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Gute Konjunkturdaten trotz düsterer Prognosen: Wie geht das zusammen?

Fürs Erste halten sich die Konjunkturdaten angesichts von Russlands Krieg überraschend gut, sowohl in den USA als auch für die Eurozone. Doch wie passt das zusammen? Das fragen sich die Experten der DWS Group.

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© VaLDIVIA / stock.adobe.com

Angesichts steigender Zinsen scheinen die Finanzmärkte zunehmend nervös. Mitunter hat man das Gefühl, als wären gute Wirtschaftsnachrichten schlechte Nachrichten für die Finanzmärkte. Schließlich könnte die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit zu einer noch schnelleren Straffung der Geldpolitik führen. Aber ganz so einfach ist es diesmal vermutlich nicht.

Citi Economic Surprise Indizes von USA und Europaim Vergleich
Der Chart zeigt die Citi Economic Surprise Indizes (CESI) für die Eurozone und die Vereinigten Staaten. Diese messen, inwieweit die eingehenden Wirtschaftsdaten von den Markterwartungen abweichen. Ein hohes Niveau bedeutet, dass die veröffentlichten Daten den Ökonomen-Konsens übertroffen haben, während niedrige Werte eine noch schlechtere Konjunkturlage markiert, als ohnehin schon erwartet wurde. Zumindest bisher hatte der jüngste Krieg von Russland keine großen Auswirkungen, trotz zahlreicher Warnungen etwa von der US-Finanzministerin Janet Yellen.

Quelle: Bloomberg, DWS Group

Verzögerungen bei der Datenerfassung
Ein möglicher Grund könnten Verzögerungen bei der Erfassung und Veröffentlichung eingehender Wirtschaftsdaten sein, während Erwartungen sich grundsätzlich in Echtzeit anpassen können. In der Praxis allerdings sind nicht alle Prognostiker ganz so schnell. Die frühen Stadien der Corona-Pandemie im Jahr 2020 sind ein gutes Beispiel dafür, was bei überraschenden und plötzlichen Schocks typischerweise passiert: starke Rückgänge der CESIs, gefolgt von einer raschen Erholung.

Dieses Mal ein anderes Muster?
Der jüngste Monatsbericht der Deutschen Bundesbank bietet einige dezente Hinweise, warum dies so sein könnte. Die Pressemitteilung warnt düster davor, dass eine weitere Eskalation des Krieges gegen die Ukraine und ein abrupter Stop russischer Energielieferungen die deutsche Wirtschaftsleistung um etwa fünf Prozent reduzieren könnte, einschließlich eines „erhöhten Risikoszenarios“ der Schließung großer Teile der deutschen Industrie bis zu drei Quartale lang.

Substitutionsprobleme sind lösbar
Wie die Volkswirte der Bundesbank wissen, hängen ihre Ergebnisse stark vom angenommenen Mangel an kurzfristig möglichen Ersatzstoffen ab. Der Bericht stellt fest, dass „Energie prinzipiell ein recht homogenes Gut“ ist. Das macht es schwer, mikroökonomische Anpassungsprozesse in makroökonomischen Modellen zu erfassen. Auch wirkt eine plötzliche Lieferunterbrechung - etwa aufgrund von Naturkatastrophen - völlig anders, als wenn sich Firmen und Haushalte darauf vorbereitet konnten, besonders bei einer gesamteuropäischen Betrachtung.

Zur Illustration zwei Beispiele
Bereits jetzt stehen in Südengland gasbeheizte Gewächshäuser leer, die Supermarktregale jedoch nicht. Höhere Gaspreise machen es jetzt wirtschaftlich sinnvoll, Gurken aus Ländern zu importieren, in denen die Sonne kostenlos heizt. Zweites Beispiel: Estland plant, für Heizzwecke im kommenden Winter mittels Fernwärme verstärkt graue Erlen abzuholzen, von denen es genügend gibt. Das wäre bei den alten Gaspreisen zu teuer gewesen.

Warum also die düsteren Bundesbank-Annahmen, vor allem im vollen Wissen, dass dies auch die Prognostiker des privaten Sektors nervös machen könnte, ohne dass diese zwangsläufig jede Fußnote lesen? Der folgende Abschnitt mag einige Hinweise geben: „Indes könnten die kurzfristigen Substitutionsmöglichkeiten der Energieträger tatsächlich größer sein als angenommen. (…) Zudem könnte die Substitutionselastizität in der aktuellen Lage beispielsweise durch geschicktes Krisenmanagement gesteigert werden.“ Das erinnert ein wenig an das Präventionsparadoxon in der Anfangsphase der Corona-Krise: Je ernster die Warnungen jetzt genommen werden, desto wahrscheinlicher sind am Ende „positive Überraschungen“. Die wären dann aber keineswegs ein Grund zur Sorge an den Märkten, wenn sie lediglich reibungslosere Anpassungen auf der Angebotsseite darstellen, als man an höchster Stelle zu hoffen gewagt hatte. (kb)

 

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