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Gute Gründe: UBS-CIO erwartet trotz inverser Zinskurve keine Rezession

Maximilian Kunkel, Chief Investment Officer Deutschland sowie Anlagestratege innerhalb des UBS Wealth Management Chief Investment Office - UHNW & Alternatives, begründet, warum Investoren trotz einer inversen Zinskurve keine baldige Rezession befürchten müssen.

Maximilian Kunkel, Chief Investment Officer Deutschland sowie Anlagestratege innerhalb des UBS Wealth Management Chief Investment Office - UHNW & Alternatives
Maximilian Kunkel, UBS
© UBS

"Vergangenen Freitag rentierten zum ersten Mal seit 2007 US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von drei Monaten höher als zehnjährige US-Staatsanleihen. Üblicherweise steigt die Verzinsung mit der Laufzeit", leitet Maximilian Kunkel, Chief Investment Officer Deutschland sowie Anlagestratege innerhalb des UBS Wealth Management Chief Investment Office - UHNW & Alternatives, eine aktuelle Markteinschätzung zum Rentenmarkt ein, in dem er ausführlich auf die Gefahren einer Rezession eingeht.

Auslöser dieser Entwicklung der Zinsstrukturkurve waren eine Kombination aus einer zurückhaltenden Federal Reserve und anhaltenden Wachstumsbedenken. Zur Erinnerung: Eine solche inverse Zinsstruktur wird traditionell als Vorbote einer nahenden Rezession gesehen. Laut Kunkel könnte es jedoch zu früh sein, sich nur basierend auf diesem Signal für den nächsten Abschwung zu positionieren. "Historisch waren Zinskurven teilweise mit dem Konjunkturzyklus korreliert. Korrelation ist jedoch keine Kausalität. Aktuelle reale Zinsen, US Hochzinsanleihenaufschläge, sowie die Verfassung des US-Konsumenten deuten nicht auf eine kurz bevorstehende Rezession hin."
 
Reale Zinsen noch nicht hoch genug
US-Wirtschaftszyklen enden für gewöhnlich nicht bevor reale Zinsen das nominale BIP Wachstum übersteigen. Das derzeitige Niveau der realen (also inflationsbereinigten) Zinsen ist noch zu niedrig für einen anstehenden Abschwung. In den letzten 60 Jahren erlebte die USA nie Rezession mit realen Leitzinsen unter 1,8 Prozent. Zum Vergleich, derzeit liegt der Realzins (gemessen an der Fed Funds Rate minus Kerninflation) bei 0,3 Prozent. Breitere Finanzierungsbedingen, wie sie beispielsweise durch die Chicago Federal Reserve gemessen werden, haben sich zuletzt deutlich gelockert. Typischerweise verschlechtern diese sich vor Rezessionen erheblich.
 
HY-Bond-Spread noch niedrig
Die Risikoaufschläge für Hochzinsanleihen gegenüber Staats-und Unternehmensanleihen guter Bonität weiteten sich deutlich vor jeder der letzten drei US Rezessionen aus. Die Ausweitung betrug im Durchschnitt  knapp 400 Basispunkte bis drei Monate vor der Rezession. Derzeitige US-Hochzinsanleihenaufschläge befinden sich ungefähr 115 Basispunkte über ihrem niedrigsten Stand in diesem Zyklus, der im Oktober 2018 erreicht wurde.

US Konsument in guter Laune
Der US Konsument, der Kerntreiber der globalen Nachfrage, befindet sich in blendender Verfassung. Die Arbeitslosenquote ist auf dem niedrigsten Stand seit gut fünfzig Jahren und liegt für alle Bevölkerungsgruppen auf einem sehr tiefen Niveau. Durchschnittliche Stundenlöhne für alle Angestellten steigen derzeit so stark wie zuletzt 2009. Da dieses nominale Lohnwachstum deutlich über gängigen Inflationsraten liegt, beschert dieser Anstieg Arbeitnehmern reale Ertragszuwächse.

Gleichzeitig befindet sich das Konsumentenvertrauen nahe einem Rekordhoch. Zusätzlich hat seit der Finanzkrise eine bemerkenswerte Entschuldung der amerikanischen Privathaushalte stattgefunden. Dem starken nominalen Schuldenwachstum steht ein noch stärkeres Wachstum der Vermögen – insbesondere Finanz- und Immobilienvermögen – gegenüber. Und dank den anhaltend niedrigen Zinsen ist der Aufwand der Haushalte für den Schuldendienst überschaubar. All dies unterstützt weiterhin Konsumausgaben, welche rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung der USA ausmachen. 

Jetzt shorten wäre zu früh
"Für einen nachhaltigen Bärenmarkt brauchte es historisch fast immer eine Rezession innerhalb des nächsten Jahres. Auch wenn wir kurzfristig eine volatilere Konsolidierungsphase an den Finanzmärkten sehen und entsprechend zuletzt unsere taktische Übergewichtung in globalen Aktien reduziert haben, ist es fraglich, ob man sich für den nächsten deutlichen Abschwung  bereits positionieren sollte", erklärt Kunkel abschließend. (aa)
 

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