Logo von Institutional Money
| Märkte

Gute Arbeitsmarktzahlen setzen Notenbank unter Druck

Die jüngst veröffentlichten Arbeitsmarktzahlen in den USA waren stark und sorgen dafür, dass die Fed ein Argument für einen Zinsschritt nach oben hat. Damit werde die bald veröffentlichten Inflationszahlen umso entscheidender.

Johannes Mayr, Eyb & Wallwitz: "Das stabile Konjunktur- und Arbeitsmarktbild ist für Risikoanlagen weiter eine Stütze. Am Rentenmarkt bleibt das Chance-Risiko-Verhältnis dagegen asymmetrisch." 
Johannes Mayr, Eyb & Wallwitz: "Das stabile Konjunktur- und Arbeitsmarktbild ist für Risikoanlagen weiter eine Stütze. Am Rentenmarkt bleibt das Chance-Risiko-Verhältnis dagegen asymmetrisch." © Christoph Hemmerich / Institutional Money

Eckpunkte:

  • Der US-Arbeitsmarkt hat im August 162.000 Stellen aufgebaut und damit nach zwei schwachen Monaten deutlich an Dynamik gewonnen.
  • Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,1 Prozent, die Erwerbsquote stieg leicht und auch die Vormonate wurden nach oben revidiert.
  • Der Bericht stützt die These einer stabilen US-Konjunktur.
  • Zugleich blieb die Lohndynamik mit 3,1 Prozent im Jahresvergleich moderat.
  • Der Arbeitsmarkt steht einer Zinsanhebung damit nicht mehr entgegen

Laut offiziellem Arbeitsmarktbericht stieg die Beschäftigung in den USA im August um 162.000 Stellen. Das ist nicht nur erheblich mehr als in den beiden Vormonaten, sondern auch deutlich mehr als der durchschnittliche monatliche Zuwachs in den vergangenen zwölf Monaten. Zudem wurden Juni und Juli zusammen um 55.000 Stellen nach oben revidiert. Die Sorge vor einem abrupten Einbruch am Arbeitsmarkt hat sich damit erneut nicht bestätigt. Das berichtet Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz, in einer aktuellen Kurzeinschätzung.

Positiv sei auch, dass sich der Stellenaufbau in der Industrie fortgesetzt hat. Zwar entfielen mit 101.000 weiterhin viele neue Stellen auf Gastronomie und Bildung, während der Informationssektor 23.000 Arbeitsplätze verlor. In der Summe zeigt der Bericht aber eine Wirtschaft, deren Beschäftigungsbasis trägt.

Dazu passt Mayr zufolge die Haushaltsbefragung: Die Arbeitslosenquote verharrte bei 4,1 Prozent, die Erwerbsquote stieg leicht auf 61,6 Prozent und die Zahl der unfreiwillig Teilzeitbeschäftigten ging deutlich zurück. Auch die Wochenarbeitszeit legte leicht zu. Gleichzeitig erhöhte sich der durchschnittliche Stundenlohn um 0,3 Prozent zum Vormonat und um 3,1 Prozent zum Vorjahr.

Kommenden Inflationszahlen entscheidend
Die US-Konjunktur und der Arbeitsmarkt sind stabil, der Lohndruck bleibt begrenzt. Die Entscheidung für oder gegen eine Zinsanhebung durch die FED im September fällt deshalb mit den Inflationsdaten in den kommenden Tagen. Fallen diese moderat aus, kann FED-Chair Warsh die Leitzinsen weiter unverändert halten. Fallen sie dagegen hoch aus, wird diese Position angesichts der robusten Wirtschaft immer schwerer zu rechtfertigen.

Dann könnte der Aufwärtsdruck auf die Marktzinsen auch von der geldpolitischen Seite weiter zunehmen und die Notenbank auf einen Zielkonflikt mit dem Finanzministerium zusteuern. Dieses versucht durch Rückkäufe von Staatsanleihen, die Liquidität am Anleihemarkt zu verbessern und den Druck auf die langfristigen Renditen zu begrenzen. Eine inflationsbedingt restriktivere FED würde in die entgegengesetzte Richtung arbeiten.

Je stärker die Finanzpolitik auf niedrige Finanzierungskosten angewiesen ist, desto wichtiger wird dabei die Unabhängigkeit der Notenbank. Für Anleger heißt das laut Mayr: "Das stabile Konjunktur- und Arbeitsmarktbild ist für Risikoanlagen weiter eine Stütze. Am Rentenmarkt bleibt das Chance-Risiko-Verhältnis dagegen asymmetrisch: Ein moderater Inflationsbericht kann die Renditen stabilisieren, eine neue Aufwärtsüberraschung an der Preisfront könnte sie aber spürbar steigen lassen." (aa)

Diese Seite teilen

Weitere Inhalte aus der Redaktion