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Gundlach mit Faustformel zur Berechnung der zehnjährigen US-Renditen

DoubleLine-Gründer Jeff Gundlach hat eine genaue Vorstellung darüber, was passiert, wenn die Renditen zehnjähriger US-Treasuries die Drei-Prozent-Schwelle überschreiten. Aktien werden dann 2018 negativ performen. Noch interessanter ist aber seine Formel zur Berechnung zehnjähriger US-Renditen.

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Rentenpapst Jeff Gundlach, Gründer von DoubleLine
© Tim Zeilner

Sollten die zehnjährigen Renditen für US-Staatsanleihen die wichtige Hürde von drei Prozent nehmen, bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass US-Aktien das Jahr 2018 mit einem Minus beschließen werden. Das meinte Jeff Gundlach in seinem jüngsten öffentlichen Webcast. 

Welche Kraft setzt sich letztendlich durch?

Man kann sich natürlich die Frage stellen, wie realistisch ein Durchbruch der Renditen über die Drei-Prozent-Hürde ist, wenn praktisch alle Marktteilnehmer Duration short positioniert sind. Viel wahrscheinlicher mutet es in einer solchen Situation an, dass bei überraschend schwachen Wirtschaftszahlen es zu einem Short-Squeeze am US-Rentenmarkt kommt, wodurch die Treasury-Renditen dann deutlich fallen könnten. Während also die Fundamentals eher für höhere Renditen sprechen, lässt die Technik das Gegenteil vermuten, so es zu keinem inflationären Schock kommt. 

Weitere Highlights des Webcasts

Gundlach erwartet, dass das US-Budgetdefizit im Fiskaljahr 2019 mehr als 1,1 Billionen US-Dollar ausmachen wird: "Infolge steigender Ausgaben und der Steuererleichterungen erwarte  ich eher 1,2 bis 1,3 Billionen US-Dollar Defizit.". Die Leading Indicators würden für die nächsten zwölf Monate keine Rezession erwarten lassen, die Inflation werde wahrscheinlich über das Zwei-Prozent-Ziel der Federal Reserve Bank hinausgehen. Man solle sich daher für einen weiter schwächeren Dollar wappnen, so Gundlach.  

Wo sieht Gundlach den fairen Wert der zehnjähigen US-Treasury-Renditen?

Für den "fair value" des zehnjährigen Nominalzinssatzes zieht der DoubleLine-Gründer einfach den Durchschnitt aus der zehnjährigen deutschen Bund-Rendite und dem zuletzt geschätzten nominalen US-BIP-Wachstum heran( siehe Grafik).

Quelle: Bloomberg, DoubleLine, zerohedge.com

Wie die Grafik zeigt, gibt es tatsächlich eine unheimliche Korrelation seit 30 Jahren zwischen der Entwickung des Durchschnitts aus der Rendite deutscher Bunds und dem nominalen US-BIP-Wachstum einerseits und den zehnjährigen US-Treasury-Renditen andererseits. 

Nachgerechnet

Wenn man die - nicht nur in den Augen von Gundlach manipulierte - zehnjährige Rendite deutscher Bundesanleihen mit 0,60 Prozent betrachtet und annimmt, dass das reale US-BIP auf Basis der Schätzung der Fed von Atlanta derzeit bei 3,2 Prozent liegt und dazu Inflation von 1,8 Prozent hinzuaddiert, kommt man auf ein Nominalwachstum der US-Wirtschaft von zirka fünf Prozent. Nach der Gundlach-Formel wäre die zehnjährige "faire" US-Treasury-Rendite dann bei 2,80 Prozent gelegen. Tatsächlich liegen wir aktuell bei 2,812 Prozent Rendite. 

Solange die Zehnjahres-Rendite als nicht die drei Prozent erklimmt, könnte es sich also noch auszahlen, Risiko in den Märkten zu nehmen. Glaubt man Gundlachs einfacher Faustformel und kommt es zu keiner dramatischen Erhöhung der US-Produktivität oder einer starken Renditeerhöhung deutscher Bundesanleihen, ist eine nachhaltige Steigerung der zehnjährigen Treasury-Renditen auf drei oder gar vier Prozent sehr unwahrscheinlich. (kb)

 

 

 

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