten greifen, werde es den Druck zu Kosteneffizienz geben. Doch sei es durchaus sinnvoll, einmal innezuhalten und mögliche Effizienzgewinne kritisch zu überprüfen. „Wachstum lässt sich auf eine solidere Basis stellen, ohne sich von Globalisierung zu verabschieden.“

Defensive Positionierung für Investoren
Auf diesen Grundlagen können Anleger ihre Strategie aufbauen – und die führt weiterhin kaum um Aktien herum. Wer sich jetzt aus seinen Aktienpositionen herausziehe und mehr Kasse halte, sei der Inflation ausgeliefert – ohne Chancen auf positive Entwicklungen zu haben. Gleichwohl sei im aktuellen Marktumfeld eine eher defensive Positionierung sinnvoll. „Aber wenn die Inflationsraten nachhaltig fallen, wird sich die Lage beruhigen,“ so Cron. „Die Märkte werden sich auf das neue Zinsumfeld einstellen und sich auf Unternehmensgewinne konzentrieren. Und da wird sich weiterhin zeigen: Aktien funktionieren fundamental.“ 

Gute jüngste Quartalszahlen der gelisteten Firmen
Die jüngsten Quartalszahlen börsennotierter Unternehmen enthielten viele positive Botschaften für Aktienanleger. Firmen in den USA hätten gute Zahlen vorgelegt und lägen mit ihren Gewinnsteigerungen im langfristigen Durschnitt. Auch in Europa herrsche eine optimistische Erwartungshaltung. „Das muss man erstmal hinkriegen angesichts der aktuellen Probleme“, sagt Cron. „Das spricht für gute Geschäftsmodelle. Und entsprechend ändert sich auch der Ton in den Unternehmen. CEOs reden wieder mehr von Investitionen“.

Aussichten für Aktienanleger sind also positiv
Dies gelte auch, wenn die Kurse an den Börsen das bislang noch nicht spiegeln würden. Bis sich die Lage an den Aktienmärkten beruhigt habe, sei eine Konzentration auf Sektoren sinnvoll, die nicht eng an der Zinsentwicklung hängen und starke Dividenden versprechen. „Für Wachstumsaktien ist es zu früh.“ Ohnehin müssten Anleger jetzt genauer darauf achten, wo sie investieren.

Lateinamerika und Südostasien stärker in den Fokus rücken
„Lateinamerika ist zuletzt etwas aus dem Fokus geraten. Doch wir sehen dort den Beginn einer positiven Entwicklung“, so Cron. „Ohnehin sind Anleger bei den Emerging Markets in der Vergangenheit oft zu sehr auf China fokussiert gewesen. Das ändert sich gerade. Auch Südostasien könnte von der aktuellen geopolitischen Entwicklung profitieren.“ Für Anleger eröffneten sich da neue Möglichkeiten, zumal China derzeit nicht der große wirtschaftliche Stabilitätsanker wie in der Vergangenheit sei.

Steigende Lebensmittelpreise in Asien haben hohe Bedeutung für die Inflation
Zu Bedenken gibt Cron jedoch, dass in Asien die Inflationsthematik nicht unterschätzt werden dürfe. „Steigende Nahrungsmittelpreise treffen Länder dort ganz anders als uns. Mancherorts besteht der Warenkorb zu 50 Prozent aus Lebensmitteln.“ Die Auswirkungen steigender Lebensmittelpreise, seien derzeit noch gar nicht richtig zu bewerten.

Asiatisches Wachstum zieht Investoren an
Grundsätzlich herrsche unter Investoren aber immer noch eine hohe Bereitschaft, auf das asiatische Wachstum zu setzen. „Ein Einstieg aber ist nicht mehr günstig“, so Cron. Anleger schauten zudem verstärkt auf verlässliche Rahmenbedingungen für ihr Investment in der Region. „Doch wenn diese Bedingungen gegeben sind, sieht es für Asien gut aus.“ (kb)

 

 

twitterlinkedInXING

News

Institutional Money Kontakt
Logo von Institutional Money
Institutional Money
c/o FONDS professionell Multimedia GmbH, Landstrasser Hauptstraße 67, EG/Hof, 1030 Wien

Telefon: +43 1 815 54 84-0
Fax: +43 1 815 54 84-18
E-Mail: office@institutional-money.com

Redaktion Köln:
Hohenzollernring 52
50672 Köln
Telefon: +49 221 33 77 81-0
Telefax: +49 221 33 77 81-19
 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren